42 Wolfsburg
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Bei der 42 lernst du zu lernen, programmieren und was du willst

Eine Antwort auf die Heise-Community Kritik an der 42 Wolfsburg und eine Einladung zum echten Diskurs

Max Senges

Ausprobieren und sich gegenseitig helfen — das war schon immer fundamental beim Programmieren lernen. Das hat auch Vint Cerf — einen der Erfinder von TCP/IP — bestätigt als er zum virtuellen Besuch bei der 42 Wolfsburg war. Cerf sagte, dass es damals es keine Uni Programme oder gar Bootcamps gab, in denen ‘formell’ und akademisch Software Entwicklung gelehrt wurde. Er und seine Freunde hätten eben ausprobiert, sich geholfen und auf diesem Weg sehr effektiv gelernt. Im Prinzip machen wir es bei der 42 genau so.

Was hilft Menschen, besser zu lernen? Das ist sozusagen die Ausgangsfrage der Schule 42, die es inzwischen an 35 Standorten weltweit gibt, Die Antwort lautet: Menschen lernen besser ohne Autoritäten, ohne Zeitstress, spielerisch, selbstorganisiert, kooperativ, im Team (virtuell oder analog) — und vor allem: ohne Vorlesungs-Korsett. Mike Resnick vom MIT Media Lab fasst die Zutaten des Ansatzes (unabhängig von uns) folgendermaßen zusammen: Passion, Projekts, Peers and Play. Resnick will bewahren, was in Schulen und Universitäten häufig verloren geht.

Denn: Wir kommen als Lerner auf die Welt, wir wollen ausprobieren, wir wollen unsere Talente zur Geltung bringen, stressfrei und kreativ. Genau das ist in vielen herkömmlichen Bildungsstätten oft nicht möglich. Auch deshalb gibt es 42.

Und auch den zweiten Kernaspekt für effektives Lernen, die selbst gesetzten Lernziele, also die Antwort auf die Frage: Warum lerne ich?”, greifen wir bei der 42 Wolfsburg zentral auf. Jeder kann seine Lernziele selbst beschreiben und in einem Learning Journal reflektieren, wie die persönliche Entwicklung voranschreitet.

Dazu gehört auch sich mit den Werten der Schul-Community, beispielsweise Radical Inclusion oder Tech for Good auseinanderzusetzen. Mitbestimmung, also Mitmischen bei der institutionellen Infrastruktur und Praktiken, ist bei uns so selbstverständlich, dass wir hoffen unsere Studierenden werden ihr Haltung und Verantwortungsverständnis auch später bei Arbeitgebern und Unternehmungen selbstbewusst vertreten.

Sicher kein Bootcamp

Der Artikel über den 42-Ableger in Wolfsburg hier auf heise.de hat nun in der Community wilde Spekulationen ausgelöst. Es wurde abgeurteilt, verächtlich gemacht und der Eindruck erweckt, als ginge es in unserer Schule darum, „Arbeitsdrohnen“ für VW auszubilden, als seien wir ein „Bootcamp“, um schnell Programmierer auf den Markt zu werfen. Was schon allein deshalb absurd ist, weil es 42-Gründer Xavier Niel 2013 darum ging eine meritokratische Form der Ausbildung zu schaffen, mit einem egalitären Zugang für jede und jeden — eben auch für jene, die sich keine Privatschulen leisten können oder mit den klassischen akademischen Bildungswegen nicht zurechtkommen.

Ein weiterer Vorwurf lautete, es gebe in 42 keinen Tiefgang, kein Fundament (was der Kommentator mit “keine Theorie” gleichsetzt). Tatsächlich fangen wir beim Programmieren an der Oberfläche an und je nachdem welche Interessen die Lernenden verfolgen, unterstützen wir sie mit Input, Infrastruktur und Lernräumen über Monate und Jahre hinweg. Im Grundstudium setzen wir auf „klassisches“ C, um Grundlagen wie Pointer Arithmetik und Speicher Allocation zu lernen, erst dann folgen Higher-level Sprachen. Dabei wird die Komplexität immer weiter gesteigert, und das individuell und dem Lernwillen entsprechend. Und ja, dabei steht immer das praktische Lösen von Aufgaben im Vordergrund. Um die Projekte zu lösen, muss man aber durchaus die praxisrelevanten Hintergründe begreifen und in Anwendung übersetzen. Man kann sich selbst testen, sich selbst herausfordern, sich selbst steigern. Gerade bei der 42 Wolfsburg haben wir speziell Weltanschauung und Lebenskunst, den eigenen Pace und gute Gewohnheiten zu reflektieren explizit ins Curriculum aufgenommen. Und wo und wann man wie tief gehen will entscheidet man selbst. Wir fördern eine aufgeklärte Selbstbestimmtheit deutlich konkreter als die standardisierteren staatlich anerkannten Lernpfade. Wir nennen es den „Geh-so-tief-wie-du-willst” Ansatz — im Gegensatz zum gängigen: „Du musst!“

Das überzeugendste Argument für die Schule 42, ist für mich jedoch die humanistische Haltung gegenüber unseren Bewerber:innen. Wir sagen: Zeig, was du kannst. Deine bisherigen Zeugnisse, deine Abschlüsse, dein Berufsweg zählen nicht, die sagen nichts über deine Fähigkeiten und Talente. Bei uns kannst du zeigen, was wirklich in dir steckt. Und das macht die Schule 42 aus: Wir geben Menschen eine echte Chance. Eine Chance die sehr gefragte Kompetenz Softwareentwicklung zu lernen und — was noch viel wichtiger ist — zu lernen wie man alles lernen kann und dabei entdecken, was ihr oder ihm persönlich wirklich wirklich wichtig ist.

May the code be with you,

Max

PS: Ich bin sehr gespannt auf die Kommentare im Forum und würde mich freuen, wenn es zu einer echten Diskussion kommt in der auch 42 Studenten sich einbringen.

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42 is an innovative, higher education coding school that turns the traditional educational model on its head: Get an industry-leading, college-level education for free with no teachers, classes or books!

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