Nach der Series B ist vor dem Presense-Marketing

Alex Meyer
May 2 · 5 min read

Adverity-CEO Alexander Igelsböck kenne ich schon lange. Nach dem Abschluss der jüngsten Finanzierungsrunde seines Unternehmens, habe ich mit ihm über vorurteilsfreie Daten, entspannte Investoren-Pitches, KI und Wien als Standort gesprochen. Mit dem Gespräch starten wir eine offene Reihe, in der wir Gründern und Interessierten einen Einblick in das Denken von Unternehmern aus unserem Portfolio geben wollen: ihre Learnings, ihre Meilensteine und ihre Haltung.

Alex Meyer: Ihr wart sehr gut vorbereitet auf die Runde, hattet Eure Argumente parat. Wie seid Ihr das angegangen und was war Euch wichtig für die Series-B-Runde?

Alexander Igelsböck: Für uns war klar, dass wir uns nicht in einen Fundraising-Funnel mit zig Pitches vor Investoren begeben wollten. Wir haben unsere Meilensteine herausgearbeitet, was das Kundenwachstum betrifft, aber auch, was das qualitative Wachstum im Team angeht. Parallel haben wir früh individuelle Gespräche mit ausgewählten Investoren geführt. So konnten wir die Runde effizient umsetzen. Ein Fundraising, bei dem sechs Monate lang jeder Stein im Unternehmen umgedreht wird, das ist eine Distraction, die ich nicht will. Ich wollte den Fokus auf das operative Geschäft nicht verlieren..

Was habt Ihr nach dem Abschluss gemacht? Habt Ihr den Erfolg festgehalten?

Wir saßen eine Stunde nach dem Termin beim Notar wieder am Schreibtisch. Natürlich freut uns das entgegengebrachte Vertrauen der Investoren, aber wir feiern erfolgreiches Fundraising nicht. Wir feiern zufriedene und mit unserer Software erfolgreiche Kunden — es ist schön, durch die Tür zu kommen und das Team zu sehen wie es gemeinsam an den Erfolgen arbeitet, an den kleinen, wie an den großen.

Eure nächsten Ziele sind Internationalisierung und Wachstum. Kannst Du etwas zu Euren Plänen sagen?

Der AdTech-Markt ist den meisten vertraut, der MarTech-Markt — und im speziellen der Marketing-Intelligence-Markt — in dem wir uns bewegen, ist weniger bekannt, und er ist noch recht jung. Wir wollen darin international expandieren und wachsen, aber massiv wichtig ist für uns auch Research & Development und das kontinuierliche Investment ins Produkt.

Ihr habt mit Eurer Data-Intelligence-Plattform das Reporting im Werbegeschäft aus der Excel-Hölle geholt. Was war der wichtigste Gedanke für Euer Konzept?

Kein Mensch sollte das manuell machen. Daten aufzubereiten ist schmerzhaft. Zum einen produziert manuelle Arbeit kontinuierlich Fehler und diese fließen dann als Grundlage in Kampagnen und deren Bewertung ein. Zum anderen ist es ein unnötiger Verschleiß an Zeit, menschlicher Intelligenz und Ressourcen. Ein automatisiertes Reporting und eine gute Business Intelligence integrieren die Daten sauber und spielt sie in einem Dashboard aus. Der Marketing-Mitarbeiter übernimmt heute im Idealfall die strategische Rolle die Daten zu interpretieren. “Data-driven” zu sein heißt, Daten schnell und effizient interpretieren und entsprechende Entscheidungen treffen zu können.

Darüber hinaus schwebt Euch aber noch etwas anderes vor. Ihr wollt, dass Marketingmitarbeiter anders mit den Daten interagieren als bisher. Kannst Du das kurz erläutern?

User können heute vor dem Dashboard sitzen, Fragen und Hypothesen formulieren und sie anhand der Daten überprüfen. Mit den Erkenntnissen können sie die nächste Kampagne planen. Wir wollen dahin, dass die Plattform Antworten gibt auf Fragen, die der User gar nicht hatte. Wir glauben, die Zukunft muss dahin gehen den Nutzer “pre-sense” schlau zu machen. Das bedeutet, dass das System Anomalien und Potenziale erkennt und ausspielt, und nicht nur Antworten auf die Fragen von Mitarbeitern — gibt die vielleicht nicht die richtigen Fragen sind.

Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz für diese Vision? Technologisch und aus Sicht der Kunden?

Unsere Plattform ist organisch in den Bereich KI hineingewachsen. Unser Theorem, dass Datenintelligenz im Marketing pre-sense gesteuert werden werden muss, also aus der Logik der Ergebnisse statt aus der Logik des Marketing-Mitarbeiters heraus, das hat sich ganz natürlich abgeleitet. Nach der sauberen Integration und dem Ausspielen von Daten ist der nächste große Schritt für das Marketing eine lernende Intelligenz, die Muster und Anomalien erkennt und Handlungsempfehlungen gibt. Hier sprechen wir sowohl über Machine Learning, statistische Auswertungen und regelbasierte Intelligenz als auch über KI — jedoch nicht KI zum Selbstzweck; sie muss ihn in der Anwendung überzeugen.

Wie führt Ihr neue Produkt-Features ein, welche Rolle spielen die Kunden dabei?

Wir zählen sowohl große Brands als auch kleinere E-Commerce-Firmen zu unseren Kunden. Große Brands bieten eine ungemeine Datenfülle für unser Produkt. Auf der anderen Seite haben wir viele coole Sachen und neue Features mit kleineren Organisationen sehr schnell und agil umgesetzt und dann für alle Kunden in der Plattform bereitstellen können.

Ihr als Gründer wart selbst auch als Investoren tätig. Inwiefern hat das Eure Finanzierungsrunden für Adverity erleichtert?

Wir gehen entspannter an Finanzierungsrunden ran, denke ich, weil wir genau wissen, was Investoren wichtig ist. Das könnt Ihr vielleicht bestätigen. Außerdem haben wir als Investoren gesehen wie wie wichtig ein kultureller Fit zwischen Investor und Gründer ist. Bei allem Wachstum und Erfolg muss ich Investoren haben, die auch zähere Phasen kennen und mit meinem Unternehmen durchstehen. Einen langfristigen Unternehmensaufbau zu begleiten ist etwas anderes als ein Startup auf Hyper Growth zu trimmen.

Wie würdest Du Eure Rollen im Gründerteam umreißen?

Wir sind ja zu dritt und hatten mit meinem Co-Gründer Andreas Glänzer von Anfang an einen Experten für unseren Markt im Bereich Sales & Marketing im Team. Martin Brunthaler ist und war schon immer der Top-Tech Guy, und ich bin eben für alles andere zuständig.

Ihr wollt den Hauptsitz des Unternehmens trotz internationaler Expansion in Wien lassen?

Ja. Zum einen ist unser ganze Produktentwicklung hier angesiedelt und Europa ist ein sehr guter Standort für den Ausbau in Richtung Datenintelligenz und KI. Man kann mittlerweile tolle Sachen und auch größere Finanzierungsrunden hier umsetzen und das mit einer gewissen Ruhe. Außerdem ist Wien eine wirklich tolle Stadt zum leben und damit ein sehr guter Standort, um Talente von außerhalb anzuziehen. Neben unserem Standort in London haben wir in Wien bereits 15 verschiedene Nationalitäten in unserem Team.

Ihr tretet als Gründerteam sehr erdverbunden auf. Was ist Deine persönliche Triebfeder und was hält Dich am Boden?

Ein Rezept dafür gibt es nicht. Wir sind keine crazy “Startup Guys” und wollen keine Serial-Entrepreneure sein, sondern klassische Unternehmer die ein Top-Technologie-Unternehmen aufbauen. Der Spaß besteht für mich darin, jeden Tag ins Büro zu kommen und gemeinsam mit dem Team am Produkt und für den Erfolg unserer Kunden zu arbeiten.

Ihr wollt nun wachsen und internationalisieren. Welches Führungsprinzip hat sich als erfolgreich erwiesen für Euch?

Ein gesunder Unternehmensaufbau ist auf jeden Fall ein Leitbild für uns, und wir kommunizieren mit unserem Team sehr offen. Als Führungsperson erreichbar zu sein und andere die smarteste Person im Raum sein zu lassen, das ist das Ziel.

42CAP

42CAP is an early stage VC in Munich with focus on data- and technology-driven business models.

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