Der Klangfänger von London

Der Brite Cosmo Sheldrake fängt Sounds unserer Welt ein und verwebt sie zu musikalischen Erlebnissen, die derzeit besagte Welt wiederum aufhorchen lassen. Uns ließ er in seine Soundcloud eintauchen.

110% Magazin
Sep 2, 2018 · 3 min read

Interview: Johannes Stühlinger

Foto: Orban Wallace

Obwohl Cosmo Sheldrake über 30 Instrumente spielt, bestehen seine Songs vorwiegend aus Klängen, die in der Natur vorkommen. Er zeichnet sie auf, sammelt, archiviert sie akribisch und komponiert mit ihnen schlussendlich seine Musik. Und das so erfolgreich, dass die Songs des 28-Jährigen derzeit um die Welt gehen. Bevor der Brite im Jänner beim Geburtstagsfest von FM4 in Wien aufspielt, haben wir schon vorab bei ihm reingehört.

Du bezeichnest Musik gern so nebenbei als „Flüssige Philosophie“. Aber: Was meinst du damit eigentlich?
COSMO SHELDRAKE:
Das ist ein Satz, den mein Freund, der erstaunliche Komponist Rolf Gehlhaar, einmal zu mir gesagt hat und der für mich sofort Sinn ergeben hat. Für mich kann ein Musikstück genauso eine Aussage über unsere Welt machen wie ein Bild. Wie etwa Vincent van Goghs Gemälde eines Stuhls über die Natur von Wahrnehmung und Perspektive erzählt, sagt auch ein Song immer etwas über diese Welt aus.

Nachdem deine Songs vorwiegend Geräusche der Natur spiegeln, fängst du unsere Welt auf besondere Art und Weise ein. Wie bist du auf diese Idee gekommen?
Das begann, als ich in einem Sommer unterwegs war und zufällig einen tragbaren Recorder dabei hatte. Ich fing damit an, meine kleinen Abenteuer zu dokumentieren. Aus den Klängen, die ich gefunden und aufgenommen habe, sind dann einige Musikstücke entstanden. Meine Idee war, dass ich mich beim Hören dieser Musik wieder an all die vielen kleinen Momente und Dinge erinnern kann, die passiert sind …

Deine Musik ist also eine Art musikalische Biografie deiner erlebten Abenteuer?
Es ist ein bisschen wie Journalismus: und zwar in dem Sinne, dass es mir dabei immer darum geht, Geschichten zu erzählen. Sound kann eine große Menge davon zeitgleich erzählen.

Inzwischen sind deine Festplatten prall gefüllt mit unterschiedlichsten Klanggeschichten. Gibt es einen Sound, den du besonders gerne hast?Hm, ich bin mir nicht wirklich sicher, was mein Lieblingsgeräusch sein könnte. Grundsätzlich mag ich wirklich knackige, spröde Sounds und auch große, gehauchte, holzige Klänge. Aber auch Raben machen manchmal erstaunliche Geräusche. Einer meiner Lieblingssounds in ihrem Repertoire ist aber sicher dieser eine, der wie ein Wassertropfen klingt.

Gibt es für dich so etwas wie den „Heiligen Gral der Geräusche“, dem du bis heute nachjagst?
Ich habe sehr lange versucht, diesen gerade schon erwähnten besonderen Rabensound aufzunehmen. Aber: Raben gelten nicht zu Unrecht als Betrüger (lacht)! In der Sekunde, in der ich meine Aufnahme einschalte, hören sie auf der Stelle auf zu singen und flattern den Strand hinunter und davon. Jedes Mal.

Im Gegensatz zu deinen realen Sounds sind deine Songtexte voll von Magie. Oder ist Magie auch Realität?
Aber sicher! Ich denke, Magie ist sehr real und präsent. Ein Freund von mir, der Schriftsteller und Philosoph David Abram, ist sehr hilfreich dabei, wenn man über die Magie in unserer Welt nachdenken möchte. Sein Buch „Im Bann der sinnlichen Natur“ erforscht Magie auf eine interessante Art und Weise. Das kann ich jedem ans Herz legen, der nach Magie sucht.

Was war denn dein letzter magischer Moment?
Es gibt viele! Gerade jetzt bin ich auf einer abgelegenen Insel in Vancouver, Kanada. Meine ganze Familie ist um mich, und viele alte Freunde auch. Das allein ist schon magisch. Doch hier scheint Magie überdies sehr lebendig und munter zu sein. Es passieren regelmäßig magische Dinge in diesen Tagen.

Ja, du bist in Wahrheit offline und machst für uns bloß eine Ausnahme. Was macht so eine Auszeit mit dir?
Wahrscheinlich ist so eine Auszeit für jeden wichtig. Wenn ich mir keine Zeit für mich nehme, in der ein Großteil aller Informationen ausgesperrt bleiben, würde ich wohl verrückt werden. Ich brauche einfach Zeit in der Natur. Das hilft mir sehr dabei, meine Gedanken zu ordnen und eine neue Perspektive auf die Dinge zu bekommen. Um inspiriert zu werden.

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