Beichte : Warum Gott nicht allwissend ist

Nach christlicher Auffasung für die Sünden der Menschen am Kreuz gestorben: Jesus Christus

Eines der zentralen christlichen Sakramente in der katholischen Kirche ist die Beichte. Die Beichte, so theologische Auffassung, ist die Vergebung der Sünden. Der Beichtwillige sucht einen Priester seinen Vertrauens auf und wird von seinen Sünden freigesprochen. Voraussetzung dafür ist die ehrliche Reue über das Vergehen. Abhängig vom Beichtvater kann eine Beichte verschiedene Formen annehmen: entweder gleicht sie einem penetranten Verhör, das nach jedem Detail der jeweiligen Sünde lechzt, oder — die besser gefundenen Beichten — einem stillen Zuhören. Was aber passiert bei einer Beichte? Wir müssen 2 Voraussetzungen annehmen, ohne die eine Beichte nicht funktionieren kann.

  • Es muss ein allmächtiger Gott angenommen werden, der dem Menschen die Sünden erlassen kann.
  • Es muss zudem angenommen werden, dass Gott diese Befugnis auf einen Klerus übertragen hat und diese anstelle seiner Handeln kann.

Gleichzeitig muss eine Beichte auch dann wirksam sein, wenn der Beichtwillige an beides nicht glaubt, denn ein Sakrament wirkt “ex opere Operator”. Das bedeutet, ein Sakrament wirkt aus sich selbst heraus. Es gibt verschiedene Meinungen, ob man an Sakramente glauben muss, damit sie wirken, aber setzen wir voraus, dass es einen vergebenden Gott gibt, der an einen Priester die Vollmacht zur Sündenvergebung delegiert hätte, so ist auch anzunehmen, dass sich eine sakramentale Wirkung unabhängig vom Glauben entfaltet.

Deswegen, weil ich wissen wollte, was es mit Gott auf sich hat, habe ich verschiedene Beichtexperimente durchgeführt. Im wesentlichen haben sich hieraus mehrere Einsichten ergeben.

  • Eine Beichte wirkt auch dann befreiend, wenn man nicht an einen personalen und handelnden Gott glaubt.
  • Eine Beichte wirkt auch dann befreiend, wenn man bewusst nicht daran glaubt, dass der die Beichte abnehmende Priester die Vollmacht dazu hat.
  • Eine Beichte wirkt auch dann befreiend, wenn man etwa beichtet, was man nicht bereut.
  • Eine Beichte wirkt auch dann befreiend, wenn man etwas beichtet, was man nicht getan hat.

Die Beichte führt unabhängig davon, ob ein Glaube existiert, unabhängig davon, ob man bereut und unabhängig davon, ob man überhaupt etwas getan hat, zu einem Gefühl von Erleichterung. Wenn G0tt von all dem nichts wusste und etwas vergibt, was nicht geschehen ist, muss dieser Gott doch weit von einer allwissenden Entität entfernt sein. Für eine gute Beichte braucht man offenbar folgende Dinge nicht: Glaube, Reue, Sünde.

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