Eine Sache des Handschlags

Durch die deutschen Medien kursiert wieder ein aktueller Fall von “Kulturdifferenzen”. Die Eltern eines Schülers wurden in die Schule bestellt, um das Verhalten des Zöglings zu besprechen. Dabei handelt es sich um keine außergewöhnliche Situation und dürfte zum Alltag der meisten Einrichtungen gehören. Da die Familie gläubige Muslime sind, begrüßte die Mutter die Lehrerin, der Vater die Lehrer. Die Lehrerin bestand darauf, dass der Vater ihr die Hand geben soll, er hingegen verwies auf seine Religion, entschuldigte sich, legte in der für Muslime üblichen Weise die Hand auf die Brust und verneigte sich leicht. In der öffentlichen Debatte werden nun 2 Positionen vertreten: der Vater, der zudem Imam ist, habe sich den hiesigen Sitten zu beugen. Die Gegenposition verlangt, dass sich die Lehrerin aufgrund der Religionsfreiheit den islamischen Sitten zu beugen hätte.

Hierzu meine Gedanken:

Wir sind erwachsene Menschen. Das heißt, wir sollten in der Lage sein, unabhängig von der Frage der geltenden Sitten, als mündige Bürger Umgangsformen im Konsens zu finden und brauchen keinen staatlichen Vormund, der uns befiehlt, wie mir miteinander umgehen. Ob wir uns zur Begrüßung umarmen, uns die Hand küssen, auf die Schulter schlagen oder uns zunicken. Für mich ist es keine Schwierigkeit, die Sitten eines gläubigen Muslim zu respektieren und mich mit diesem Menschen auf Gesten zu einigen, mit denen wir uns verständigen. Für gewöhnlich habe ich daher kein Problem damit, muslimische Frauen zu begrüßen, indem ich meine Hand auf die Brust lege. Umgekehrt habe ich vielfach erlebt, dass es für viele gläubige Muslime, die hier leben, überhaupt kein Problem ist, erst einmal die Hand zu geben. Hier kommen wir an den entscheidenden Punkt. Es hat sich bewährt, in einer fremden Kultur oder einem fremden Land sich entsprechend der dortigen Sitten so zu verhalten, wie es die Menschen als respektvoll empfinden. Denn für die Frage, ob sich jemand respektvoll behandelt fühlt, ist nicht nur meine Intention das entscheidende Kriterium, sondern vor allem, wie mein Gegenüber meine Geste deutet. Und das wird er im Sinne der gesellschaftlichen Konvention tun. Daher denke ich, wäre auch dem Imam zumutbar gewesen, in einem ersten Kontakt der Frau die Hand zu geben. Danach lässt sich klären, wie man sich bei zukünftigen Treffen verhält, was einem wichtig ist.

Andererseits hinterlässt die Lehrerin auch einen eigentümlichen Eindruck. Einen erwachsenen Menschen mehrfach und offensichtlich lautstark erziehen zu wollen, wie er sich ihr gegenüber zu verhalten habe, ist nicht ihre Aufgabe. Man kann nicht einfordern, dass man von einem Menschen angefasst wird. Interessant ist auch, dass die anderen Lehrer scheinbar kein Problem damit hatten, dass ihnen die Mutter nicht die Hand gab. Die Privatschule wirbt in ihren Leitsätzen, dass in der Schule mehrere Sprachen gesprochen werden und “verschiedenen Kulturen unserer Schulgemeinschaft in unser Schulleben“ einbezogen würden. Gleichzeitig gibt es aktuell die Projektwoche “Dealing with Diversity / Umgang mit Vielfalt” und immerhin gab es im letzten Monat einen Klassenausflug nach Malaysia. Man sollte meinen, hier herrscht eine gewisse Kenntnis über andere Kulturen. Dass Muslime dem jeweils anderen Geschlecht nicht die Hand geben, dürfte sich weitgehend auch ohne profunde Islamkenntnis in Deutschland herumgesprochen haben. Wie kommt es also, dass der Lehrerin hier die Allgemeinbildung fehlte?

Trotzdem kann ich der Naivität, mit der manche den Imam “verteidigen”, auch nichts abgewinnen. Wer sich etwas über die Moschee informiert, wo der gute Mann tätig ist, wird schnell bemerken, dass diese zum Umfeld der Hisbollah gehört. Der Mykonos-Attentäter war häufiger Gast in dieser Moschee. Der Imam verehrt den Revolutionsführer Ayatollah Khomeini, der 1989 in einer Fatwa alle Muslime zur Tötung des Schriftstellers Salman Rushdie (“Die Satanischen Verse”). 1980–1985 ließ Khomeini die gesamte Führung der Bahai exekutieren. Weiterhin war Khomeini für die größte Hinrichtungswelle im Iran und für 120 Auftragsmorde im Ausland verantwortlich. Zudem wird auch diskutiert, inwiefern die Strukturen rund um die Moschee des besagten Imam ganz zentral mit antisemitischen islamischen Strukturen in Verbindung stehen, die jedes Jahr den antisemitischen al-Quds-Tag in Berlin anmelden. Ich wundere mich über die Naivität, mit der manche Menschen schon im Vorfeld ausschließen, dass auch die Klage gegen die Lehrerin eine gezielte politische Strategie sein könnte. Immerhin dürfte jemand wie der Imam, der seit 15 Jahren in Deutschland wohnt und bisher kein Interesse daran hatte, die deutsche Sprache zu lernen, nicht direkt jemand sein, dem man glühende Kommunikationsoffenheit und -bereitschaft unterstellen kann. Die verschiedenen Medien verschweigen interessanterweise konsequent, in welchem islamistisch-politischen Umfeld der Imam tätig ist.

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