Fleischarme Ernährung und Religion

Das Thema Ernährung wird meistens durch die Aspekte Gesundheit und Ethik behandelt. Das Thema Gesundheit möchte ich nicht ansprechen, da es nicht nur Meinungen wie Sand am Meer gibt, sondern auch Studien.

Die Wissenschaft von heute ist der Irrtum von morgen.

Das sagt der baltische Biologe Jakob Johann Baron von Uexküll (8.9.1864 — 25.07.1944). Die Menschen können jeden Tag eine neue Studie finden, die eine andere Ernährungsweise als ihre jetzige propagiert. Wer hier nach Wahrheit sucht, ist verloren.

Moralische Argumente sind unbrauchbar

Eine andere Herangehensweise ist die moralische oder ethische. Für viele Menschen ist das die entscheidende Motivation. Diese Motivation hat einen entscheidenden Nachteil: verschiebt sich der moralische Fokus, trifft der Mensch eine andere Entscheidung. Die ausschließlich moralisch bedingte Entscheidung wird vom Gefühl gelenkt, dem eigenen Gewissen. Warum ich diese Herangehensweise nicht für die entscheidende halte, möchte ich hier kurz benennen.

  • Moralisches Bewusstsein entspringt häufig einer gesellschaftlichen Konditionierung. In ihm existieren keine Vernunftgründe, sondern ein Gefühl von “Gut” und “Böse”. Handelt man nicht nach dem dadurch bestimmten Gewissen, geht es dem Menschen schlecht. Folglich können moralische Gründe oft sehr egoistisch sein: sie entspringen dem Gefühl, bestimmte Zustände nicht mehr ertragen zu können und damit dem eigenen Streben nach Wohlbefinden.
  • Es gibt keinen grundsätzlich moralischen Menschen. Wer grundsätzlich moralisch handelt, müsste in allen Bereichen moralisch handeln. Das tut kein Mensch. Der Mensch handelt meist nur in bestimmten Bereichen moralisch, oft (nicht immer) wird diese Fokussierung durch ein Übermaß unmoralischen Handelns in anderen Themenkomplexen ergänzt.
  • Tierisches Protein war der Hauptfaktor für die Entwicklung des menschlichen Gehirns. Daraus kann nicht abgeleitet werden, dass es noch immer notwendig wäre, sein Gehirn weiterhin durch tierisches Protein zu entwickeln oder dass dies überhaupt möglich wäre, es bedeutet aber, dass die Fähigkeit zu moralischen Bewertungen überhaupt erst durch tierisches Protein möglich wurde. Man kann also nicht moralisch gegen tierisches Protein argumentieren, weil die Fähigkeit zur moralischen Bewertung der eigenen Ernährung eine Folge des tierischen Proteins ist.

Viel interessanter sind die tatsächlichen Auswirkungen der Massentier-haltung auf die Ökologie unseres Planetens. Da ich die einzelnen Punkte nicht aufzählen will, sei hier nur kurz darauf verwiesen, dass die heutige Massentierhaltung und der Konsum von Fleisch oder tierischen Produkten weit über das notwendige Maß hinausgeht. Wir zerstören damit schrittweise unseren Planeten.

Welches Bild habe ich vom Tod

Die interessante Frage ist, welche Vorstellung ich vom Tod und von einer Existenz nach dem Tod habe. Gehe ich davon aus, dass mit dem Sterben des Ende erreicht ist und die Energie meines Körpers auf die Lebewesen übergeht, die mich nach meinem Sterben schrittweise fressen, dann kann es für mich unwichtig sein, ob ich diesen Planeten zerstöre. Dann sollte dieser Planet nur solange halbwegs bewohnbar sein, wie ich auf ihm lebe. Wenn ich davon ausgehe, dass es Himmel und Hölle gibt, könnte es mir auch egal sein, da mein ewiges Leben nicht auf der Erde fortgeführt wird. Hier müsste ich lediglich bedenken, dass sich rücksichtsloses und egoistisches Verhalten auf meine Bewertung beim jüngsten Gericht auswirkt und abhängig von meiner Lebensweise ich in ewiger Verdammnis oder in ewiger Freude verbringen werde. Allerdings können wir kein Bild vom Transzendenten bekommen, weshalb uns auch nicht möglich ist, die Kriterien zu erkennen, nach denen ein mögliches Urteil gefällt werden könnte. Eine andere Möglichkeit ist die Annahme, dass “ich”, sofern ich das will, wiedergeboren werde, wobei ich an dieser Stelle nicht diskutieren möchte, was man unter “Ich” verstehen kann oder unter welchen Umstände überhaupt ein “Ich” später noch existieren wird. Aber nehmen wir an, dass es wahrscheinlich ist, dass wir erneut reinkarnieren, dann sollten wir uns schon Gedanken darüber machen, ob es sinnvoll ist, den Planeten langfristig zu zerstören und ob wir nicht den nachfolgenden Generationen eine intakte Umwelt bieten sollten, sondern ob wir möglicherweise selbst Teil dieser nachfolgendenden Generationen sein werden.