Aus einem Vortrag vom 31. Juli 2017 in Berlin

Die Fantasy-Karte gibt sich gerne informativ, doch sie ist vor allem ein sinnlicher Einstiegsort in eine Sekundärwelt, die unserer eigenen Realität eine Absage erteilt.

Wenn ich heute Abend von Fantasy spreche, so soll klar sein, dass ich damit stets „gute Fantasy“ meine. Ich bin mir dessen gänzlich bewusst, dass es kaum ein anderes Genre gibt, das mehr polarisiert, wenn Fragen der Qualität aufgeworfen werden. Hierbei scheint es nur noch eine einzige Literaturgattung zu geben, die eine noch größere Spannweite zwischen herausragender Prosa und unverdaulichem Schund erzeugen kann, als die Fantasy. Ich rede natürlich von der „erotischen Literatur“.

Gute Fantasy erinnert mich manchmal an die Kunstbewegung der überwiegend britischen Präraffaeliten im 19. Jahrhundert, die ebenfalls unter…


Der folgende Artikel ist in meiner Kolumne MUSIK FÜR DIE RAUMSTATION auf http://www.booknerds.de erschienen.

Joe Jackon: “Night And Day” (1982, © A&M)

1982 war das Jahr, in dem für einige Monate der lächerliche Falklandkrieg zwischen Großbritannien und Argentinien tobte. Es ist auch das Jahr, in dem die schwedische Band ABBA ihren letzten öffentlichen Auftritt gab. Das Jahr, in dem der neue Tonträger mit dem Namen „CD“ der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Und das Jahr, in dem „E.T. — Der Außerirdische“ in die Kinos kam.

Punk, jene Sturmböe vermeintlich wütender und pöbelnder Dilettanten, hatte sich ausgeblutet und räumte der nächsten Welle den Platz — dem New Wave.

In diesem Jahr…


The following words are neither intellectually profound, nor are they meant to have any political relevance. They only reflect a feeling which is probably shared by millions. And yes, I usually do not write in English in such length.

President Reagan and the young Donald Trump — intellectual equals.

There is this notion that every time the United States of America elect a president with a rather low IQ, people around the world suffer in a big way. Harry S. Truman — a vulgar, racist man — threw atomic bombs on Japan, Ronald Reagan — a bigoted half-wit with a stack of flashcards that escalated a silly War on Drugs…


Ich bin in den letzten Tagen wie alle anderen gefragt worden, wer denn “heute” gewinnen wird. Und obwohl ich dieser obskuren Wahl durchaus viel Aufmerksamkeit geschenkt habe, erscheint mir nur eine Antwort gültig: “Ich weiß es nicht, aber ich weiß, wer heute Nacht nicht gewinnen wird: Das amerikanische Volk — und in letzter Instanz auch die ganze Welt.”

Für uns Europäer spielt keine Rolle, ob sich Amerika heute für den pädophilen Daddy entscheidet, oder für die cracksüchtige Prostituiertenmutter. In beiden Fällen werden wir alle das Nachsehen haben.

Und so scheint mir an dieser Stelle lediglich relevant, was Amerika ab morgen…


“Groundhog Day” (1993, property of Columbia Pictures)

Beim Umgang mit dem 2016-Wahlergebnis in Mecklenburg-Vorpommern lässt erneut das Murmeltier grüßen. Eine vergleichbare Panikmache hat bereits vor Jahrzehnten mit den “Republikanern” stattgefunden, dann mit der “DVU” und der “NPD”. Unvergessen ist auch die mediale Hysterie, die sich entfaltet hatte, als Thomas Gottschalk in seiner spätabendlichen Sendung Franz Schönhuber empfing. Hätte man es damals schulterzuckend ignoriert, drei Wochen später wäre es vergessen. Doch stattdessen gab man aus den Chefetagen der TV-Sender Presseerklärungen zum Umgang mit den Rechten im Fernsehen ab, während DER SPIEGEL tönte: “RTL-Talkmaster Gottschalk kapitulierte vor dem Republikaner-Chef Schönhuber”.

Das Wahlergebnis in Mecklenburg-Vorpommern ist weniger ein Ausdruck der…


Was wie eine Szene aus “Goodfellas” anmutet, ist ein befremdlicher Augenblick zwischen Maybrit Illner und Ursula von der Leyen (ihres Zeichens Bundesverteidigungsministerin im Kabinett Merkel III) in der bekannten ZDF-Talkshow.

Maybrit Illner: “Warum umarmen wir immer noch die Saudis?”

Ursula von der Leyen: “Wir umarmen sie nicht. Das würden sie auch nicht tolerieren. Sie wissen, dass sie mit Frauen eine ganz besondere Haltung haben.” (Gelächter)

Auch Realpolitik hat ihre Schattenseiten. Und unser stetig verharmlosender Umgang mit den Emiraten ist ein gutes Beispiel dafür.

Nach den Angaben von Amnesty International wurden in Saudi Arabien…

- mindestens 2.208 Menschen zwischen Januar 1985…


Die Welt der Selfpublisher fällt vor allem durch zwei Sachverhalte auf: [1] Die uferlose Anzahl an Selfpublishing-Ratgebern (zumeist mit einem gewieften Bauplan für eine erfolgreiche Existenz als Schriftsteller) und [2] eine Reihe aus Plagiatsskandalen, deren vorrangiges Merkmal eine infantile und geradezu irrwitzige Dreistigkeit ist.

Prosa, die letzte populäre Kunstform, die noch ein aktives Gehirn verlangt?

Man kommt an der Idee nicht vorbei, dass ein auffällig hohes Kontingent an Schreibratgebern und das gehäufte Auftreten von Abschreib-Skandalen irgendeinen symptomatischen Zusammenhang darstellen. …


Am 10. Oktober 2015, um 12 Uhr, wird am Berliner Bahnhof eine großangelegte Demonstration gegen die Wirtschaftsverträge TTIP und CETA stattfinden. Hier ist eine kurze Notiz vom 15. Oktober 2011, dem Tag, an dem Occupy Frankfurt an die Öffentlichkeit getreten war.

Willy Brandt dreht sich häufig im Grabe um, bei der Vorstellung, dass die Europäische Zentralbank an dem nach ihm benannten Platz steht. Zu seiner Lebzeit wohnte im Eurotower noch eine Gewerkschaftsbank. …


Die Erinnerung an meine erste Nacht in einem Flüchtlingsheim

Vorweggesagt: Dies wird keine Auflistung gruseliger Ereignisse und traumatischer Momente. Denn so hat es sich nicht zugetragen. Die nachfolgenden Zeilen haben nicht zur Aufgabe, über Bedingungen und Umstände von Migrantenunterkünften zu berichten, denn die geschilderten Ereignisse liegen 32 Jahre zurück. Das Ziel dieses kurzen Versatzstückes liegt lediglich in der Beschreibung der “Fremde” durch die Augen eines Kindes.

Wir kamen durch eine Flucht nach Deutschland. Meine Eltern hatten eine Urlaubsreise in Jugoslawien gebucht. Erst dort erfuhren wir — die Kinder — von der Emigration und dass wir aller Voraussicht nach nie wieder…


Horsehead Nebula (Copyright: Nigel Sharp (NOAO), KPNO, AURA, NSF // CC BY-NC 2.0)

In der deutschsprachigen Blog- und Podcastwüste ist der astronomische Blog ASTRODICTICUM SIMPLEX und die damit gekoppelten Sternengeschichten des Astronomen Florian Freistetter ein sehr heller Lichtblick. Aus meiner RSS-Liste sind sie nicht mehr wegzudenken und allein der Mut zu einem derart unaussprechlichen Namen sollte an dieser Stelle erwähnt werden. Um diesem Lob auch eine provokante Note zu verleihen, drängt sich der Gedanke auf, dass dies hierzulande — da Harald Lesch nur noch inmitten einer Hohlkehle über einen extravaganten Stuhl meditiert — die neue Bastion für echte Neuigkeiten aus dem Weltraum geworden ist.

Einige der letzten Eintragungen des ASTRODICTICUMS befassten sich mit…

Ales Pickar

Ich blogge in Maßen. Doch manchmal brechen sich Schaudern und Empörung Bahn und dann folgen Worte. (http://www.pickar.de)

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