Das hat mir noch nie jemand gesagt — Teile 1–5

ASS 100 vs Ibuprofen, ACE-Hemmer, Tabletten teilen, keine Grapefruit, Pille vs Johanniskraut.

May 30 · 4 min read
Danke an Sankt Johann für die fantastische Zeichnung

Version vom 08.09.2019 — Bitte bis ganz nach unten scrollen. Danke.


Teil 1:

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Weil 1:

Niedrig dosiertes ASS hemmt ein bestimmtes Enzym der Thrombozyten (Blutplättchen) irreversibel und sorgt dafür, dass sich die Thrombozyten nicht zusammenschließen können. Die Wahrscheinlichkeit eines Herz- oder Hirninfarktes wird reduziert.

Ibuprofen hemmt das gleiche Enzym an anderer Stelle reversibel und verhindert, dass das ASS an dem Enzym andocken kann. Folglich kann das ASS nicht wirken.

Aus diesem Grund sollte Ibuprofen erst zwei Stunden nach der Einnahme von ASS eingenommen werden, wenn das ASS bereits gebunden hat.

Wird Ibuprofen mehrmals am Tag genommen, ist der Zugang zu dem Enzym dauerhaft versperrt und das ASS kann überhaupt nicht wirken.

Teil 2:

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Weil 2:

ACE-Hemmer hemmen das Angiotensin-Converting-Enzym (ACE) und es wird weniger sogenanntes Angiotensin II gebildet. Angiotensin II führt zu einer Vasokonstriktion — einer Gefäßverengung. Weniger Angiotensin II führt also dazu, dass die Gefäße weniger verengt sind und der Druck des Blutes auf die Gefäße sinkt. Der Blutdruck fällt.

Durch ACE wird aber nicht nur die Bildung des Angiotensin II vermindert, sondern auch Bradykinin abgebaut. Eine Hemmung des ACE führt folglich zu mehr Bradykinin im Blut, welches nicht nur herzschützende Eigenschaften hat, sondern auch zu einem störenden Hustenreiz führen kann.

Sartane als Alternative führen nicht zu Hustenreiz.

Teil 3:

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Weil 3:

Oft wird den Patienten gesagt, sie sollen nur eine halbe Tablette nehmen. Doch wenn die Dosierung nicht auf dem Rezept steht, ist es ratsam, wenn der Patient der Apotheke diese mitteilt. Denn dann sucht der Apotheker tatsächlich teilbare Tabletten heraus.

Hin und wieder bekommen die Patienten die Information, dass sie die Tablette teilen sollen, auch wenn es keine Firma gibt, die entsprechende teilbare Tabletten anbieten. Also bitte immer darauf achten.

Zuerst sei gesagt, dass eine Kerbe in der Tablette noch lange nicht bedeutet, dass diese Tablette geteilt werden darf. Manche Kerben sind sogenannte Schmuckkerben und nicht teilbar — der Sinn erschließt sich mir nicht ganz.

Andere Tabletten sind zwar teilbar, enthalten aber nicht in beiden Hälften die gleiche Menge an Arzneimittel. Dennoch haben sie ihre Berechtigung, denn so kann die Tablette geteilt und leichter geschluckt werden. Vielen fällt es so leichter, vor allem, wenn die Tabletten groß sind. Wichtig ist dann jedoch, beide Hälften einzunehmen.

Es gibt Tabletten mit einem Überzug, der sie vor der Magensäure schützt. Ein Teilen dieser Tabletten kann zum Wirkverlust führen, da die Magensäure den Arzneistoff zersetzt.

Manche Retardtabletten dürfen nicht geteilt werden, da der Wirkstoff sonst nicht mehr über den Tag versetzt gleichmäßig freigegeben wird — sondern die gesamte Dosis auf einmal. Das kann gefährlich werden.

Deshalb bitte immer in der Apotheke nachfragen, ob die Tabletten wirklich teilbar sind.

Teil 4:

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Weil 4:

Die Inhaltsstoffe der Grapefruit hemmen bestimmte Enzyme, die für den Abbau mancher Arzneimittel verantwortlich sind. Das führt dazu, dass die Plasmakonzentrationen dieser Arzneimittel erhöht sind → Verstärkung der Wirkung und der Nebenwirkungen.

Während diese Arzneimittel eingenommen werden, sollte komplett auf den Genuss von Grapefruit und Grapefruitprodukten verzichtet werden. Ein zeitlicher Abstand ist nicht ausreichend.

Beispiel Simvastatin (Cholesterolsenker): Wird Simvastatin eingenommen und Grapefruit konsumiert, kann das zu einer Rhabdomyolyse führen - ein Auflösen der quergestreiften Muskelfasern. Das freigesetzte Myoglobin aus dem Muskel kann über ein “Verstopfen” der Nierenkörperchen zu einem akuten Nierenversagen führen und damit schlimmstenfalls zum Tod.

Teil 5:

100

Weil 5:

Johanniskraut sorgt bei einigen Arzneimitteln für einen schnelleren Abbau des jeweiligen Arzneistoffes über bestimmte Leberenzyme. So kann auch die Wirkung der Anti-Baby-Pille beeinträchtigt werden. Ob das zur Aufhebung des Empfängnisschutzes führt, ist nicht abschließend geklärt.

Daher empfiehlt es sich, bei der Verhütung mittels Anti-Baby-Pille auf die Einnahme von Johanniskraut zu verzichten.

Was die Einnahme von Antibiotika angeht, so betrifft das nur Pillen, die Estradiol oder Ethinylestradiol enthalten — also alle Kombinationspräparate. Der Grund hierfür ist, dass diese Hormone einen entero-hepatischen Kreislauf unterliegen — nach der ersten Leberpassage werden sie in den Darm ausgeschieden, um dann erneut über die Darmschleimhaut resorbiert zu werden.

Dieser Kreislauf könnte durch Antibiotika — durch eine Darmflora schädigende Wirkung — unter Umständen unterbrochen werden.

Deshalb empfiehlt es sich hier, zur Empfängnisverhütung zusätzlich ein Kondom zu verwenden. Und zwar bis zum nächsten Zyklus und eine Woche darüber hinaus.

Man kann das insgesamt so zusammenfassen, dass die Wahrscheinlichkeit, trotz Pille schwanger zu werden, durch Johanniskraut oder durch die Einnahme eines Antibiotikums erhöht wird — Eine genaue Prozentangabe lässt sich allerdings nicht treffen.

Teile 6–10:

Teile 11–15:

Teile 16–18

Teile 19–21


Über Ovations würde ich mich freuen. Danke! 😘 #DerApotheker

Danke für stilistische und orthographische Korrekturvorschläge an Dr. Ulrike Koock alias Schwesterfraudoktor.

DerApotheker

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Artikel auf Deutsch. #DerApotheker

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