Fünf Packungen Ibuprofen, bitte!

Ein paar wichtige Infos zu Ibuprofen vom Apotheker.

DerApotheker
Jan 10 · 14 min read
Ibuprofen by #DerApotheker

Version vom 12.01.2020 — Bitte bis ganz nach unten scrollen. Danke.


Kunde1: Guten Tag, einmal Ibu, bitte.

DerApotheker: Zäpfchen? Saft? Tabletten? Gel?

Kunde1: Tabletten.

DerApotheker: 200 oder 400 mg?

Kunde1: 400 mg

DerApotheker: 10, 20 oder 50 Stück?

Kunde1: 20

DerApotheker: Hier, bitte.

Kunde1: Nein, nicht die von Ratiopharm. Die von 1A Pharma.

DerApotheker: OK, Sie wissen Bescheid, wie Sie die einnehmen müssen?

Kunde1: Ja, alle auf einmal.

DerApotheker: Das ist das Witzigste, was ich jemals gehört habe.

Anmerkung: Zwischen “das” und “Witzigste” musste ich leider husten und es klang wie “un”.


Kunde2: *legt ein Rezept auf den HV-Tisch: Ibuprofen 800 mg + 20 mg Pantoprazol

DerApotheker: Sie wissen Bescheid, wie Sie die Tabletten nehmen müssen?

Kunde2: Ja, die Ibuprofen morgens und abends. Nach dem Essen. Und Pantoprazol eine halbe Stunde vor dem Frühstück.


Kunde3: *legt ein Rezept auf den HV-Tisch: Ibuprofen 400 mg. 20 Stück.

DerApotheker: Für die verschriebenen Ibuprofen bezahlen Sie 5 € Rezeptgebühr. Da es Ibuprofen 400 mg auch rezeptfrei gibt, zahlen Sie für die rezeptfreien Tabletten nur 2,50 €.

Kunde3: Nein, nein. Ich will die, die der Arzt verordnet hat.

DerApotheker: OK


So oder so ähnlich erlebe ich es den ganzen Tag. Jeden Tag. Ich schätze, dass ich nichts öfter verkaufe, als Ibuprofen-Tabletten. Höchstens Nasenspray. Aber unter den Schmerzmitteln ist Ibuprofen die Nummer 1. Und hier hat jeder seine Vorlieben. Die meisten kaufen bei mir die von Ratiopharm, andere schwören auf “ihr” Dolormin, wieder andere wollen nur die von 1A Pharma.

Jeder gibt an, sich damit auszukennen und keine Beratung zu benötigen. Aber kennen sie sich wirklich aus?

Wenn ich nachfrage, erfahre ich öfter, dass immer zwei Tabletten auf einmal genommen, oder die Tabletten auf leeren Magen geschluckt werden oder dass die darauffolgende Einnahme zu früh erfolgt.

Vor allem aber wird Ibuprofen zu oft eingenommen. Viel zu oft.

Ibuprofen soll man höchstens an 15 Tagen im Monat einnehmen, Kombiprodukte wie Thomapyrin nur an maximal 10 Tagen im Monat.

Es kam auch schon vor, dass ich einem älteren Herrn “seine” Ibutabletten verweigert habe, da er sie ganz offensichtlich missbrauchte. Ja, ich habe sogar die Pflicht, bei begründetem Verdacht auf Missbrauch die Abgabe zu verweigern. Paragraph 17 Absatz 8 der ApBetrO.

Meistens geben die Kunden, die Schmerzmittel missbrauchen, allerdings an, dass sie es für jemanden mitbringen. Da kann ich im Prinzip nicht viel machen.

Wer häufig Schmerzmittel nehmen muss, sollte das nicht auf eigene Faust tun, sondern immer in Rücksprache mit seinem Arzt. Gerade Ibuprofen kann zu Magenblutungen führen, weshalb Ärzte dann auch oft einen Protonenpumpenhemmer wie Pantoprazol dazu verschreiben. Was leider auch viel zu häufig passiert und durch langfristige Nebenwirkungen gewisse Probleme birgt. (Dazu wird es auch noch einen Artikel geben.)

Jetzt müssen wir allerdings etwas tiefer in die Materie einsteigen, um Ibuprofen zu verstehen.

Ibuprofen — Die chemischen Grundlagen

Ibuprofen ist ein Racemat.

Ein Racemat ist ein Gemisch aus zwei Enantiomeren.

Zwei Enantiomere sind Moleküle, die sich in ihrem räumlichen Aufbau wie Bild und Spiegelbild verhalten.

Ibuprofen besteht zu gleichen Teilen aus dem sogenannten S(+)- und dem R(-)-Enantiomer.

Das S(+)-Enantiomer heißt Dexibuprofen und ist für die Wirkung verantwortlich, wohingegen das andere Enantiomer unwirksam ist.

Ja, man könnte 200 mg Dexibuprofen nehmen und es hätte in etwa die gleiche Wirkung und die gleichen Nebenwirkungen wie Ibuprofen 400 mg. Meine Recherchen haben ergeben, dass es in Deutschland Dolomagon und Deltaran gibt. Beide sind rezeptpflichtig. Auch in der 200 mg Variante. Also weshalb sollte man nicht einfach normales Ibuprofen nehmen, wenn das wesentlich günstiger und nicht schlechter ist?

Warum ich das recherchieren muss? Ich habe beide noch nie in der Hand gehabt. Es wird also auch nicht allzu häufig verordnet.

Wir bleiben also beim Ibuprofen als Racemat. Eingeteilt wird Ibuprofen in die Gruppe der NSAR, der nichtsteroidalen Antirheumatika. Nichtsteroidal deshalb, weil es keine Steroidstruktur hat, wie die Glucocorticoide (Umgangssprachlich: Cortison). Und Antirheumatika daher, weil man Ibuprofen aufgrund seiner entzündungshemmenden Eigenschaften auch zur Rheumatherapie einsetzen kann.

In den englischsprachigen Ländern und oft auch in Deutschland wird der Begriff NSAID verwendet: non-steroidal anti-inflammatory drug.

Wie wirkt Ibuprofen denn nun?

Ibuprofen wirkt durch eine unselektive Hemmung der Cyclooxygenasen COX-1 und COX-2.

Cyclooxygenasen sind Enzyme, die dafür sorgen, dass aus Arachidonsäure Prostaglandine entstehen. Prostaglandine wiederum wirken als Gewebshormone und kommen überall im Organismus vor. Da sie überall vorkommen, kann Ibuprofen auch überall wirken.

Und “unselektiv” heißt einfach nur, dass Ibuprofen beide Cyclooxygenasen hemmt.

Um es aber nicht zu kompliziert zu machen: Es gibt verschiedene Prostaglandine, die verschiedene Wirkungen haben. Manche sind gut, manche nicht so gut.

Prostaglandine können Schmerzen und Fieber verursachen, Entzündungen hervorrufen und zu einer Thrombozytenaggregation führen, also einem Zusammenlagern von Blutplättchen, um im Rahmen der Blutgerinnung verletzte Gefäße zu verschließen. Eine Thrombozytenaggregation kann aber auch zu einem Blutgerinnsel führen. Einem Thrombus.

Ein Thrombus wird meist vom Körper wieder aufgelöst, kann unter Umständen aber auch zu einem Herzinfarkt, einem Schlaganfall, einer Thrombose oder einer Lungenembolie führen.

Um all das zu verhindern, muss man die Entstehung der Prostaglandine einschränken, indem man die Cyclooxygenasen hemmt. Mit Ibuprofen oder einem anderen NSAR.

Prostaglandine sorgen aber auch dafür, dass die Magensäureproduktion herabgesetzt und die Produktion des Magenschleims verstärkt wird. Der Magenschleim ist dazu da, dass der Magen sich durch die Salzsäure im Magen nicht selbst verdaut.

Wer es nicht wusste: Magensäure ist Salzsäure.

Wenn wir nun Ibuprofen oder einen anderen Cox-Hemmer wie ASS einnehmen, wird also die Magensäureproduktion nicht herabgesetzt, folglich wird mehr Magensäure produziert sowie die Bildung des Schleims nicht verstärkt. Dann könnte die Magensäure die Magenschleimhaut angreifen und zu Blutungen im Magen und damit zu einem Magengeschwür führen. Je länger und je höher dosiert Ibuprofen eingenommen wird, desto wahrscheinlicher das Ganze. Wird Ibuprofen dann mit einem Glucocorticoid (“Cortison”) kombiniert, zum Beispiel Prednisolon, ist die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von magensäurebedingten Beschwerden noch größer.

Bleibt einem allerdings nichts anderes übrig, als Ibuprofen über einen längeren Zeitraum einzunehmen, verschreiben Ärzte gerne zusätzlich Protonenpumpenhemmer wie Pantoprazol oder Omeprazol, die dafür sorgen, dass weniger Salzsäure gebildet und somit der Magen weniger angegriffen wird.

Prostaglandine haben auch eine Wirkung auf den Darm. Sie setzen die Darmbewegungen herab. Werden sie also durch Ibuprofen gehemmt, kann es zu Durchfall kommen.

Ein weiterer Effekt der Prostaglandine ist eine vasodilatierende Wirkung. Das heißt, dass durch manche Prostaglandine die Blutgefäße erweitert werden. Fließt das Blut durch erweiterte Gefäße, übt es weniger Druck auf diese aus. Der Blutdruck sinkt also. Im Umkehrschluss kann durch die Einnahme von Ibuprofen also der Blutdruck steigen. Durch Ibuprofen steigt der Blutdruck im Schnitt um 3.7 mmHg.

Außerdem kommt es zu einer Senkung der glomerulären Filtrationsrate. Das heißt, dass die Nieren pro Zeiteinheit weniger Harn filtrieren. Die Natriumausscheidung und die Harnausscheidung sinkt. Dadurch wird der Blutdruck ebenfalls erhöht und es kann zu Ödemen kommen. Wassereinlagerungen.

Eine Einnahme von Ibuprofen über einen längeren Zeitraum kann deshalb zu Nierenschäden führen. Die Schäden zeigen sich aber leider oft erst dann, wenn die Leistung der Nieren auf unter 60% abgefallen ist.

Hat ein Patient bereits eine eingeschränkte Nierenfunktion (GFR unter 60 ml/min), sollte kein NSAR eingenommen werden, denn es könnte zu bleibenden Schäden kommen. Cremes und Gele hingegen sind in Ordnung.

Wir erinnern uns: Ibuprofen hemmt COX-1 und COX-2 unselektiv.

Während die schmerzlindernde, die fiebersenkende und die entzündungshemmende Wirkung hauptsächlich durch die Hemmung von COX-2 erreicht wird und zahlreiche unerwünschte Wirkungen durch die COX-1-Hemmung (z.B. Magengeschwür), wollte man natürlich Arzneistoffe entwickeln, die nur bzw. hauptsächlich COX-2 hemmen. Das führte zur Entstehung der Coxibe, welche lediglich die COX-2 hemmen. Coxibe sind besser verträglich für den Magen-Darm-Trakt, haben aber ein höheres kardiovaskuläres Risiko (also für Herz und Gefäße) als Ibuprofen.

Acetylsalicylsäure (ASS) hemmt COX-1 und COX-2 im Großen und Ganzen genauso wie Ibuprofen auch. Aber ASS hemmt die Thrombozytenaggregation wesentlich besser als Ibuprofen. Die Thrombozytenaggregationshemmung kommt durch die Hemmung der COX-1 der Thrombozyten zustande. ASS wirkt durch die sogenannte Acetylierung des COX-1-Enzym (es wird eine Acetylgruppe angebaut) längerfristig und zwar solange, bis der Thrombozyt neu gebildet wird. Die Wirkung hält für ungefähr 10 Tage an. Um diese Wirkung zu erzielen, reichen 100 mg ASS täglich.

Da Ibuprofen keine Acetylgruppe hat, wirkt es nur kurzfristig. ASS hemmt COX-1 irreversibel, Ibuprofen hemmt es reversibel.

Allerdings kann Ibuprofen an einer benachbarten Stelle des Enzyms binden, so dass der Zugang für ASS blockiert ist.

Das heißt im Klartext, dass jeder, der auf die thrombozytenaggregationshemmende Wirkung von ASS angewiesen ist, vor der Einnahme kein Ibuprofen zu sich nehmen sollte, da sonst kein Platz für die Acetylgruppe des ASS zum Andocken erreichbar ist. Es reicht in dem Fall, Ibuprofen zwei Stunden nach der Einnahme der morgendlichen ASS-100-Tablette zu nehmen.

Wird allerdings Ibuprofen 2–3 mal am Tag genommen, so ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass bei ASS-Einnahme noch Ibuprofen im Blut vorhanden ist, was dazu führt, dass die Thrombozytenaggregationshemmung reduziert bis nicht vorhanden ist. Also: Vorsicht!

Es kommt natürlich auch immer darauf an, wieviel Ibuprofen eingenommen wurde.

In der Selbstmedikation, also wenn ihr nicht beim Arzt wart, dann ist die maximale Tagesdosis 1200 mg Ibuprofen für einen Erwachsenen. Aufgeteilt auf drei Einnahmen von jeweils 400 mg. Die Tablette nach dem Essen zu nehmen sorgt dafür, dass sie besser vertragen wird.

Dreimal täglich heißt in der Regel: alle acht Stunden. Bei Ibu 800 sollte das auch eingehalten werden, bei Ibu 400 und — nach Rücksprache mit dem Arzt — bei Ibu 600 kann man die nächste Tablette auch schon sechs Stunden später nehmen.

Für Kinder gelten eigene Dosierungen, die anhand des Alters und des Gewichts bestimmt werden.

Wenn ihr ein Rezept über Ibuprofen habt, dann ist die maximale Tagesdosis 2400 mg, da ihr euch in ärztlicher Behandlung befindet. Ihr solltet diese hohen Dosen nur nach ärztlicher Anweisung einnehmen.

Ibuprofen in einer Dosierung höher als 400 mg ist immer rezeptpflichtig (600 mg und 800 mg).

Es gibt — wie in meinem Anfangsbeispiel beschrieben — auch rezeptpflichtige 400 mg Ibuprofentabletten. Einfach nur, damit der Arzt sie auch für Erwachsene verordnen kann. Es macht von der Wirkung her keinen Unterschied, ob ihr die rezeptpflichtigen oder die rezeptfreien Ibu 400 schluckt.

Auch wenn ihr Tabletten einer anderen Firma kaufen wollt, die 400 mg enthalten, haben sie die gleiche Wirkung. Sie können sich anhand der Hilfsstoffe unterscheiden, was dazu führen kann, dass die Tabletten der einen Firma den Wirkstoff schneller freisetzen und/oder mehr vom Wirkstoff auf einmal ankommt, aber ansonsten gibt es keinen Unterschied.

Jetzt die Fragen aller Fragen:

Wirkt Ibuprofen 800 mg genauso wie zwei Tabletten Ibuprofen 400 mg?

Die Antwort ist: Ja. Aber auch hier kann es Unterschiede in der Freisetzung geben.

Es gibt allerdings bei den Ibu 800 auch retardierte Tabletten, das heißt, dass der Wirkstoff nicht sofort, sondern eben nach und nach freigesetzt wird. Dann ist es ein Unterschied, ob man eine retardierte Ibu 800 nimmt, oder zwei normale Ibu 400.

Was die Geschwindigkeit des Wirkeintritts angeht, so gibt es bei den Ibu 400 noch die Variante mit Lysin. Hier kommen zu den 400 mg Ibuprofen noch 284 mg Lysin hinzu. Auf den Tabletten steht dann Ibu-Lysin 684 mg. Durch das Lysin ist das Ibuprofen besser löslich und wird dadurch rund dreimal schneller aufgenommen und wirkt dementsprechend auch schneller.

Schneller wirkt Ibuprofen auch, wenn man es vor dem Essen einnimmt. Also auf leeren Magen. Allerdings können dadurch auch die Nebenwirkungen erhöht werden, vor allem, wenn man einen empfindlichen Magen hat. Deshalb lautet die Empfehlung: Nach dem Essen einnehmen.

Die häufigsten Nebenwirkungen von Ibuprofen bei systemischer Anwendung sind: abdominale Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall.

Was die Kombination mit Coffein angeht, so ist es nicht so eindeutig, ob die Kombination besser wirkt oder nicht, allerdings sind die Nebenwirkungen größer. Es ist immer besser, einzelne Präparate zu nehmen, als kombinierte. Und mal ehrlich, wer hat denn nicht rund um die Uhr Coffein im Blut?

Schneller als Tabletten wirkt auch ein Saft, da dort das Ibuprofen schon gelöst vorliegt.

Auch aus Zäpfchen wird der Wirkstoff relativ schnell aufgenommen. Wer aber denkt, dass er damit den Nebenwirkungen, wie Magenblutungen entgeht, liegt falsch. Auch als Zäpfchen wird der Wirkstoff ins Blut aufgenommen und hat systemische Wirkungen.

Wie ihr seht, ist es nicht ungefährlich, auf eigene Faust ständig Ibuprofen zu schlucken, auch deshalb kann ich es nicht gutheißen, dass in anderen Ländern Ibuprofen im Supermarkt — ohne Möglichkeit einer Beratung — gekauft werden kann.


Noch mehr Antworten auf eure Fragen.

Zum Abschluss beantworte ich euch noch einige eurer zahlreichen Fragen, die ihr mir bei Twitter, Facebook, Instagram oder per E-Mail gestellt habt. Auf manche Fragen habe ich (noch) keine Antworten, bzw. gibt es (noch) keine.

Manche Infos kamen aus unseriösen Quellen, so dass ich diese nicht herangezogen habe, um Fragen zu beantworten. Also nicht enttäuscht sein, wenn eure Frage nicht beantwortet wurde.

Allgemein:

F: Kann ich Ibuprofen gegen alle Schmerzen nehmen?

A: Im Grunde ja. Von Halsschmerzen bis Rückenschmerzen ist Ibuprofen immer eine gute Wahl. Bei Magenschmerzen logischerweise nicht.


F: Ist Paracetamol stärker als Ibuprofen? Die Paracetamoltabletten enthalten ja 500 mg und die Ibuprofentabletten 400 mg.

A: Nein. Ibuprofen ist stärker als Paracetamol und auch als ASS. Die Einzeldosis Ibuprofen beträgt 400 mg bei einem Erwachsenen, bei ASS und bei Paracetamol 500 mg bis 1g.


F: Wenn ich Ibu als Dauermedikation nehmen muss, wieviele Stunden vor einer OP soll ich sie weglassen?

A: In der Regel 12 Stunden vor einer OP. Aber bitte immer mit dem Arzt klären.


F: Können ältere Menschen einfach so Ibuprofen nehmen?

A: Bei längerfristiger Einnahme ab 65 Jahre oder bei einem erhöhten Risiko für gastrointestinale Erkrankungen sollte das Ibuprofen mit einem Protonenpumpenhemmer kombiniert werden. Bitte immer mit dem Arzt klären.


F: Bringt denn ein Ibuprofen-Gel etwas?

A: Wenn überhaupt, dann hat es einen geringen Nutzen. Es kommt auf die Art der Schmerzen drauf an, auf die Art des Gels (die Galenik). Effektiver sind Tabletten.


F: Hilft Ibuprofen bei Erkältungen?

A: Wenn die Erkältung mit Fieber und/oder Schmerzen einhergeht, dann ja. Laut Studien kann Ibuprofen bei einer Erkältung das Symptom “Niesen” wesentlich stärker lindern als Placebo.


F: Kann ich Ibuprofen nehmen, wenn ich Asthma habe?

A: Besser wäre Paracetamol. Es gibt Asthmatiker, bei denen es einen Asthmaanfall auslöst, anderen scheint es gar nichts auszumachen.


F: Ibuprofen hilft ja bei Fieber, hilft es auch bei einem Hitzschlag?

A: Nein. Ist die Körpertemperatur aufgrund eines Hitzschlags erhöht, darf nicht mit fiebersenkenden Arzneimitteln wie ASS, Ibuprofen oder Paracetamol behandelt werden. Sie wirken in dem Fall nicht und könnten Blutgerinnung sowie Nieren- und Leberfunktion negativ beeinflussen.


F: Stimmt es, dass es zu Hautausschlägen kommen kann, wenn man Ibuprofen einnimmt und in die Sonne geht?

A: Ich kenne keinen einzigen Fall, aber es soll wohl schon vorgekommen sein.


F: Hilft Ibuprofen bei einer Blasenentzündung?

A: Bei einer unkomplizierter Zystitis reicht es manchmal aus, nur Ibuprofen zu nehmen. Im Jahr 2015 wurde eine Therapie mit Ibuprofen mit einer sofortigen Antibiotikatherapie verglichen. Ibuprofen schnitt nur wenig schlechter ab als das Antibiotikum.

Nach einer Woche waren 70 Prozent der Frauen durch Ibuprofen beschwerdefrei, unter primärer Anti­biose waren es 80 Prozent.


F: Kann ich Ibuprofen bei einem Kater nehmen?

A: Ja. Oder ASS. Nur kein Paracetamol. Das belastet die Leber zusätzlich, da sowohl der Alkohol als auch das Paracetamol zum Teil über das gleiche Enzym abgebaut werden.


F: Kann ich zum Ibuprofen zusätzlich Aspirin nehmen?

A: Nein. Aspirin und Ibuprofen sind ähnlich. Die Gefahr der Nebenwirkungen, z.B. einer Magenblutung wird dadurch erhöht. Entweder Ibuprofen oder ASS. Paracetamol hingegen kann mit Ibuprofen kombiniert werden, wodurch die Wirkung verstärkt wird.


F: Warum kostet Ibuprofen überall etwas anderes?

A: Jede Apotheke kann ihre eigenen Preise gestalten, wenn das Arzneimittel nicht rezeptpflichtig ist. Meistens kosten die Präparate mit Lysin etwas mehr und die Originalpräparate am meisten.


F: Kann ich Ibuprofen bei Gelenkschmerzen nehmen?

A: Ja. Wenn es nicht ausreichend hilft, dann vielleicht — nach Rücksprache mit dem Arzt — Diclofenac ausprobieren. Bei Gelenkschmerzen hilft auch der entzündungshemmende Effekt von Ibuprofen/Diclofenac.


F: Ist es nicht besser, ich halte die Schmerzen aus, als dass ich Ibuprofen nehme?

A: Man muss sicher nicht bei jedem kleinen Schmerz gleich zur Tablette greifen, aber Schmerzen können chronisch werden, wenn sie unbehandelt bleiben.


F: Kann ich Ibuprofen nehmen, wenn ich Phenprocoumon (z.B. Marcumar) einnehme?

A: Besser nicht. Die Kombination kann Blutungen verstärken.


F: Schädigt Ibuprofen als Gel den Magen?

A: Wenn man nicht darin badet, dann nicht. Dazu müsste es in ausreichender Menge ins Blut aufgenommen werden.


F: Warum ist Ibuprofen schlimmer für die Magenschleimhaut als z.B. Oxycodon?

A: Die beiden Wirkstoffe haben einen völlig unterschiedlichen Wirkmechanismus. Oxycodon ist kein COX-Hemmer und hat dementsprechend keine Auswirkungen auf die Magenschleimhaut.


F: Warum sind Ibu 600 und 800 rezeptpflichtig, wenn ich einfach zwei rezeptfreie 400er nehmen könnte?

A: Dabei geht es um den Missbrauch. Durch kleinere Packungsgrößen findet weniger Missbrauch statt, auch wenn man mehrere Tabletten auf einmal einnehmen könnte oder auch mehrere Packungen kaufen kann.


F: Kann ich Ibu mit Blutdrucksenkern zusammen einnehmen?

A: Ja, der Blutdruck wird aber — wie im Artikel beschrieben — weniger gesenkt.


F: Darf ich Ibu mit Kaffee einnehmen?

A: Arzneimittel sollten immer mit einem vollen Glas Wasser eingenommen werden.


F: Kann ich Ibu mörsern?

A: Ja, es darf in Kontakt mit der Magensäure kommen. Es gibt ja auch einen Saft davon. Man kann auch retardierte Ibuprofen-Tabletten mörsern, sie haben dann natürlich keinen Retardeffekt.


F: Darf man Pradaxa (Dabigatran) mit Ibuprofen kombinieren?

A: Wer Dabigatran nimmt, sollte besser auf NSAR, wie Ibuprofen, ASS oder Diclofenac, verzichten, da das Blutungsrisiko dadurch erhöht wird. Besser Paracetamol.


F: Ich bekomme Halluzinationen von Ibuprofen und die Schmerzen gehen trotzdem nicht davon weg.

A: Halluzinationen unter Ibuprofen gehört zu den seltenen Nebenwirkungen. Mir ist bisher kein Fall untergekommen. Wenn die Schmerzen auf Ibuprofen nicht ansprechen, dann sollte man ein anderes Schmerzmittel wählen. Ibuprofen ist nicht immer der passende Wirkstoff.


F: Kann Ibuprofen eine Divertikulitis (Erkrankung des Dickdarms durch entzündete Ausstülpungen der Schleimhaut) auslösen?

A: Ich habe keine Quelle gefunden, die da einen Zusammenhang sieht. Aber, wenn man bereits eine Divertikulitis hat, sollte sie nicht mit Ibuprofen oder anderen NSAR behandelt werden, da sie die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen erhöhen können, wie einer Perforation des Darms.


F: Stimmt es, dass durch übermäßigen Gebrauch von Ibuprofen Kopfschmerzen entstehen können?

A: Ja, durch Übergebrauch können Kopfschmerzen auftreten. Deshalb sollte man Ibuprofen nicht öfter als fünfzehn Tage im Monat einnehmen. Möglicherweise wird der “Medikamenteninduzierte Kopfschmerz” dadurch ausgelöst, dass die Schmerzgrenze herabgesetzt wird und man deshalb die Schmerzen früher empfindet.


F: Stimmt es, dass Ibuprofen das Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte erhöht?

A: Ibuprofen erhöht den Blutdruck und kann zu einer Verengung von Blutgefäßen führen. Das kann Ablagerungen in den Gefäßen begünstigen, wodurch die Gefahr eines Schlaganfalls oder eines Herzinfarkts erhöht wird.

Bei kurzfristiger Einnahme ist die Gefahr relativ gering, wenn man keine Herzkrankheiten hat. Bei Herzkrankheiten sollte deshalb auf Ibuprofen verzichtet werden.


Kinder:

F: Kann man einem Baby schon Ibuprofen geben?

A: Entsprechend des Gewichts und des Alters ab drei Monaten. Die Ausnahme ist die Behandlung des offenen Ductus ­arteriosus Botalli. Aber darum kümmert sich der Arzt.


K: Kann ich meinem Kind Paracetamol- und Ibuprofenzäpfchen gegen Fieber im Wechsel geben?

A: Ja. Nach Rücksprache mit dem Arzt. Kann man je nach Gewicht und Alter beide dreimal geben, heißt das jeweils alle acht Stunden. Zeitversetzt. Also alle vier Stunden Ibu und Paracetamol im Wechsel.


F: Wenn Säuglinge/Kinder den Wirkstoff in Form von Zäpfchen bekommen, wie genau wirkt sich das auf den Organismus aus? Gibt es einen Unterschied zwischen “nur Schmerzen”/”nur Fieber”/”Schmerzen und Fieber”bei der Wirkung?

A: Wenn du den Wirkstoff als Zäpfchen gibst, wirkt er trotzdem im ganzen Körper gegen die Schmerzen und senkt das Fieber.


Schwangerschaft/Stillzeit:

F: Kann ich Ibuprofen einnehmen, wenn ich schwanger bin?

A: Im 1. und 2. Trimenon theoretisch ja. Am besten Rücksprache mit dem Arzt halten. Paracetamol wäre aber besser. Im 3. Trimenon ist Ibuprofen wegen der ­erhöhten Blutungsgefahr unter der Geburt und des möglichen Verschlusses des Ductus arteriosus botalli ­kontraindiziert.


F: Kann ich Ibuprofen nehmen, wenn ich schwanger werden will?

A: Ich habe mal gelesen, dass es besser wäre, darauf zu verzichten. Ich habe aber keine aussagekräftige Quelle gefunden. Wer sicher gehen will, nimmt Paracetamol.


F: Kann ich Ibuprofen nehmen, wenn ich stille?

A: Ja, es geht nur in geringem Ausmaß in die Muttermilch über. Kurzfristig anwenden.


Alle Angaben natürlich ohne Gewähr.

Über Ovations würde ich mich freuen. Danke! 😘 #DerApotheker



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