Warum die Homöopathie endlich raus aus den Apotheken muss.

…und zwar so schnell wie möglich!

DerApotheker
Jul 25, 2019 · 5 min read
Bild von Hans Braxmeier auf Pixabay

Version vom 26.12.2019 — Bitte bis ganz nach unten scrollen. Danke.


Vor ein paar Jahren wollte ich in einer neuen Apotheke arbeiten und suchte — laut meiner Bewerbung — nach einer neuen Herausforderung.

Eigentlich sollte der neue Job die Herausforderung sein und nicht die Suche danach.

Wie sich herausstellte, ist das nämlich gar nicht so einfach, wenn man die Homöopathie grundlegend ablehnt, weil sie keine Wirkung hat, die über den Placeboeffekt hinausgeht.

Ich durchforstete also die Stellenangebote und musste immer wieder Formulierungen wie diese lesen:

Wir suchen ab sofort einen freundlichen Apotheker für unsere homöopathisch orientierte Apotheke.

Sie sollten der Homöopathie gegenüber aufgeschlossen sein.

Wir suchen eine Apothekerin oder einen Apotheker mit Kenntnissen in der Homöopathie.

Das gleiche Bild zeigt sich auch auf den Homepages einiger Apotheken: Homöopathie hier, Homöopathie dort.

Wisst ihr was? Mich ärgert das maßlos!

Wir haben Pharmazie studiert, verdammt nochmal. Ein sehr naturwissenschaftlich ausgerichtetes Studium. Wir haben die Grundlagen. Wir sind keine Heilpraktiker. Wir wissen, dass die Homöopathie Unsinn ist.

Wie kann es also sein, dass Kollegen nach demselben Studium, das ich durchlaufen habe, homöopathische Mittelchen verkaufen, als wäre es (richtige) Medizin?

Mit “verkaufen” meine ich: aktiv anbieten. Denn solange homöopathische “Arzneimittel” apothekenpflichtig sind, bleibt uns nichts anderes übrig, als sie zu verkaufen — wenn es der Kunde wünscht und sich nicht umstimmen lässt.

Genauso wenig bleibt es uns erspart, Globuli zu Lasten der Krankenkasse auf Rezept abzugeben, wenn es der Arzt so möchte.

ABER: es gibt neben den PTA (Pharmazeutisch-technische Assistenten), die kein Studium abschließen mussten, zahlreiche Apothekerinnen und Apotheker, die Homöopathie aktiv anbieten.

Wie kann das sein? Woran liegt es dann?

An der Geldgier? Ich bezweifle es! Und schon gar nicht bei angestellten Apothekern! Was sollte es auch finanziell bringen, ein homöopathisches Präparat zu verkaufen, anstelle eines pflanzlichen Präparats, das eine Wirkung nachweisen kann? Es gibt für fast alles eine Alternative. Gut, manchmal gibt es keine. Weil die Homöopathie sehr kreativ ist und sogar Globuli gegen Liebeskummer anbietet. Sie muss eine Wirksamkeit ja nicht nachweisen.

Sicherlich bleiben ein paar Kunden weg, die der Meinung sind, dass alles was eine nachgewiesene Wirkung hat, böse Chemie ist. Aber diese Kunden will man in der Regel nicht.

Was ich bei den Kolleginnen und Kollegen, die Homöopathie aktiv empfehlen, immer wieder beobachte, ist, dass sie daran tief und fest glauben! Sie raten den Kunden auch mal von (richtiger) Medizin ab, um Ihnen etwas Homöopathisches anzubieten. Das macht mich wütend.

Für mich ist das ein No-Go! Wenn jemand mit einem ernsthaften Problem in die Apotheke kommt und bei uns Fachleuten Hilfe sucht, dann möchte er auch wirksame Hilfe haben und nichts, was lediglich einen Placeboeffekt anbieten kann.

Deshalb muss ich ihm auch etwas Wirksames empfehlen! Es ist meine verdammte Pflicht und die aller anderen, die tagtäglich im Handverkauf (HV) in den Apotheken stehen.

Wie verhalte ich mich richtig, wenn so ein empfohlenes “Arzneimittel” bestellt werden musste, der Kunde es bei mir abholt und dann fragt, ob es wirkt? Ich kann den Kunden nicht anlügen, den Kollegen aber auch nicht in die Pfanne hauen.

Ich habe letztens eine Kollegin darauf angesprochen, warum sie an die Homöopathie glaubt. Ihre Antwort:

“Was interessiert es mich, ob die Wirkung der Globuli wissenschaftlich belegt ist, wenn sie doch helfen.”

Was soll ich darauf antworten, wenn selbst Fachleute nicht den Unterschied zwischen Wirkung und Placeboeffekt kennen?

Das ist eine Schande für unseren Beruf und wir brauchen uns nicht zu wundern, wenn unsere Reputation darunter leidet.

Ich kann noch irgendwie damit leben, wenn erwachsene Menschen nicht belehrbar sind und sich selbst homöopathisch behandeln. Wenn sie beratungsresistent sind, ist das ihr Problem. So lange sie bei anderen keinen Schaden anrichten, soll es mir egal sein.

Aber was mich richtig sauer macht ist, wenn hilflose Kinder ins Spiel kommen! Dann kann es auch schon mal sein, dass ich etwas wütend im Kundengespräch werde.

Eine junge Mutter wollte den Durchfall ihres Babys rein homöopathisch behandeln.

Bei Kleinkindern und vor allem bei Babys kann ein Durchfall aufgrund des Wasser- und Elektrolytverlustes schnell gefährlich werden. Das Kind kann sogar daran sterben.

Das ist also kein “dann behandel halt homöopathisch, das kann ja nicht schaden” mehr, sondern das ist unterlassene Hilfeleistung. Das ist unverantwortlich.

Aber solange es Homöopathie in den Apotheken gibt und Fachleute, die Homöopathie empfehlen, wird sie von den Laien als richtige Medizin angesehen werden. Und das darf nicht sein.

Homöopathie hat keine Wirkung, die über den Placeboeffekt hinausgeht.

Das kann man nicht oft genug betonen und darüber gibt es eigentlich auch nichts zu diskutieren.

In der Apotheke sollte alles, was den Anspruch hat, ein Arzneimittel zu sein, eine nachgewiesene Wirkung haben. Man muss sich als Kunde sicher sein können, dass die empfohlene Arznei auch wirkt. Nachgewiesenermaßen.

Deshalb muss die Homöopathie endlich raus aus den Apotheken!

Es ist an der Zeit.


Über Ovations würde ich mich freuen. Danke! 😘 #DerApotheker



DerApotheker

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