Whiteboard statt Overheadprojektor
Lange Zeit schien es so, als seien Tafel und Papier nicht aus der Schule zu verdrängen. Während der Rest der (Arbeits-)Welt mit Smartphone, Tablet und PC arbeitete, war der Overheadprojektor in vielen Klassenräumen lange Zeit die modernste Technik, die zum Einsatz kam. Doch nun scheint die Digitalisierung auch so langsam die Schulen und das Lernen im Allgemeinen zu erreichen.
Die großen Tech-Firmen im Kampf um den Klassenraum
Wer im Internet nach „Google Classroom“ sucht, der kann schon jetzt ein Stücken dessen sehen, was zur Zukunft des Lernens werden könnte. Das mit Pädagogen entwickelte E-Learning-Programm ist der Versuch des kalifornischen Softwareunternehmens, seine Produkte in den Klassenräumen dieser Welt zum Einsatz zu bringen. „Classroom“ kommt dabei komplett ohne Papier aus: Alle Aufgaben und Arbeitsblätter werden stattdessen in einem Cloud-Speicher gesichert, auf den alle Kursteilnehmer Zugriff haben. Der Lehrer oder Kursleiter kann dann digital Feedback geben und sogar benoten. Dabei müssen sich Lernende und Lehrende nicht einmal in einem Raum befinden, die Kommunikation ist auch mit Videostreams und Chats möglich.
Doch Google ist nicht die einzige Firma, die dabei sein möchte, wenn es darum geht, Schulblock und Füller durch ein Schreibprogramm zu ersetzten. Jüngst sorgte auch Konkurrent Microsoft mit einer Ankündigung für aufsehen: Das Unternehmen aus Seattle will sein Office Packet aus Word, PowerPoint und Exel Schülern und Studenten kostenlos zur Verfügung stellen, sofern ihre Schule oder Universität am Microsoft-Lizenzprogramm teilnehmen.
Wie Lernen mit den neuen Medien funktionieren kann, zeigt ein Blick in die Fahrschulen: Mussten die Schüler dort vor ein paar Jahren noch reihenweise Papierbögen ausfüllen, um für die theoretische Prüfung zu büffeln, greifen viele Fahrschulen heute auf Lernprogramme und -Apps zurück. Diese teilen die über 900 möglichen Prüfungsfragen in leicht zu lernende Häppchen auf, bieten die Funktion, nach bestimmten Schwerpunkten zu lernen und ermöglichen es den angehenden Autofahrern, die besonders schwierigen Fragen gezielt zu wiederholen. Der Fahrlehrer hat dabei Zugriff auf die Daten seiner Schüler und kann sehen, wer genug für die Prüfung geübt hat.
Mit E-Learning-Kursen zum Millionär? — In Südkorea schon Realität
Während das E-Learning hierzulande noch auf seinen großen Durchbruch wartet, sind entsprechende Kurse aus Videos und Aufgaben in anderen Ländern bei Schülern längst zu einen festen Bestandteil ihres Lernens geworden. So berichteten die Medien in jüngster Zeit beispielsweise über den südkoreanischen Lehrer Cha Kil-yong, der sich mit einer E-Learning-Website selbstständig machte. Er wurde nicht nur zum Helden für viele Schüler im Land, sondern auch zum Millionär. Allein im vergangenen Jahr soll er mit „sevenendu.net“ umgerechnet etwa 6,6 Millionen Euro verdient haben.
In solchen Dimensionen verdienen die Kanäle, die sich auf der Videoplattform Youtube der Bildung widmen, sicherlich nicht. Erfolgreich sind viele von ihnen trotzdem. Sie erklären, wie die Polynomdivision funktioniert, was es mit der RGT-Regel auf sich hat und wie sich die physikalischen Formeln herleiten lassen. Manche bringen es auf eine humorvolle Art rüber, andere erklären ohne großes Umschweifen — aber fast immer findet sich in dem Kommentaren der Dank verzweifelter Schüler, die versichern, das Thema erst jetzt richtig verstanden zu haben.
Whiteboard statt Tafel — Digitalisierung in der Schule
In den Schulen selber wird die Tafel — immerhin Jahrhunderte lang neben Papier das Medium Nummer Eins, wenn es darum ging, den Schülern die Lerninhalte zu vermitteln — in vielen Fällen so langsam durch Whiteboards ersetzt. Diese sind nicht nur Spielerei, sondern bringen auch einige Vorteile für Lehrer und Schüler mit sich: Auf einem Bildschirm lassen sich die Lerninhalte oft spannender präsentieren als analog an der Tafel. Zudem ist das Tafelbild nicht mit dem Abwischen für immer verschwunden, sondern lässt sich ganz einfach als pdf-Dokument abspeichern und in der nächsten Stunde wieder hervorholen.
Noch steckt das E-Learning im schulischen Bereich in seinen Anfängen. Doch mit der Zeit und den richtigen Programmen könnten die elektronischen Lernmedien Tafel und Co. in ihren wohlverdienten Ruhestand schicken. An technischen Möglichkeiten mangelt es jedenfalls nicht. Wir können also gespannt sein, wie die Schüler der Zukunft die Möglichkeiten des digitalen Lernens nutzen werden.