Ausführungen zum Thema Ayahuasca | GERMAN

Seit präkolumbianischer Zeit wird der Ayahuasca genannte psychoaktive Trank von Schamanen und Medizinmännern am Amazonas für Heilrituale und schamanische Erfahrungen benutzt (Naranjo 1986). Der Gebrauch ist vermutlich so alt wie die südamerikanische Zivilisation. Er wurde anscheinend im westlichen Amazonasgebiet (dem heutigen Equador) entdeckt (Naranjo 1979). Im Küstenland von Equador wurden bei archäologischen Grabungen sogenannte “Hexertöpfe” entdeckt, die dem Kochen von Ayahuasca dienten. Ihr Alter wird auf ca. 3500 Jahre geschätzt (Andritzky 1989:57*).
Die Entdeckung des Tranks ist ein absolutes Mysterium und sicherlich kein Zufallsprodukt primitiver Indianer:
Vor langer Zeit lebte ein guter Jäger im Regenwald. Eines Tages, er war weit von seiner Hütte entfernt, hörte er eine Liane, die zu ihm sprach. Der Jäger, der viel darüber wusste, wie man aus Wurzeln, Rinden und Samen Jagdgifte bereitete, wusste um die Kraft der Pflanzen. Er kehrte mit seinem neuen Fund nach Hause zurück. In der folgenden Nacht hatte er einen Traum, in welchem ihm der Geist der Liane erklärte, wie man mit ihr ein Gebräu zubereiten könne, mit dem sich viele Krankheiten heilen liessen.
Schamanen benutzen noch heute den “Trank der wahren Wirklichkeit”, um die Ursachen von Krankheiten zu ergründen, um in die gewöhnlich unsichtbare Welt des Waldes zu reisen, um mit den Herren der Tiere und Pflanzen zu kommunizieren und um bei Stammesritualen die Teilnehmer in die Welt der Mythen zu geleiten.
Der Trank ist eine einzigartige pharmakologische Kombination aus der harmalinhaltigen Liane Banisteriopsis caapi und den DMT-haltigen Chacrunablättern (Psychotria virdis). Harmalin ist ein MAO-Inhabitor; er hemmt die Ausschüttung der körpereigenen Monoaminooxidase, die den psychedelischen Wirkstoff N,N-DMT abbaut. Nur durch diese Kombination von Wirkstoffen kann der Trank seine bewusstseinserweiternde Wirkung ausüben (Rivier und Lindgren 1972). Wegen der starken und oft sehr plastischen Visionen wird Ayahuasca manchmal scherzhaft Amazonian Television oder “Dschungelkino” genannt.
Für die Schamanen ist die Wirkung des Trankes nicht auf einen Wirkstoff zurückzuführen, sondern auf die Pflanzenseele, die sich den Menschen unter Ayahuascaeinfluss als Lehrmeister offenbaren. Von ihnen kann man die Ursache einer Krankheit erfahren, das Rezept für ein Heilmittel erhalten und das tief im Wald versteckte Jagdwild gezeigt bekommen. Die Schamanen benutzen ihren Zaubertrank seit langer Zeit, offenbar mit grossem Erfolg. Mit der steigenden Verstädterung der ehemaligen Regenwaldgebiete kamen immer mehr Nicht-Indianer mit dem alten Zaubertrank in Berührung, was zur Ausbildung eines urbanen Schamanismus führte. Katholische Mestizen sind inzwischen etablierte Stadtschamanen geworden, die den Trank zur Behandlung der Leiden der Städter benutzen. Ihre Rituale sind ein buntes Gemisch aus indianischen und katholischen Gebräuchen, bei denen christliche Lieder gesungen, aber auch die Geister des Waldes gerufen werden (Dobkin de Rios 1970, 1972, 1989 und 1992, Luna 1986). Daneben sind mehrere Ayahuascakirchen und -sekten sowie ein reger Ayahuascatourismus entstanden.
Rezepte
Die Zubereitung von Ayahuasca war in vergangenen Zeiten ein wohlgehütetes Geheimnis der Schamanen. Nur sie kannten die ausgeklügelten Rezepte. Nur sie wussten, welche Pflanzen verwendet werden müssen, wo sie diese Lianen und Kräuter finden, welche Schutzgeister beschworen werden müssen und wie das Rezept zu kochen ist. Alle Rezepte erhalten als Grundlage die Stengel von Banisteriopsis caapi. Zur Herstellung von Ayahuasca müssen zunächst handliche Stücke der Liane ausgekocht werden. Dann werden die Chacrunablätter (Psychotria viridis) hinzugegeben. Das Gemisch bleibt so lange über dem Feuer, bis eine schwarze, dicke, ekelhaft schmeckende Flüssigkeit entstanden ist. Der Tank soll nie in Aluminiumtöpfen gekocht werden, da er das Aluminium angreift und unter Umständen ungeniessbare Aluminiumsalze entstehen können. Selten werden reine Kaltwasserauszüge von Banisteriopsis caapi und Psychotria viridis angesetzt; auch diese Methode funktioniert.
Bei den Rezepten der Amazonasindianer überwiegt meist der Anteil der Liane. Pro Dosis sind bei verschiedenen Proben 20 bis 40, 144 bis 158 oder sogar 401 mg β-Carboline sowie 25 bis 36 mg N,N-DMT nachgewiesen worden. Die Mestizo-Ayahuasca hat durchweg höhere Konzentrationen an Alkaloiden, vor allem an N,N-DMT, als die in indianischen Zubereitungen. Die höchsten Konzentrationen sollen im Trank der Daime-Richtung von Barquinha vorhanden sein (mündliche Mitteilung von Luis Eduardo Luna, 1996).
- Natema-Rezept der Shuar
Die Shuarschamanen (uwishin) spalten einen 1 bis 2 Meter langen Stengel von Banisteriopsis caapi in schmale Streifen. Diese werden mit mehreren Litern Wasser in einen Topf gelegt. Dazu werden die Blätter von Diplopterys cabrerana, Herrania sp. Ilex guayusa, Heliconia stricta und einer nicht identifizierten Malpighiaceae namens mukuyasku gegeben. Das Ganze wird so lange gekocht, bis das meiste Wasser verdampft ist und eine sirupartige Flüssigkeit zurückbleibt (Bennett 1992: 486*). Ähnlich sind auch die Zubereitungen der Kamsá, Inga und Secoya (Bristol 1965: 207ff*). - Ecuadorianisches Rezept
Von der Banisteriopsis caapi-Liane wird die Rinde abgeschabt und unter einem bestimmten Baum im Wald deponiert. Die abgeschabten Stengel werden in 4 bis 6 Streifen gespalten und zusammen mit frischen oder getrockneten Blättern von Psychotria viridis eingekocht. Es werden pro Person ein ca. 180 cm langen Lianenstück und 40 Psychotria-Blätter gerechnet. Allerdings soll bereits ein 40 x 3 cm grosses Stengelstück ausreichen. Generell gilt: je weniger Liane, desto magenfreundlicher wird die Ayahuasca. - Zubereitung bei der Uniao de Vegetal (UDV, Brasilien)
Die Lianenstücke von Banisteriopsis caapi werden zerstampft, mit den Blättern von Psychotria viridis vermischt und in rostfreien Stahltöpfen 10 bis 12 Stunden gekocht, bis eine dicke Flüssigkeit entsteht, auf deren Oberfläche sich in allen Spektralfarben schillernde Fettaugen bilden. - Rezept der Shipibo aus San Franciso/Yarinacocha
Ein frisches Rindenstück von Banisteriopsis caapi wird zusammen mit einer Handvoll Chakrunablätter (Psychotria viridis) und einer Flor de toé (Burgmansia suaveolens) eingekocht, bis ein dickflüssiges Dekokt entsteht. Diese Zubereitung soll besonders stark wirken und viele Visionen bringen.
Die nativen Zubereitungen von Ayahuasca können sehr unterschiedlich sein. Durch zahlreiche Pflanzenzusätze können psychoaktive Wirkungen hervorgerufen, aber auch stimulierende oder heilsame Getränke erzeugt werden. Als starkes Purgativ gilt eine ecuadorianische Zurbereitung aus Banisteriopsis caapi und Ilex guayusa. Delirante Rezepte enthalten oft Tabak und Engelstrompeten (Burgmansia). Erfahrene Ayahuascaschamanen verfügen über eine sehr reiche Kenntnis der Pflanzenwirkungen und können ihren Mischungen über 100 verschiedene Additive zusetzen, um die gewünschten Effekte zu erzeugen.
Oft enthalten die traditionellen Zubereitungen kein N,N-DMT. Aber für Europäer haben gerade die DMT-konzentrierten, visionär wirksamen Trünke eine starke Anziehungskraft, die zahlreiche Ethnobotaniker, Psychedeliker, Künstler, Freaks, New-Age-Touristen und Esoteriker (Leginger 1981*, McKenna 1989*, McKenna und McKenna 1994*, Perkins 1995). Die Erfahrungen mit dem amazonischen Ayahuasca sind für die Fremden meist enttäuschend (McKenna 1993). Oft treiben die curanderos oder selbsternannten Schamanen mit den drogen- und heilsuchenden Weissen auch ihren Schabernack. Schon Burroughs berichtete 1953: “Bin von Medizinmännern über Ohr gehauen worden” (Burroughs und Ginsberg 1964: 27). Es gibt aber auch Gegenbeispiele (Pinkson 1993, Wolf 1992).
Traditionelle Verwendung
Für die Schamanen ist Ayahuasca untrennbar mit dem Regenwald verbunden. Durch die Kraft des Trankes sieht er die Geistlosen, die in den Pflanzen und Tieren des Waldes gegenwärtig sind. Mit ihnen kommuniziert er, von ihnen erhält er das Wissen um ihr innerstes Wesen. Er lernt so die Bedeutung jedes einzelnen Tieres, jeder einzelnen Pflanze, versteht, warum jede Art ihren notwendigen Platz im “Kreis des Lebendigen” hat. Mit Hilfe von Ayahuasca sucht er die Herren der Tiere auf. In der “wahren Wirklichkeit” erscheinen die ihm aber in der Gestalt der Menschen. Von ihnen erfährt er, warum die Jäger ihre Kinder, die Tiere, nicht mehr finden können. Der Grund: Ein unbekannter Jäger hat zu viele Tiere erlegt, hat sie im Dschungel zurückgelassen. Ihre Körper verrotteten ungenutzt. Darüber hat sich der Herr der Tiere erzürnt; er verlangt Ausgleich. Der Schamane muss die Seele eines weiblichen Tieren schwängern, damit es wieder genug Nachwuchs gibt. Der Schamane kehr in die Alltagswelt zurück, berichtet von seinen Erfahrungen und warnt die Jäger. Nur nach einer Phase der Schonung können sie dies Tierart wieder erbeuten. Übertritt ein Jäger dieses Gebot, so wird er vom Herrn der Tiere bestraft, z.B. mit einem unsichtbaren magischen Pfeil.
Die visionäre Wirkung machen sich die Schamanen zunutze, um in die “wahre Wirklichkeit” — oft “blaue Zone” genannt — zu reisen, um die Geheimnisse von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu ergründen, um die Kranken des Stammes zu heilen oder einen Schadenzauberer, einen “schwarzen” Schamanen, zu bekämpfen (Reichel-Dolmatoff 1996b*). Der Schadenzauberer schleudert gewöhnlich unsichtbare Gegenstände — Pfeile, Dornen, Kristalle — in den Körper eines Opfers. In der Alltagswelt ist bei dem Leidenden nichts zu sehen. Erst wenn der Schamane Ayahausca trinkt, sieht er wirklich. Erkennt er den fremden, magischen Gegenstand, so kann er ihn durch Saugen entfernen. Um in der äusseren, sichtbaren Welt den unsichtbaren Heilprozess zu verdeutlichen, zeigt er stolz dem Kranken un den Anwesenden einen blutigen Dorn, den er zuvor mit einem raffinierten Taschenspielertrick in seinem Mund platziert hat. Dieser kleine “Betrug” — der eigentlich nur das Unsichtbare vergegenwärtigt — ist für den Erfolg der Behandlung wesentlich (Th. Ott 1979).
Die amazonischen Schamanen reisen meist in verwandelter Gestalt in die andere Wirklichkeit. Der payé hat seinen “Magen umgestülpt” — so nennen die Tukano den Zustand, bei dem der Körper wie tot daliegt, das Bewusstsein aber zu einer Reise in eine andere Wirklichkeit aufgebrochen ist. Die Schamanenseele hat sich in einen Jaguar verwandelt und fliegt über einen Regenbogen zur Milchstrasse. Vor seinem inneren Auge entblättern sich die phantastischsten Farben und Formen. Wabenmuster tanzen vorbei, werden zu Kristallen, erfüllt von überirdischem Licht. Wellenlinien breiten sich aus und zerfliessen zu einem bunten Strudel. Der Jaguarschamane wird unweigerlich eingesaugt. Der Strudel öffnet sich zu einem Tunnel aus kreisenden Totenschädeln, an dessen Ende ein warmes, blaues Licht leuchtet. Die Milchstrasse ist erreicht. Dort trifft der Jaguarschamane auf die Ayahuascafrau, die den Menschen am Anfang der Schöpfung die “wahre Wirklichkeit” gezeigt und ihnen das Geheimnis um den “Trank der wahren Wirklichkeit” geschenkt hat (Reichel-Dolmatoff 1971*, 1975* und 1978*).
Obwohl die “wahre Wirklichkeit” jenseits der Milchstrasse liegt, ist sie doch das Spiegelbild des Regenwaldes. Für die Schamanen ist die gewöhnlich sichtbare Alltagswelt nur eine Scheinwelt, hinter deren Erscheinungen die Welt der Mythen, der Götter und Geister wirkt. Dort liegen die Ursachen für alles, was in der Alltagswelt geschieht. Dort finden sie auch die Ursachen für Krankheiten, für ausbleibendes Jagdwild, Dürren und Überschwemmungen. Die “wahre Wirklichkeit” ist dem gewöhnlichen Auge verborgen (Baer 1987, Reichel-Dolmatoff 1996a*). Man kann dort nur über Träume und Visionen Einblick gewinnen. Der Spezialist dafür ist der Schamane, eine Art Reiseleiter in die andere Wirklichkeit. Sein wichtigstes Werkzeug hierfür ist der Zaubertrank Ayahuasca (Deltgen 1993). Die Inhalte der Ayahuascavisionen werden durch kulturelle Ausdeutung oft zu standardisierten Mustern, die es den Indianern erlauben, gezielt und schnell in die Bereiche der visionären Welt zu gelangen, die für die von Wichtigkeit sind (Langdon 1979).
Schamanen bereiten sich auf die Ayahuascasitzungen oft mit einer Periode sexueller Enthaltsamkeit (zwischen drei Tagen und sechs Monaten), besonderer Diätvorschriften, dem Gebrauch von brechenerregender und abführenden Substanzen, Klitisieren, Waschungen usw. vor. Die Ayahuascadiät verbietet den Genuss von Salz, Chili (Capsicum spp.), Gewürzen und Fett. Die Jíbaro trinken Guayusa (Ilex guayusa), um sich zu erbrechen. Die Siona und Secoya trinken einen Kaltwasserauszug aus der hetu bisi genannten Liane (Tournefortia angustiflora Ruíz et Pav., Boraginaceae), um sich vor der Zeremonie rituell zu reinigen (Vickers und Plowman 1984: 8*).
Während der Ayahuascarituale wird oft permanent Tabak (Nicotiana rustica oder Nicotiana tabacum) geraucht. Dadurch sollen die bösen Geister betrieben, d.h. unangenehme und bedrohliche Visionen gebannt werden. Zudem wird fast immer reichlich Chicha oder anderer Alkohol dazu getrunken (Bennett 1992: 486*) sowie Ipadú gekaut (Erythroxylum coca). Manchmal werden Burgmansia-Blätter, in Rum angesetzt, als Tonikum getrunken. Die Mestizo-Schamanen benutzen bei ihren Ayahuasca-Heilzeremonien Kampfer (Cinnamomum camphora) als Räucherwerk, möglicherweise um die Psychoaktivität zu fördern (Luna 1992: 246f.). Wenn die Schamanen etwas über eine ihnen bisher unbekannte Pflanze und deren heilsame Eigenschaften erfahren wollen, versetzen sie die Pflanze mit Ayahuasca und trinken die Mischung.

Ayahuascatourismus
Oft wurden von Reisenden Ayahuascaerfahrungen mit amazonischen Schamanen berichtet, die im Westen eine rechte Pilgerschaft in den Regenwald angeregt haben. Seit Jahren werden Touristen aus aller Welt von dem Zauberreich der Ayahuasca angezogen. Viele von diesen Heilsuchern versprechen sich dadurch Einblicke in die Persönlichkeit und mystische Erfahrungen. Das Bedürfnis der Touristen haben sich geschäftstüchtige, selbsternannte Pseudoschamanen zunutze gemacht. Öffentlich bieten sie Ayahuascarituale an. Meist bleiben die erwünschten Wirkungen aus. Denn die Geschäftemacher sind keine eingeweihten Schamanen, die ihre Rezepte beherrschen. Oft werden bestenfalls wirkungslose, manchmal aber auch hochgiftige Pflanzen beliebig zusammengekocht und für gute Dollars als “Original Amazonas-Ayahuasca” verkauft. Die Reise, die eigentlich in mystische Gefilde führen sollte, endet im Koma oder Krankenhaus (Dobkin de Rios 1995).
Wenn die Reisenden aber auch echte Schamanen treffen, berichten sie meist von sehr spirituellen, mystischen und heilsamen Erfahrungen (Ayala F. und Lewis 1978, Pinkson 1993, Wolf 1992).
Pharmakologie
Schon im 19. Jahrhundert drangen unglaubliche Gerüchte und merkwürdige Berichte von den wundersamen Wirkungen der Ayahuasca in den Westen. Es hiess, der von Ayahuasca Berauschte könne durch Mauern gehen, vergrabene Schätze finden, durch Berge schauen, die Zukunft erkennen und an Geschehnissen, die sich in fernen Ländern ereignen, teilhaben. Missionare wie Ärzte behaupteten, der Trank könne die telepathische Begabung des Menschen auslösen, gar fördern. Das neurochemische Geheimnis um die visionäre Wirkung der Ayahuasca wurde erst in neuerer Zeit gelüftet (Rivier und Lindgren 1972). Die beiden Hauptwirkstoffe in Ayahuasca sind Harmalin (=Teleoathin) und N,N-DMT. Bei oraler Aufnahme gelangt das DMT nicht in das Gehirn, es wird vorher von dem Enzym Monoaminooxydase, kurz MAO, abgebaut. Harmalin (auch Harmin sowie einige andere β-Carboline) verhindern die Ausschüttung der MAO; dadurch kann das DMT ungehindert die Blut-Hirn-Schranke passieren, sich an die entsprechenden Rezeptoren andocken und das Nervensystem in einen aussergewöhnlichen Zustand versetzen, mit prächtigen und überwältigenden Visionen (McKenna et al. 1994a und 1994b, McKenna und Towers 1985*). Kürzlich wurde bekannt, dass Ayahuasca nur MAO-A hemmt (D. McKenna 1996*).
Die Gesamtwirkung dauert etwa vier Stunden. Zunächst bewirkt das Harmalin eine Sedierung, die manchmal bis zur Unbeweglichkeit geht. Harmalin erzeugt in der Phase der anflutenden Wirkung starke Übelkeit und häufig sogar Erbrechen. Nach ca. 45 Minuten nach Einnahme des Tranks setzt die psychedelische DMT-Wirkung ein. Die visionäre Hauptwirkung hält etwa eine Stunde lang an und bricht dann schlagartig ab. Wenn die DMT-Wirkung anflutet, verschwindet die Übelkeit meist. Bei regelmässigem Ayahuascagenuss gewöhnt sich der Körper an die pharmakologische Aktion des Harmalins, so dass bei chronischen Benutzern die Übelkeit verschwinden kann. Da der Körper dem N,N-DMT gegenüber keine Toleranz aufbaut, kann man täglich mehrfach hintereinander Ayahuasca trinken.
Dies sind Ausführungen aus der Fachliteratur “Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen” von Christian Rätsch. AT Verlag 7. Auflage 2004
