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Butter bei die Fische — Die Content-Marketing-Inflation.

Seit 2012 gehe ich regelmäßig auf die dmexco. Dieses Jahr graut es mir jedoch davor.

In der Regel war die Messe mehr als voll, oft war alles “ein bißchen zu viel” und schon immer gab es mehr Anglizismen als Klartext an den Ständen zu hören.

Der Grund für meine diesjährige Verweigerungshaltung aber ist, dass mich der inflationäre Gebrauch des Begriffs “Content-Marketing” mittlerweile nervt.

Warum?

Weil der Begriff dermaßen überdehnt ist und gleichzeitig doch nur mit den immer gleichen Plattitüden gefüllt wird.

  • “Jede Marke muss zum Publisher werden.”
  • “Es geht um die Story.”
  • “Ziele müssen SMART sein.”

und der Klassiker

  • “Inhalte müssen einen Mehrwert bieten.”

Ja, stimmt alles. Aber wieviele Artikel zu diesen Themen willst Du den eigentlich noch lesen?

Hast Du nicht langsam das Gefühl, dass die meisten Artikel über Content-Marketing nur aufgewärmte Wiederholungen der immer gleichen Inhalte sind?

Schleicht sich nicht ab und an der Gedanke in Deinen Kopf, dass die meisten Artikel nur an der Oberfläche kratzen und Du das Ganze schon irgendwo anders gelesen hast?

Also mir gehts so.

Denn ich nutze gerade zwar das Wort “Content-Marketing”, weil dieser Begriff gelernt ist und — aus Sicht eines Bloggers — meine Leser genau das auch in Googles Suchschlitz der Wahrheit eintippen.

Aber wenn ich “Content-Marketing” schreibe, meine ich etwas anderes. Für mich ist Content-Marketing

“eine nutzerzentrierte Kommunikation in einem digitalisierten Nachfragemarkt.”

Lass den Satz nachklingen. Lass ihn uns gemeinsam Stück für Stück auseinander nehmen.
 
Nutzerzentriert:

Es geht um den Nutzer. Punkt.

Natürlich habe ich als Blogger auch eigene Interessen. Ich will gelesen werden. Und ich will damit irgendwann meinen Lebensunterhalt verdienen, darum habe ich auch angefangen, Workshops zu geben.

Aber viel mehr will ich auch Probleme lösen. Deine nämlich, wenn Du machen willst, was Du und Ich derzeit “Content-Marketing” nennen.

Und hier überschneiden sich deine Bedürfnisse (Wie kann ich langfristig erfolgreiches “Content-Marketing” machen) und meine Aufgabe (Dir zu helfen, eine Strategie zu entwickeln und in Deinem Unternehmen einzuführen).

Diese Schnittmenge zwischen Bedürfnis und Aufgabe ist es, über die ich schreibe.

Und so eine Schnittmenge brauchst auch Du mit Deinen Lesern oder Kunden, wenn Du kundenzentriert kommunizieren willst.

Kommunikation:

Aber was meine ich mich “Kommunikation”? Der Begriff “Kommunikation” ist weit. Keine Angst, ich erspare Dir das Sender-Empfänger-Modell.

Aber Kommunikation umfasst halt mehr als nur die Marketing-Kommunikation.

Es umfasst alle Interaktionen, die innerhalb Deiner Organisation mit ihren vielen Anspruchsgruppen täglich passieren. Das ist…

  • …der Austausch von Daten und Informationen innerhalb des Unternehmens.
  • …der Zugriff auf Guidelines, die für die Durchführung von Aufgaben erforderlich sind.
  • …natürlich (und besonders) der Gedanke, unbeteiligte Nutzer durch Inhalte in begeisterte Kunden zu verwandeln.

So unterschiedlich die verschiedenen Sender-Empfänger-Konstellationen auch sein mögen. Es fällt alles unter dem Begriff “Kommunikation”. Und die läuft zunehmend digital aus.

Digitalisiert:

Nun ist die Kommunikation ja nicht nur Digital oder nur Analog. Sie ist beides, aber das Digitale dominiert.

Ob Website, Intranet, Mail oder Social Media — immer mehr Inhalte werden digital konsumiert.

Und Dir stehen ja auch immer mehr digitale Kommunikationskanäle zur Verfügung.

Dadurch nehmen allerdings auch immer mehr Individuen oder Abteilungen Deiner Organisation über diese digitalen Kanäle an der Kommunikation teil.

Nachfragemarkt:

Wenn es um Inhalte geht, befinden wir uns ganz klar auf einem Nachfragermarkt.

Das bedeutet, dass das Angebot an Inhalten größer als die Nachfrage nach derselbigen ist.

Dieser sogenannte “Content-Schock” ist aber kein Problem für den Nachfrager (der hat seine bevorzugten Quellen), sondern für Dich, den Anbieter.

Den Deine Inhalte gehen in dem Meer von Content einfach unter. Schwupps, da sind Sie schon wieder weg.

Meine ganz persönliche Schlussfolgerung

Wir stecken mitten in diesem Content-Marketing-Filterblasen-Gedöns, und Du und Ich gießen immer mehr Öl ins Feuer.

Wir übernehmen den Begriff “Content-Marketing”, weil er nachgefragt wird, und er wird nachgefragt, weil wir diesen Begriff nutzen, um wiederum gefunden zu werden. Ein Teufelskreis.

Diesen Begriff reichern wir mit weiteren Bedeutungen an, sodass sich in diesen Begriff immer mehr hinein interpretieren lässt.

Und weil “Content-Marketing” so viel bedeuten kann, nutzen wir ihn immer weiter und verfestigen sozusagen seinen gasförmigen Zustand, der sich immer weiter ausdehnt und am Ende eigentlich nichts konkretes bedeutet.

Was kann man tun?

Du und Ich alleine vielleicht nicht viel. Aber immerhin etwas.

Wir beide können anfangen, diesen wirklich großartigen Ansatz des “Content-Marketing” weiter zu entwickeln.

Wir können anfangen, über substanzielle Inhalte zu diesem Thema zu forschen, zu schreiben oder schlicht darüber nachzudenken.

Aber bitte lass uns damit aufhören, diesen Begriff “Content-Marketing” weiterhin so aufzublasen.

Lass ihn uns lieber als Ausgangspunkt dafür nehmen, dass Du und Ich Content entwickeln, der die Probleme und Bedürfnisse unsere Leser in den Mittelpunkt stellt, anstatt unsere eigenen Wünschen in den Vordergrund zu stellen.

Zurück auf Start

Womit wir wieder bei der dmexco wären. Sie wird sicher auch dieses Jahr wieder gut werden. Also geh hin, aber beurteile selber, wie mit dem Begriff “Content-Marketing” dort umgegangen wird.

Ich werde in der Zeit weiter über eine “kundenzentrierten Kommunikation in einem digitalisierten Nachfragemarkt” nachdenken und mir überlegen, wie ich Dir bei diesem strategischen Projekt noch weiter helfen kann.

Liebe Grüße und viel Spaß, 
Babak


Diesen Artikel habe ich in zuerst in meinem Newsletter veröffentlicht, in dem ich alle 14 Tage über Dinge schreibe, die ich sonst nirgendwo veröffentliche (der hier war ne Ausnahme ;-) ). Hier kannst Du Dich auch dazu eintragen: http://eepurl.com/b53PLf.