Warum unterschiedliche Fleischsorten beim BARFen?

Abwechslung ist wichtig beim BARFen. Meistens wird empfohlen, in die Fütterung ungefähr 3–5 verschiedene Tierarten einzubeziehen und da auch zwischen den einzelnen Muskel-Fleischarten (z.B. Brust, Keule, etc.) immer mal wieder zu wechseln.
Aber warum eigentlich?
Hintergrund ist die Annahme, dass verschiedene Fleischarten auch immer unterschiedliche Nährstoffgehalte aufweisen.
Also einen unterschiedlichen Gehalt an Protein, essentiellen Aminosäuren, Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen.
Diese Unterschiede sind manchmal nur gering, manchmal sehr deutlich.

Zum Beispiel: Protein
Da liegt der Wert beim Muskelfleisch relativ nah beieinander, bei 100 g Putenfleisch mit Haut sind es 20,2 g, 100 g Rindfleisch kommen auf 19,6 g, Lammfleisch auf 20,8 g, Hirsch auf 20,6 g. Innereien liegen meistens entweder ähnlich hoch oder etwas darunter: 100 g Rinderleber schlagen mit 19,2 g Protein zu Buche, 100 g Rindernieren enthalten 16,6 g Protein, 100 g Rindermilz 18,5 g. Alles in allem aber keine eklatanten Unterschiede.
Bei den Vitaminen ist es schon etwas anders, nehmen wir mal als Beispiel die Vitamine A (Retinol) und B2. Da stellt sich die Verteilung dann so dar:

Fleischart Vitamin A (Retinol) pro 100 g Vitamin B12 pro 100 g
Putenfleisch 0,01 mg 0,4 µg
Rindfleisch 0,00 mg 4,8 µg
Lammfleisch 0,00 mg 2,7 µg
Hirschfleisch 0,00 mg 1 µg
Rinderleber 17,9 mg 65 µg
Rindernieren 0,33 mg 33,4 µg
Rindermilz 0,09 mg 5,10 µg

Nehmen wir mal Kupfer bei den Spurenelementen: 
Während Lammfleisch und Hirsch pro 100 g einen für Muskelfleisch recht hohen Gehalt von 170 µg aufweisen, sind es bei Rindfleisch 74 µg und Pute 70 µg.

Die Innereien liegen naturgemäß eher im oberen Bereich: Rinderleber enthält 3195 µg Kupfer pro 100 g, Rindernieren 433 µg und Milz 168 µg.
Interessant ist auch die Aminosäure-Zusammensetzung.

Fleisch und Innereien haben alle auch eine etwas unterschiedliche Verteilung der Aminosäuren, die je nach Aminosäure und Fleisch- / Innereienart durchaus 100–200 mg pro 100 g auseinander liegen. Im Hinblick auf Tryptophan ist das sicherlich bekannt, aber dies gilt auch für alle anderen essentiellen Aminosäuren.
Hinzu kommt, dass die Aminosäure- und Fettsäurezusammensetzung bei Masttieren anders ist als bei wildlebenden Tieren, basierend auf der unterschiedlichen Fütterung, der zum Teil mangelnden Bewegung, Frischluft / Sonnenlicht und dem höheren Körperfettanteil bei Masttieren.

Fazit:
Es ist also tatsächlich sinnvoll, Fleisch- und Innereiensorten immer mal wieder anzuwechseln, so dass Du eine möglichst hohe Bandbreite an unterschiedlicher Nährstoffzusammensetzung in der Fütterung sicher stellst. Das heisst nicht, dass Du jeden Tag eine andere Sorte füttern musst — sondern vielmehr darauf achten solltest, dass die Fütterung insgesamt nicht zu einseitig ist.

Bei Allergikern ist das natürlich nicht immer in der Idealform möglich. Da kann man sich ein wenig damit behelfen, dass man zumindest unterschiedliche Teile von der Tierarten füttert, die vertragen werden.
Und: Mindestens eine Fleischsorte solltest Du immer für den Fall aussparen, dass mal eine Ausschlußdiät gemacht werden muss / sich Unverträglichkeiten entwickeln. Wirklich ALLES zu füttern, ist auch nicht immer sinnvoll.

Wie häufig wechselt ihr unterschiedliche Fleischsorten ab? Wieviel Abwechslung muss eurer Meinung nach sein, wieviel Abwechslung ist optional?

Alle Werte entstammen dem Bundeslebensmittelschlüssel.