Der Guardian verbrennt auch in den USA Geld, warum Economist-Autoren anonym sind und die Youtube-Krise

Medienlinks Nummer 34

Guardian vernichtet auch in Amerika Geld

Niemand verbrennt so schön Geld, wie der “Guardian”. Foto: Mike Poresky (CC BY 2.0)

Der “Guardian”, britisches Traditionsblatt und lange Vorreiter im digitalen Journalismus, ist herausragend in zwei Dingen:

  1. Journalismus
  2. Geld verbrennen

Das scheint auch bei der US-Ausgabe des linksliberalen Blattes der Fall zu sein. Deswegen müssen in den USA erneut 20 Prozent Kosten eingespart werden. Denn bereits vergangenes Jahr gab die US-Ausgabe bekannt, dass sie 30 Prozent ihrer Mitarbeiter abbauen muss. All das ist Teil eines größeren Einsparungsplans der “Guardian”-Mediengruppe, die dieses Jahr wohl insgesamt rund 90 Millionen Pfund Verluste machen wird.

Der Grund, warum das Medienunternehmen nicht noch größere finanzielle Schwierigkeiten hat, ist der Scott Trust, der die Verluste des “Guardian” bisher auffing. Aber ab einer gewissen Summe reicht auch das Geld der Stiftung nicht mehr. Darum steuert man gegen: Mit mehr Branded Content und einen eigenen Club, um auch Geld von den Lesern zu lukrieren, versucht man gegenzusteuern.

Deswegen wird auch bei der 2011 gestarteten US-Ausgabe gespart. Diese wollte eigentlich in ein neues Büro umziehen, das u.a. Jared Kushner, Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, gehört. Die Redakteure protestierten, der Umzug wurde abgeblasen. Kosten: weitere 250.000 Dollar. (mehr dazu in den Medienlinks Nummer 33)

Wie genau der “Guardian” seine Kosten unter Kontrolle bringen will, erklärt Digiday.com:


BBC muss sparen

“Broadcasting House” im Zentrum Londons: Die Zentrale der BBC Nachrichtenabteilung. Foto: Paul Hudson (CC BY 2.0)

Auch der öffentlich-rechtliche Sender BBC muss offenbar sparen. Wie Cityam.com berichtet, wurden die Mitarbeiter vergangene Woche darüber informiert, dass sie kein Material der Nachrichtenagentur AP mehr verwenden dürfen. Der Vertrag wurde aufgrund von “finanziellem Druck” gekündigt. Neuer Lieferant für Bilder, Videos und Agenturmeldungen soll demnach die französische Agentur “Agence France Presse”(AFP) sein.


Youtube-Krise

Foto: Rego Korosi (CC BY-SA 2.0)

Keine Geldprobleme hat Youtube — zumindest bis jetzt nicht. Nachdem bekannt wurde, das auf der Videoplattform Werbeeinschaltungen vor Videos von Extremisten und Verschwörungstheoretikern geschalten wurden, zogen viele Unternehmen ihre Werbeetats von Googles Videoplattform bis auf Weiteres ab. Was zunächst in Großbritannien begann, schwappte rasch in die USA über.

Youtube zog die Notbremse und kündigte an, Videos, die Hass und Hetze verbreiten, zu entmonetarisieren.

Zur Erklärung: Youtuber können ihre Videos monetarisieren, indem sie zulassen, dass die Videoplattform kurze Werbeblöcke vor ihren Videos abspielt. Die Einnahmen aus diesen Werbeblöcken und Einblendungen werden dann nach einem Schlüssel zwischen dem Youtuber und Youtube geteilt. Für Youtuber, die hunderttausende oder sogar Millionen Zuseher pro Video haben, können diese Einnahmen beträchtlich sein.

Nun aber könnten einige Youtuber um diese Einnahmen umfallen. Nicht, weil sie Hetze oder extremistische Botschaften verbreiten. Sondern Youtube benutzt selbstverständlich einen Algorithmus, um bedenkliche Videos auszusortieren und zu entmonetarisieren. Und die Schrauben wurden nun offenbar so streng angezogen, das alles, was nur im entferntesten irgendwie kontroversielle Themen berührt, offenbar entmonetarisiert wird.

Wie so oft, erklärt es Philip DeFranco in seiner täglichen Youtube-Nachrichtensendung am besten:


Mobile Videos

Immer mehr Menschen konsumieren ihre Nachrichten und Unterhaltung auf mobilen Geräten. In Österreichs Redaktionen, in denen kaum bis oftmals gar keine Ressourcen für Journalismus speziell für mobile Endgeräte eingesetzt werden, hat sich das freilich noch nicht herumgesprochen. In Irland ist man schon weiter: Der öffentlich-rechtliche Sender RTÉ schult seine “mobilen Journalisten”(!), damit diese künftig noch mehr Nachrichten und sogar eine Videoserie speziell für soziale Medien produzieren. RTÉ ist oft übersehener Vorreiter im Bereich des MoJo (mobiler Journalismus). Schon vergangenes Jahr produzierte der Sender eine Dokumentation, die ausschließlich mit einem iPhone 6s gefilmt wurde.

Mehr zu der neuen Initiative auf Journalism.co.uk:

Der “Guardian” versucht ebenfalls neue Leserschichten in den sozialen Medien besser anzusprechen. Gelingen soll das mit Videoserien, die speziell für diese Plattformen produziert werden. Die sogenannten “Dabs” verbinden Video, Text und Grafiken, um Menschen zu erreichen, die durch ihren Social-Media-Feed scrollen.

In Österreich experimentiert Peter Krotky mit Videos, die ausschließlich auf mobilen Geräten aufgenommen werden. Der Journalist baute das Online-Angebot der Tageszeitung “Die Presse” — diePresse.com — auf. Dessen Geschäftsführer und Online-Chefredakteur war er lange Zeit, bis er 2013 seinen Abschied nahm. Auf seinem Blog meint er: “Lieber Casey Neistat als Armin Wolf, lieber Youtube als ORF.” In seiner Freizeit probiert er nun aus, Filme nur mit dem iPhone zu machen. Das Ergebnis:


Warum sind “Economist”-Autoren anonym

Redaktionen sind bisweilen ein Platz für übergroße Egos und Menschen mit ausgeprägter Eitelkeit. Das mag bei der britischen Zeitschrift “Economist” vielleicht nicht viel anders sein. Allerdings ist es dort deutlich schwerer diese auch auszuleben.

Denn die Artikel des “Economist” haben keine Autorenzeile. Warum, erklärt der “Economist” in einem Eintrag auf Medium.com:



Veröffentlicht am 2.4.2017

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