Medialer Penisvergleich, Vorsätze statt Thesen und Pressekonferenzen als Quotenhits

Medienlinks Nummer 27

Kein Penis, sieht aber aus wie einer — zumindest laut Meinung einiger Einwohner von Barcelona (Foto: Stefan Binder Copyright 2017)

Medialer Penisvergleich

Nach langer Urlaubspause melden sich die Medienlinks mit frischen Daten zurück: Anfang Februar veröffentlichte die ÖWA, die österreichische Webanalyse, die Zugriffs-Daten österreichischer Onlineportale für den Monat Jänner. Bei den Dachangeboten heimischer Medien hat sich im Vergleich zum Dezember nur wenig in der Reihenfolge geändert. Nach Unique Clients weiter in Führung liegt das Dachangebot des ORF, gefolgt von Styria Digital One und heute.at. Einzig das Dachangebot von oe24 konnte einen Platz gutmachen und das Dachangebot der “Kronen Zeitung” überholen. Dies gelang den Online-Portalen aus dem Hause Fellner mit der stärksten Steigerung (+19,7 Prozent) unter den Top-10-Medienangeboten.

Zur Erinnerung: Die Dachangebote beinhalten die Summe fast aller Online-Angebote eines Mediums: so werden im Dachangebot von oe24, nicht nur Zugriffe und Unique Clients von oe24.at mitgerechnet, sondern auch auf Services wie wetter.at, das zum Dachangebot gehört. Noch extremer ist das bei der Styria Digital One, dem Dachangebot der Styria, zu sehen. Unter dem Dach der SD One verstecken sich 13 Einzelangebote von diePresse.com bis zu miss.at.

Ein Blick auf die Einzelangebote österreichischer Medien zeigt, das bis auf diePresse.com alle Top-10-Medienangebote im Vergleich zum Dezember online zulegen konnte. Am stärksten das Regionalportal meinbezirk.at mit +10,9 Prozent. Mitte Jänner vollzog das Online-Angebot der Presse einen kompletten Relaunch und nahm die Seite defacto zwei Tage offline. Um bestimmte Artikel lesen zu können, muss man seither registrierter User sein, ab März soll Geld für diese Artikel verlangt werden.

Anmerkung: Ein Angebot mit den Zahlen des Vormonats zu vergleichen ist nur bedingt aussagekräftig, da die Anzahl der Monatstage, zugriffsschwache Urlaubstage im Vormonat, etc. mitbedacht werden müssen. Allerdings sind die ÖWA-Daten derzeit auf Jahresbasis (also Jänner 2016 mit Jänner 2017) nicht miteinander vergleichbar, da im Februar 2016 eine Messänderung von Seiten der ÖWA durchgeführt wurde. D.h., dass erst ab Februar 2017 ein korrekter Vorjahresvergleich möglich ist — vorausgesetzt die ÖWA ändert ihre Messmethode nicht erneut.

Anmerkung II: Unique Clients laut ÖWA: “Anzahl der Endgeräte, von denen auf eine Website zugegriffen wird. Die Unique Clients werden über permanente Cookies sowie weitere Identifikationsmerkmale ermittelt.”

Alle Angaben ohne Gewähr!


Vorsätze statt Thesen

Statt Thesen über die Zukunft der Medien verkündete Jochen Wegner bei seiner Dankesrede bei der Preisverleihung für die „Journalisten des Jahres 2016“ Vorsätze für das Jahr 2017 . Der Chefredakteur von “Zeit Online” wurde bei der Veranstaltung am 7. Februar als “Chefredakteur des Jahres” ausgezeichnet. Seine neun Vorsätze in Kurzform sind:

  • Öfter sagen: Ich weiß es nicht.
  • Nichtleser ernst nehmen
  • Leser ernst nehmen
  • Echten Dialog ermöglichen
  • Kein Aktivismus
  • Aufklären
  • Die Wahrheit sagen
  • Selbsterklärend werden
  • Sich selbst wichtig nehmen

Wegners sehenswerte Vorsätze in voller Länge zum Nachschauen und -hören:


NZZ schließt Foren

“Es ist traurig, dass man das im 21. Jahrhundert noch betonen muss: Unsere Leser ernst zu nehmen heißt auch, ihnen die Möglichkeit einzuräumen, uns direkt Feedback zu geben. Das funktioniert ganz sicher nicht, indem wir die Leserkommentare abschalten, so wie einige Leitmedien, die ich verehre”, sagte “Zeit Online”-Chefredakteur Wegner bei der oben genannte Rede. Damit könnte er unter anderem auf die jüngsten Entwicklungen bei der “Neuen Zürcher Zeitung” angespielt haben, die ihre Kommentarspalten ab 8. Februar geschlossen hat, wie das Schweizer Blatt im Beitrag “Warum wir unsere Kommentarspalte umbauen” erklärt. Den Dialog wolle man aber weiter fördern, indem sich ein Redakteur zu einem Thema wöchentlich der Debatte stellen soll.

Heftige Kritik daran kommt von swissreporter.ch: Das beste Mittel zur Förderung eines anständigen Dialogs sei nicht die Beschränkung debattierbarer Themen, sondern die Steigerung der Ressourcen für diesen Dialog. Die Kritik in der ganzen Länge:


Pressekonferenzen als Quotenhits

Pressekonferenzen im Weißen Haus waren bisher nicht als Publikumsmagneten bekannt. Durch die Übernahme der Amtsgeschäfte des Weißen Hauses durch Donald Trump hat sich aber auch das geändert. Die Briefings von Trump Pressesprecher Sean Spicer, die von fast allen US-Nachrichtensendern live übertragen werden, erreichen im Schnitt 4,3 Millionen Menschen, wie die “New York Times” unter Berufung auf von Nielsen veröffentlichte Quoten berichtet. Demnach steigen die Quoten bei Fox News, CNN und Co im Schnitt um 10 Prozent, sobald Spicer vor die Kameras tritt.

Dass dem Weißen Haus tatsächlich ein Quotenhit gelingt, zeigt auch der Vergleich: Die Pressebriefings erreichen mehr Zuschauer als Daily Soaps, die zur selben Zeit auf anderen Sendern ausgestrahlt werden. Das Interesse ist wohl auch auf das heftige hin-und-her zwischen Spicer und Reportern zurückzuführen, über das sich bereits die Comedy-Sendung “Saturday Night Live” lustig gemacht hat. Auch der Sketch selbst wurde zum Zuschauerhit: Auf Youtube hat die Parodie mittlerweile mehr als 20 Millionen Zugriffe:

Der Artikel in voller Länge auf “New York Times”:


Mehr Reporter, weniger Redakteure

Große Änderung stehen dem Newsroom der “New York Times” bevor. Bisher wurde eine Geschichte eines Reporters von bis zu drei Redakteuren im Newsroom bearbeitet, bevor sie gedruckt wurde. In manchen Fällen sogar noch mehr. Das hat letztlich dazu geführt, dass derzeit mehr Redakteure im Newsrooms der Times sitzen, als Reporter, Fotografen “im Feld” arbeiten.

Das will man nun ändern und sich so auch dem digitalen Zeitalter anpassen. Was sich ändern soll und ein Blick hinter die Kulissen hat die Leseranwältin der Zeitung in einem Artikel zusammengefasst:


Veröffentlicht am 11.2.2017

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