Ressortleiter für Schlagzeilen, blau-weiße Bezahlschranke & Gedruckte Zahlen in Rot II

Medienlinks Nummer 30

A, B, mobil

Ein neu-gereihtes Alphabet gibt es im digitalen Medienuniversum. A/B-Tests für Schlagzeilen sind in entwickelten Medienmärkten (aka Nicht-Österreich) mittlerweile gang und gäbe. Solche Tests spielen unterschiedlichen Nutzergruppen unterschiedliche Schlagzeilen aus und testen so, welche Schlagzeile mehr Interesse — sprich Klicks — generiert.

Die richtige Schlagzeile kann deutlich mehr Leser in den Artikel locken, weswegen viele US-Verlage seit einiger Zeit mit A/B-Tests experimentieren. Die “New York Times” hat dieses Experiment ausgeweitet und testet nun auch Schlagzeilen speziell für mobile Endgeräte, wie Digiday berichtet.

Die “New York Times” hat demnach sogar einen eigenen Ressortleiter für “Headline-Testing”, das Projekt startete im April 2016. Und der Erfolg scheint der “Grey Lady”, wie die New Yorker Tageszeitung auch genannt wird, recht zu geben: Die speziell für mobile Geräte getestete Schlagzeile hatte 26 Prozent mehr Klicks auf mobilen Geräten, berichtet Digiday:


Blau-weiße Bezahlschranke

Am 1. März startete die Online-Ausgabe der Tageszeitung “Die Presse” ihr Bezahlangebot. Für Artikel, die auf der Seite blau unterlegt sind, muss fortan gezahlt werden. Aus diesem Anlass gaben Presse-Chefredakteur Rainer Nowak und Online-Presse-Chefredakteur Manuel Reinartz dem “Medienmanager” ein ausführliches Interview. Die Entscheidung für ein Bezahlangebot sei demnach vor zwei Jahren im Styria-Vorstand gefällt worden, bei der “Presse” setze man — durchaus auf internationale Vorbilder schielend — auf den Clubgedanken. Bezahlt werden soll für Artikel, für die sehr viel Aufwand betrieben wurde. Langfristig glaubt Nowak, dass alle heimischen Medien dem Bezahlgedanken folgen sollten.

Lobend erwähnt wird als Beispiel “nzz.at”, das laut Reinarzt den Paywall-Stein ins Rollen gebracht hätte. “Die Kollegen machen dort einen exzellenten Job”, fügt Nowak lobend hinzu. Ein nzz.at-Abo hatte er auf Nachfrage allerdings keines mehr.

Auf die Frage, ob man nun — da man auch digital Geld verlange — Spezialisten wie eigene Grafiker oder Datenjournalisten beschäftige, antwortete Reinarzt: “Das Witzige und das Spannende ist, dass sich jetzt sehr viele Mitarbeiter sehr engagieren in diesem Bereich.”

Das Interview in voller Länge:


NBC steigt bei Snapchat ein

NBC Universal erweitert sein digitales Investitionsportfolio erneut und investiert 500 Millionen Dollar in Snapchat. Damit ist das US-Medienunternehmen neben Buzzfeed, Vox-Media, Euronews nun auch an dem Video-Messaging-Dienst beteiligt.


Die CNN-Neistat-Nachrichtenshow

Casey Neistat, erfolgreicher Filmemacher und Youtuber aus New York, verkaufte Ende 2016 seine Firma Beme an den Nachrichtensender CNN. (siehe dazu Medienlinks Nummer 23). Nun wurde bekannt, was der Sender und der Filmemacher vorhaben.

Im März will Neistat mit CNN einen eigenen Youtube-Kanal für den eine tägliche Show produziert werden soll, starten. Gleichzeitig arbeitet sein ehemaliges Team von Beme an einer neuen App für CNN, die Usern kuratierte Live-Newsfeeds aus der ganzen Welt liefern soll. Mehr dazu verrät Neistat im Interview mit dem “The Hollywood Reporter”:


Gedruckte Zahlen in Rot Teil II

Die österreichische Auflagenkontrolle (ÖAK) veröffentlichte vorvergangene Woche den Jahresschnitt österreichischer Printpublikationen aus dem Jahr 2016. (Was das für Tageszeitungen bedeutete, wurde bereits in den Medienlinks Nummer 29 ausführlich behandelt).

Bei der “verkauften Auflage”* österreichischer Magazintitel, die wöchentlich oder 14-tägig erscheinen, führt weiterhin “Die ganze Woche” mit 304.733 verkauften Exemplaren im Jahresschnitt 2016 das Ranking an. Mit großem Abstand folgt “tv-media” (178.860 Exemplare), “Woman” (131.646 Exemplare, die 14-tägig erscheinen) und “News” (115.530 Exemplare). Danach folgen “profil” (67.714) und “trend” (46.261), das seit der Einstellung von Format ebenfalls wöchentlich erscheint. Falls es bis jetzt noch nicht aufgefallen ist: Von sechs wöchentlich bzw. 14-tägig erscheinenden Magazintiteln stammen fünf aus dem Haus einer einzigen Verlagsgruppe, nämlich der VGN News.

Quelle: ÖAK. Alle Angaben ohne Gewähr. Fotocredit: Jeff Eaton (CC BY-SA 2.0)

Wie schon bei den Tageszeitung zeigt sich auch bei den wöchentlichen Publikationen ein mehrheitlich negatives Bild der “verkauften Auflage”. Das Magazin “News” konnte sich um 0,1 Prozent steigern, das “profil” verlor um 0,1 Prozent. Am stärksten musste die ganze Woche mit 1,5 Prozent an verkaufter Auflage im Vergleich zum Jahr 2015 einbüßen.

Quelle: ÖAK. Alle Angaben ohne Gewähr. Grafik: http://datawrapper.dwcdn.net/cY6uo/2/

Auch der längerfristige Vergleich ist mehrheitlich negativ. Bis auf das “profil“ (+0,2 Prozent) verloren alle wöchentlichen und 14-tägig-erscheinenden Artikel im Vergleich mit 2013 an verkaufter Auflage.

Quelle: ÖAK. Alle Angaben ohne Gewähr. Grafik http://datawrapper.dwcdn.net/JqFKV/1/

Bis auf “Die ganze Woche” kommen alle österreichischen Magazintitel (wöchentlich/14-tägl. Erscheinung) auf einen Abo-Anteil von über 50 Prozent der verkauften Auflage.

Quelle: ÖAK. Alle Angaben ohne Gewähr. Grafik: http//datawrapper.dwcdn.net/UwAu2/1/

Bei den Monatsmagazinen führt das noch relativ junge Magazin “Servus in Stadt und Land” aus dem Hause Red Bull das Ranking mit 128.071 verkaufter Auflage an. Nicht so jung, dafür aber auf Rang 2 folgt die “ORF-Nachlese” mit 64.849 verkauften Exemplaren. “Servus in Stadt und Land” startete 2010, die ORF-Nachlese in den 70er-Jahren.

Quelle: ÖAK. Alle Angaben ohne Gewähr. Fotocredit: Jeff Eaton (CC BY-SA 2.0)

Im Vergleich zu 2015 konnten aber auch bei den Monatstiteln nur die “autorevue” und das Magazin “Gusto” Zugewinne bei der verkauften Auflage verzeichnen. Die anderen großen Monatstitel verkauften weniger.

Quelle: ÖAK. Alle Angaben ohne Gewähr. Grafik: http://datawrapper.dwcdn.net/sRrZx/2/

Ein ähnliches Bild ergibt sich auch beim Vergleich der verkauften Auflage aus dem Jahr 2016 mit dem Jahr 2013. “Autorevue” ist demnach das einzige größere Magazin, das in diesem Zeitraum Zuwächse verzeichnen konnte. Und diese sind noch dazu recht kräftig: über 7,7 Prozent mehr verkaufter Auflage im Vergleichszeitraum kann sich das Magazin freuen.

Quelle: ÖAK. Alle Angaben ohne Gewähr. Grafik: http://datawrapper.dwcdn.net/FYDf1/1/

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Nachlese:


Veröffentlicht am 4.3.2017

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