Was soll ein Journalist können, mobile und profitable Portale und ein neuer Spiegel-Podcast

Medienlinks Nummer 32

Was braucht man, um ein guter, moderner Journalist bei der “Washington Post” zu sein?

Foto: Esther Vargas (CC BY-SA 2.0)

Laut Marty Baron, Chefredakteur der wieder erfolgreichen “Washington Post”, gehört im Gespräch mit den Recode-Gründern Walt Moosberg und Kara Swisher dazu neben dem Fundament der guten Recherche- und Schreibfähigkeiten auch:

  • Neue Tools und die neuen Möglichkeiten, Geschichten neu und anders zu erzählen, verstehen.
  • Begreifen, dass das Internet ein anderes Medium als Print, TV und Radio ist.
  • Unternehmerisch denken: Das wäre vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen, sei aber heute umso wichtiger, sagt Baron. Journalisten müssen sich Gedanken darüber machen, wie sie ihre Geschichten so erzählen, damit sie von mehr Menschen gelesen werden und wie sie ihre Produkte zu mehr Menschen bringen.

Das Engagement von Amazon-Gründer Jeff Bezos, der die “Washington Post” 2013 um 250 Millionen Dollar gekauft hat, findet er positiv: “Die (Medien-, Anm.) Industrie brauchte neue Ideen”, so Baron. Bezos brachte ein profundes Verständnis von Technologie und Konsumentenverhalten mit, schwärmt der Chefredakteur. Das Medienunternehmen betrachte Bezos aber nicht als karitative Einrichtung: “Wir sind ein Business”, stellte Baron klar.

Was hat Jeff Bezos in der “Washington Post” laut Baron geändert?

  • Nationale und internationale Expansion: Vor dem Einstieg Bezos’ war die Berichterstattung der “Washington Post” auf den Großraum der US-Bundeshauptstadt konzentriert. Bezos sah darin eine Schrumpf-Strategie und änderte sie in eine expansive, landesweite Strategie. Die Logik Bezos’: Im Print-Tageszeitungsgeschäft gab es aufgrund der hohen Kosten (Druck und Auslieferung) eine hohe Einstiegshürde in den Medienmarkt, weswegen das ursprünglich lokale Geschäftsmodell funktioniert habe. Durch das Internet sei dieses Geschäftsmodell aber weitgehend vernichtet worden. Warum also nicht umgekehrt die Vorzüge dieses Wandels nutzen: Durch das Internet gebe es die Möglichkeit mit vergleichsweise geringen Kosten auch landesweit und international zu reüssieren. Das habe man gemacht.
  • Mehr Aggregation und Nachtredaktion: Ein neues Ressort sucht in den Nachtstunden nach neuen Geschichten, und bereitet Geschichten, die am Tag übersehen wurden, für den Morgen vor.
  • Neue Blogs: Vom erfolgreichen Portal Vox.com habe man sich einiges abgeschaut und neue Blogs ins Leben gerufen.
  • User Generated Content: Dem Beispiel der “Huffington Post” folgend schreiben nun nicht-ständige Kolumnisten für die “Washington Post”.
  • Ausbau des Audience Engagement Teams: Man schaue nicht nur auf Facebook und Twitter sondern lote immer neue Möglichkeiten aus, um ein breiteres Publikum zu erreichen.

Das gesamte Gespräch mit Baron über Trump, Bezos und die Zukunft kann auf Youtube nachgesehen werden:


Mobil, mobil, mobil

Um 33 Prozent ist die chinesische Microblogging-Plattform Weibu gewachsen. Warum verrät eMarketer.com. Die Antwort in Kurzform: Mobil, mobil, mobil.


Quartz ist profitabel

Im Nutzerverhalten hat sich fast alles verändert, Medienunternehmen hingegen kaum. Viele von jenen, die der Veränderung Rechnung tragen, können sich um kräftige Zugewinne freuen. Foto: Blake Patterson (CC BY 2.0)

Apropos mobil: Das Medienunternehmen Quartz ist nach vier Jahren erstmals profitabel. Das 2012 gestartete Portal konnte den Umsatz vergangenes Jahr um 60 Prozent steigern und widersetzt sich dem Branchentrend, in dem fallende Umsätze die Norm geworden sind. Quartz war zum Start ein Novum — ein Mobile-first-Medienunternehmen. Der Erfolg gibt dem Unternehmen, das Atlantic Media (theAtlantic.com) gehört, allerdings recht: 2016 besuchten 20 Millionen Unique Visitors die Seite, seit dem Start expandiert man aggressiv in Märkte außerhalb der USA.

Auch dem Branchentrend zuwider laufend: Quartz sucht laufend neue Mitarbeiter:


200.000 Guardian-Mitglieder

Foto: Yukiko Matsuoka (CC BY 2.0)

Finanziell eher weniger erfolgreich ist der britische “Guardian”. Das Medienunternehmen überlebt nur, weil es eine finanziell potente Stiftung hinter sich hat. Weil selbst das auf Dauer nicht reicht, versucht man neue Einnahmequellen zu finden. Um das zu Erreichen, hat man eine Art Guardian-Clubmitgliedschaft ins Leben gerufen. Laut Guardian sind derzeit 200.000 Personen Mitglieder — ein weiteres Standbein neben den rund 185.000 Abonnenten. Bis 2019 will man rund eine Million Mitglieder haben.


Spiegel Online geht auf “Stimmenfang”

Foto: MoWePhoto.de (CC BY 2.0)

Neuigkeiten von “Spiegel Online”: Nachdem das reichweitenstarke Onlineportal erst unlängst das internationale Projekt “The New Arrivals”, das gemeinsam mit dem “Guardian”, “Le Monde” und “El Pais” über die Situation von Flüchtlingen in Europa, ins Leben rief, startet ab 23. März der neue Podcast “Stimmenfang”. Er soll vor der Bundestagswahl im September wöchentlich über politische Ereignisse informieren.

Die neue Chefredakteurin Barbara Hans, die erst seit Dezember den Posten inne hat, legt damit ein ziemliches Tempo vor. Wie Gregory Lipinski auf Meedia.de berichtet, sollen mit dem neuen Produkt auch neue Werbekunden an Land gezogen werden.


Eindrücke von der SXSW

South by Southwest (SXSW), die größte Digitalkonferenz der Welt, ging vergangene Woche erneut in Austin über die Bühne. Mehr als 35.000 Teilnehmer pilgerten nach Texas, um Vorträgen und Konzerten zu lauschen und zu networken. Seine persönlichen Eindrücke von der Konferenz hat Thomas Knüwer zusammengefasst:


Veröffentlicht am 19.3.2017

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