Youtube-TV, Trump und die Medien und Red Bull verleiht Fakten

Medienlinks Nummer 35

Youtube-TV

Youtube, die mit Abstand größte Online-Videoplattform dominiert den Bewegtbildbereich. Nur eine Plattform ist noch größer: Fernsehen. Obwohl unter-30-Jährige immer seltener zur Fernbedienung greifen, ist TV nach wie vor das kommerziell größere Business.

Um diese beiden Welten zu verschmelzen, startete Youtube diese Woche erstmals Youtube-TV in den USA. Um 35 US-Dollar pro Monat erhalten Abonnenten des neuen Dienstes Zugang zum Programm der vier großen Networks (abc, NBC, CBS und Fox) sowie rund 30 Kabelsender. Für die traditionellen TV- und Kabel-Sender ist Youtube-TV eine Möglichkeit die heiß begehrten Millenials als Zuseher zu gewinnen. Für Youtube ist es die Chance, aus Gratis-Nutzern, zahlende Kunden zu machen. Das kommt vielleicht gerade passend — zahlreiche Werbetreibende boykottieren die Videoplattform zur Zeit(siehe dazu Medienlinks Nummer 34).

Wie funktioniert Youtube-TV?

Wenn man die App öffnet sieht man als Abonnent eine Auswahl an Live-Programmen, die gerade laufen. Sollte man eines der Programme oder eine Show bereits als Favorit markiert haben, wird sie automatisch in der Google-eigenen Cloud abgespeichert — für neun Monate gratis und mit unbeschränktem Speicherplatz. Das bedeutet, dass wenn man in eine Live-Show, die als Favorit markiert wurde, gerade einsteigt, zum Anfang der Show zurückzuspulen kann, noch während die Sendung läuft.

Die Suchfunktion

Nachdem Youtube zum Suchmaschinengiganten Google gehört, ist es nachvollziehbar, dass die Suchfunktion besonders ausgeklügelt ist. Sucht man beispielsweise nach einem Film, durchsucht Youtube TV alle Sender und speichert jene Ausstrahlung in der Cloud, die zeitlich am nächsten liegt — egal auf welchem Sender der gesuchte Film läuft. Gesucht werden kann auch nach Genre, Show oder nach Keywörtern. 
Sucht man nach einem Lieblingsschauspieler, zeigt die App nicht nur die neuesten Filme, Serien und Shows in denen er aufgetreten ist, sondern auch — und hier kommt die Verbindung von TV und Online-Videoplattform besonders zu tragen — die neuesten Youtube-Clips über den Filmstar.

Youtube ist bei weitem nicht der erste Dienst, der sich in der Vermählung von Online-Video und TV versucht. Hilfreich ist für Google mit Sicherheit, dass die Kriegskassa des Konzerns prall gefüllt ist und deswegen im Wettkampf um die Übertragungsrechte mithalten kann. Mit Ausnahme einiger regionaler Sport-Events können daher auch Sportübertragungen in der Cloud gespeichert werden und — egal wo man sich befindet — nachher angesehen werden.

Hat Youtube mit dem neuen Dienst alle rechtlichen Probleme, die bei so einem umfangreichen Service entstehen, also gelöst?

Mitnichten — deswegen startet Youtube TV auch nur in ausgewählten US-TV-Märkten wo möglichst viele Übertragungsrechte gesichert sind. Aber die Videoplattform ist so gut positioniert, wie nur wenige, um einen erfolgreichen Onlinevideo+TV-Dienst zu etablieren.


Trump und die Medien

Karikatur: DonkeyHotey (CC BY-SA 2.0)

Zum Thema der Beziehung von Donald Trump und den Medien wurde bereits viel geschrieben, aber wenig so umfangreich, detailliert und mit so viel Liebe wie diese Woche im “New York Times Magazine”. Jonathan Mahler beschreibt darin die symbiotische Beziehung von Jeff Zucker, derzeitiger Chef von CNN, und Donald Trump. Zucker war NBC-Chef, als Trump mit der NBC-Sendung “The Apprentice” einen Quotenerfolg nach dem anderen lieferte. Heute kritisiert Trump den Nachrichtensender, den Zucker leitet, heftig:


“The Atlantic” expandiert

Die amerikanische Traditionszeitschrift “The Atlantic” gab diese Woche bekannt, im Sommer ein Büro in London zu eröffnen und erstmals international zu expandieren. Insgesamt 10 Personen sollen in der neuen Niederlassung arbeiten und die internationale Leserschaft vergrößern.

Die Expansion kommt nich aus dem Blauen: Von den 34 Millionen Unique Visitors, die die Seite monatlich besuchen, kommen rund 10 Millionen von außerhalb der Vereinigten Staaten. “The Atlantic” steht online gratis zum Lesen zur Verfügung, verkauft werden lediglich die App und eine digitale Edition des Magazins


Scoop einer Schülerzeitung

Recherchen einer Schülerzeitung haben dazu geführt, dass eine Schuldirektorin in Kansas zurücktreten musste. Die ganze Geschichte in der “New York Times”:


“Oh je, wie die Zeit vergeht”- Relaunch bei FM4

Die neue Homepage von FM4. (screenshot: fm4.orf.at)

Der ORF-Radiosender FM4 hat sich einen Relaunch gegönnt und sowohl das Aussehen der Webseite als auch der App drastisch verändert. “Mit dem FM4-Player als zentralem Element, tagesaktuellen Kurzmeldungen, der Einbindung von Social-Media-Services und großen, ausführlich recherchierten Artikeln gehen wir flexibel auf die unterschiedlichen Bedürfnisse unserer Userinnen und User ein”, meint ORF-Radiodirektorin und FM4-Senderchefin Monika Eigensperger.

Ansonsten geben sich Eigensperger und ORF-Plattform-Manager Manola ein Stelldichein im Presseaussendungs-Bullshit-Bingo. Ein Best-of in Kurzform:

„Oh je, wie die Zeit vergeht. Ich kann mich noch lebhaft an die Geburtswehen der ersten fm4.ORF.at-Seite erinnern, und jetzt ist die neue da, im eleganten Kaiserschnitt ganz ohne Komplikationen. Und die dazugehörige mobile App ist nicht mehr eine App zum Radioprogramm. Sie ist Radio in einem neuen Aggregatzustand.”


Red Bull verleiht Fakten

Foto: reynermedia(CC BY 2.0)

Neues aus dem Hause Red Bull: Nachdem zuletzt aus dem Red Bull Medienhaus eher negative Nachrichten (wie z.B. die Einstellung des “Seitenblicke”-Magazins) drangen, will Red-Bull-Eigentümer Dietrich Mateschitz nun ein neues journalistisches Projekt auf die Beine stellen.

Seine gemeinnützige “Quo Vadis Veritas”-Privatstiftung unterstütze eine neue “journalistische Organisation”, die “ein vollständigeres Bild der Wirklichkeit schaffen” soll, sagte er der “Kleinen Zeitung” am Wochenende.

Welche Wirklichkeit das sei, sagte er gleich dazu. Er, so der Milliardär mit einem eigenen Fernsehsender und zahlreichen Magazinen, “widersetze sich jedem Meinungsdiktat.”

An der derzeitigen Politik störe ihn “das unverzeihliche Ausmaß der politischen Fehleinschätzungen und Fehlentscheidungen bei der Nichtbewältigung der Flüchtlingswelle oder, besser gesagt, der Auswanderungswelle. Ich glaube nicht, dass es ein klarer Ausdruck politischen Willens war, die Grenzen unkontrolliert offen zu lassen. Man hat aus Angst und politischer Opportunität so entschieden. Schon damals war für jedermann erkennbar, dass der Großteil der Menschen nicht der Definition des Flüchtlings entsprach. Jedenfalls nicht der der Genfer Konvention.”

Was Mateschitz unter Fakten versteht:

“Ich rede über Fakten, und ich rede über Scheinheiligkeiten. Ich rede darüber, dass keiner von denen, die „Willkommen“ oder „Wir schaffen das“ gerufen haben, sein Gästezimmer frei gemacht oder in seinem Garten ein Zelt stehen hat, in dem fünf Auswanderer wohnen können.”

Das rief natürlich Reaktionen hervor:

Wie dem auch sei, beim Projekt dabei sind:

  • Michael Fleischhacker (ehemaliger Presse-, NZZ.at-Chefredakteur und Moderator bei Servus TV) baut die Redaktion auf
  • Niko Alm (ehemaliger Abgeordneter der Neos) ist fürs kaufmännische zuständig
  • Rainer Fleckl (ehemaliger Redakteur beim Magazin “News”, davor Servus TV und “Kurier”)
  • Anna Schneider (ehemalige Referentin der Neos für Verfassungsrecht)
  • Judith Denkmayr (zuvor bei Vice)

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Veröffentlicht am 9.4.2017

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