“Das Digitale selbst ist gar kein Thema mehr…” Über den ORBANISM SPACE 2017

Was haben die Musikerin und Autorin Judith Holofernes, der Straßenrapper Xatar und Netz-Theoretiker Sascha Lobo gemeinsam? Sie alle waren bereits zu Gast im ORBANISM SPACE, der jetzt zum dritten Mal auf der Frankfurter Buchmesse (11.-15.Oktober 2017) statt findet. Es ist der „Digitaltreffpunkt der Content-Branche“ wie ihn die Veranstalter Leander Wattig (lw) und Christiane Frohmann (cf) nennen. Im Interview erzählen die beiden Berliner Netzwerker was sie mit dem ORBANISM SPACE 2017 vorhaben.

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1. Bis Oktober ist es noch ein bisschen hin — aber habt Ihr schon ein paar neue Namen oder Themen für den ORBANISM SPACE?

lw: Wir beschäftigen uns bei ORBANISM intensiv damit, was gute und zukunftsfähige Events ausmacht. Der ORBANISM SPACE ist die praktische und sichtbare Plattform dafür. Unser Ziel ist es, Medienschaffende mit einer starken Stimme und Digital-Content-Unternehmen auf die Messe zu holen. Und sie dort in Kontakt mit der Buchbranche zu bringen sowie zugleich digitalen Initiativen im Publishing eine Bühne zu bieten. Außerdem möchten wir auch mal andere Formate ausprobieren als die klassischen. Der ORBANISM SPACE ist also eine Art Labor für zukünftige Messestände, der an den Fachbesuchertagen auf Begegnung und Matchmaking setzt und an den Publikumstagen Erlebnisräume schafft. Mit diesem Ansatz haben wir seit dem Start 2015 schon einiges an Inspiration bieten können und auch dieses Jahr sind bereits tolle Leute an Bord. So kommen unter anderem das Business-Netzwerk LinkedIn und die Virtual-Reality-Agentur IntoVR. Wir werden Speaker wie den #keingeldfuerrechts-Initiator Gerald Hensel, den „Elektrischen Reporter“ Mario Sixtus und den Social-Data-Spezialisten und ehemaligen Chief Scientist von Amazon, Andreas Weigend, begrüßen können. Wir setzen die unterschiedlichsten Formate vom BarCamp übers Bloggertreffen (Carlsen Verlag) bis hin zu AMA um. Es ist ja auch noch etwas Zeit bis Oktober. Wir freuen uns jetzt über Vorschläge für interessante Veranstaltungen. Sprechen Sie uns sehr gern an.

cf: Dieses Jahr ziehen wir mit unseren Gästen zudem auch eine Art Digitalisierungs-Zwischenbilanz: Was ist vom Hype geblieben? Welche Ängste haben sich bewahrheitet? Wie stellt man sich mit den bislang gemachten Erfahrungen vernünftig auf? Wie balanciert man Business und gesellschaftliche Verantwortung aus? Und ganz wichtig: Wie erhält man sich den Spaß am Schreiben, Verlegen und Lesen? Deshalb haben wir ein Motto von Voltaire übernommen: »Laissez lire, et laissez danser.« Lasst uns lesen und tanzen.

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2. Ihr seid mitten auf der Frankfurter Buchmesse: Alles dreht sich ums Publizieren, um Inhalte, um Stories — welchen Platz nimmt da euer Digitaltreffpunkt ein?

cf: Bei uns geht es genauso ums Publizieren, um Inhalte, um Stories, nur denken wir eben genuin digital, was inzwischen eigentlich schon postdigital heißt — das Digitale selbst ist gar kein Thema mehr. Trotzdem gehört es irgendwie zur Jobbeschreibung der meisten Menschen, die zu uns kommen, deshalb hat das mit dem Digitaltreffpunkt weiter seine Richtigkeit. Das wahre Dauerthema des ORBANISM SPACE aber sind die Menschen und Begegnungen im Publishing.

lw: Was Christiane sagt. Das Digitale ist implizit und verschwindet sozusagen umso mehr, je präsenter es wird. Was aber nicht verschwindet, sind gute Geschichten. Hier ärgert mich, dass es überall im digitalen Raum mittlerweile um Storytelling geht, die Buchbranche aber nach wie vor so wenig präsent ist. Dabei steht sie doch klassisch für gute Geschichten, die es nun eben über die Bücher hinaus zu erzählen gilt. Umso mehr eine Motivation, Schnittstellen wie den ORBANISM SPACE zu schaffen und dort viel Herzblut hineinzustecken.

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3. Eine ideale ORBANISM-SPACE-Situation auf der Frankfurter Buchmesse wäre…

cf: Es glitzert, funkelt, klingt, fühlt sich ungewohnt, aber irgendwie gut an, und wenn es vorbei ist, hat man neue Leute kennengelernt, neue Erfahrungen gemacht und neue Zusammenhänge erkannt.

lw: Wir bewegen uns bei ORBANISM durch die seit jeher große Breite der Tätigkeiten und Kontakte in den unterschiedlichsten Themen-Zirkeln und das passt ja gut zur Frankfurter Buchmesse, die ebenfalls Plattform für ganz unterschiedliche Communitys ist. Ich freue mich vor allem immer über die Momente, wenn Leute aus getrennten Bereichen in echten Kontakt kommen, der mehr ist als “Hi” und Visitenkarte. Über die Jahre sind aus solchen Begegnungen immer die spannendsten Projekte entstanden.

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4. Eine schreckliche ORBANISM-SPACE-Situation auf der Frankfurter Buchmesse wäre…

cf: Wenn Menschen sagen würden: »Das ist ja genau wie …«

lw: Ja, der ORBANISM SPACE ist Experimentierraum. Ich fände es nicht gut, wenn niemand meckern würde, weil wir dann nicht mutig genug gewesen wären.

5. Drei Gründe, warum jeder Buchmesse-Teilnehmer mal bei euch vorbeischauen sollte?

cf: Gute Atmosphäre, gutes WLAN, gute Menschen.

lw: Tolle Leute, Handy laden und Netz haben, kaltes Bier.

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Vielen Dank für das Interview!

(Das Interview führte Frank Krings, PR Manager der Frankfurter Buchmesse.)