Die goldene Regel für ein gutes Video

Bis 2020 werden laut Cisco 82 Prozent des gesamten Internet-Traffics Video sein. Diese Zahl zeigt, wie sehr Bewegtbild in unserem Alltag an Bedeutung gewinnt. Doch was macht ein gutes Video aus? Wir haben unseren Experten Peter Kasza gefragt.

Keine Frage: Video wird immer wichtiger. Auch im Bereich Content Marketing spielt Bewegtbild seit Jahren eine zentrale Rolle, da kaum ein anderes Format Geschichten so emotional und authentisch vermitteln kann.

Dass C3 in Sachen Video Content Experte ist, hat sich zuletzt bei den US-amerikanischen Videographer Awards gezeigt. Dort räumten wir mit drei Produktionen gleich sechs Preise ab: Breuninger Fashion gewann mit einem Portrait vom Fotografen Jim Krantz zwei Awards of Excellence, ebenso wie Sennheiser mit dem Portrait von Sängerin Ella Eyre. Auch in der Gewinnerriege war MAN mit dem Video MAN in the Ice — Glacier Tours in Iceland, das zwei Awards of Distinction erhielt.

Doch welches Erfolgsrezept steckt hinter den Gewinnervideos? Unser Director Visual Lab verrät die goldene Regel für ein gutes Video — und was sie für unsere Arbeit bedeutet…

Peter Kasza, C3 Director Visual Lab

Video ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken: Wir gucken auf dem Weg zur Arbeit eine Folge „Game of Thrones“, unsere Timeline ist gespickt mit Film, auf News-Seiten gilt die Devise: Kein Artikel ohne Video.

Doch gerade auf dem Bewegtbild-Höhepunkt breakt der Reuters Digital News Report unsere lustige Video-Hype-Party und stellt nüchtern fest: Auf News-Seiten verbringen User 97,5 Prozent ihrer Zeit mit Texten und nur 2,5 Prozent mit Videos. Irgendwie passt das gar nicht ins Bild — und irgendwie doch. Denn wer einmal in den Genuss einer vom Praktikanten erstellten Foto-Slideshow gekommen ist, die reichlich selbstbewusst als Video verkauft wird, weiß, wieso: Es ist unprofessionell, es ist langweilig und Text und Bild passen in der Regel nicht zusammen. Das Video wird oft nur produziert, um eine Pre-Roll davor schalten zu können, die auch niemanden interessiert. Netter Kreislauf eigentlich.

Was aber macht ein Video zu einem guten Video? Wie kann es aus der Fülle von Videos herausstechen? Dazu gibt es eine einzige goldene Regel, die man sich im wahrsten Sinne des Wortes immer wieder vor Augen halten sollte: Video ist ein visuelles Medium. Klingt nach Binsenweisheit, hat aber einen nachhaltigen Einfluss auf unsere tägliche Arbeit:

1. Nur ein visuelles Thema ist ein Video-Thema

Mindestens 60 Prozent aller Video-Anfragen, die wir bekommen, sind keine Video-Themen, weil man sie schlichtweg nicht bebildern kann. Es gibt keine Location, es gibt kein Footage, es gibt kein Produkt — es gibt nada, nix, nothing, das man zeigen könnte. Deshalb ist die erste Frage immer: Was kann ich zeigen? Und wenn es nichts zu Zeigen gibt: Macht einen Text!

2. Bildebene rules!

Im Durchschnitt werden 80 Prozent aller Informationen in einem Video über das Bild transportiert. Der Text eines Off-Sprechers ist Beiwerk, er unterstützt die Bilder lediglich. So produzieren wir in der Regel auch: Erst schneiden wir ein Video, dann texten wir auf die Bilder. So vermeiden wir eine Text-Bild-Schere. Der Klassiker, dass wir einen fertigen Text bekommen, und es dann heißt „Schneidet mal darauf Bilder!“ ist schlicht und ergreifend: Quatsch.

Dieses Denken wird immer wichtiger. Auf Facebook laufen Videos per Autoplay — und das ohne Ton. Innerhalb von nur drei Sekunden entscheiden die User, ob sie ein Video ansehen wollen oder nicht. Was zählt sind also nichts anderes als die Bilder.

3. Video = Emotion

Die Stärke von Videos liegt im Triggern von Emotionen. Unser Gehirn kann visuelle Informationen 60.000 Mal schneller verarbeiten als Text und während wir noch den ersten Buchstaben eines Textes dekodieren, hat ein Video schon längst unsere tiefsitzenden limbischen Emotionen angesprochen. Nutzt dieses Potenzial und verwässert es nicht! Sucht bildstarke, emotionale Themen bzw. die emotionalen Aspekte eines Themas heraus und konzentriert euch darauf.

4. Video ≠ Information

88 Prozent der Menschen verstehen die gute alte Tante Tagesschau nicht. Sie ist überladen mit Informationen auf der Textebene, die man nicht bebildern kann; die Sprache ist kompliziert. Was hängen bleibt? Nicht viel. Video eignet sich nicht, um komplizierte Zusammenhänge oder abstrakte Sachverhalte zu versinnbildlichen. Darum überladet ein Video nicht mit Informationen. Keep it simple! Bei faktenreichen Themen solltet ihr euch eine emotionale Geschichte hinter den Fakten suchen. Konzentriert euch auf eine emotionale Kernaussage.

Und weil dieses Thema zwar interessant ist, aber mit Fakten gespickt, wird es in einem Blogpost behandelt, nicht in einem Vlogpost. Denn dieser Beitrag enthält verdammt viele Informationen. Was da hilft? Klar: Eine Infografik, bei der man viele Informationen und Zusammenhänge visuell darstellen kann. Kommt übrigens auch aus dem C3 Visual Lab.