„Einen Porno teilt auch niemand auf Facebook, egal wie toll er ihn fand.“

Warum wird Social Content geteilt? Wir haben mit C3's neuem Creative & Content Director Dirk Aschoff über das Potenzial und die notwendige Denkweise digitaler visueller Kommunikation gesprochen.

Um die Digitalisierung des Visual Lab weiter voranzutreiben, verstärkt sich C3 mit Rückkehrer Dirk Aschoff als Content & Creative Director. Er hat sich mit uns darüber unterhalten, was “Digital First” für Infografiken bedeutet und wann man auf neue technische Trends aufspringen sollte. Dabei hat er uns drei aussagekräftige Beispiele mitgebracht, entlang welcher sich die zentralen Aspekte guter (digitaler) Infografiken perfekt erklären lassen.

Identifikation ist die Voraussetzung für Social

Die Frage „Was hat das mit mir zu tun?“ entscheidet darüber, ob ein Konsument sich mit Content auseinandersetzt oder nicht. Informationen die mich nicht betreffen, schenke ich keine Beachtung. Grundlage für erfolgreichen Social Content ist, die Menschen in den Fokus zu rücken – egal bei welchem Thema.

„Was eine Infografik können muss, um abzuliefern, ist Identifikation.“

„Dieser Skill gehört zur DNA von C3.“ Das weiß Dirk noch aus seiner Zeit bei KircherBurkhardt, bevor es C3 wurde. „Der Content Marketing Ansatz, Inhalte ‘people centric’ zu gestalten, wurde hier von Beginn an gelebt”. Ein Beispiel, an das er sich noch aus seiner früheren Zeit in der Agentur erinnert, ist eine Grafik zur Finanzkrise. „Das Briefing war: Zeigen, dass Deutschland am Abgrund stand. Das Gefühl des Abgrunds entsteht aber erst, sobald auch Menschen mit der Grafik verbunden werden: In diesem Fall die Kurzarbeiter. Ohne diese Menschen würde die Identifikation fehlen, wäre die Grafik nur eine interessante 3D-Konstruktion, die nichts mit mir zu tun hätte.“

Grafik: Handelsblatt 2010, Infografiken von C3

Komm auf den Punkt!

In den sozialen Medien entscheidet ein Nutzer nach wenigen Sekunden, ob er sich mit Inhalten beschäftigt. Das bedeutet man muss direkt vermitteln, was man mit ihm vorhat. „Clickbait ist tot.“ Auch nach dem Click ist die Aufmerksamkeitsspanne begrenzt. Kaum jemand würde auf Facebook eine halbe Stunde lesen. Diese Faktoren müssen in der Content Strategie bedacht werden. Ziel ist die Konzentration auf eine Aussage. Ein Skill den Aschoff bei der BILD lernen musste: „Boulevard bedeutet auf den Punkt zu kommen.“

So hat zum Beispiel die Bild Redation zum 15-jährigen Jahrestag der Terroranschläge des 11. September, umfassende Reportagen mit hohem Aufwand produziert. Begleitend wollte auch die Grafikabteilung etwas beisteuern. Was könnte der eine Punkt sein, der die Leser interessiert? Die Frage: Kann sich eigentlich noch jemand erinnern, was in welcher Reihenfolge passiert ist? Grob ja – aber der Rest verschwimmt in Schock und Entsetzen. Deswegen entstand ein sachliches Video zum Ablauf – mit über 900k Views und über 3000 Shares.

Crossmediale Produktion beginnt mit dem inhaltlichen Konzept

In Print nehmen sich Menschen auch mal Zeit für eine Doppelseite. Hier ist die Zielgruppe aber spitzer und die Leser haben sich entschieden: Jetzt lese ich diese Zeitung. Im Internet muss man zwischen vielen Reizen im Newsstream mit den eigenen Inhalten auffallen. Und: Es gilt den Nutzerinnen und Nutzern auf Augenhöhe zu begegnen und sie nicht zu belehren.

“Warum teilen Menschen etwas? Einen Porno teilt auch niemand auf Facebook, egal wie toll er ihn fand.“

Die erweiterten Reaktionen auf Facebook spiegeln die zentralen Share-Motive sehr gut wieder. „Mit dem was man liked und teilt sagt man etwas über sich selbst aus“. Mitgefühl, Humor, Erstaunen – das sind Gefühle, mit denen man selbst gern in Verbindung gebracht wird.

Der User macht außer Scrollen nichts mit Sicherheit

Inhalte müssen in kleinen Portionen gedacht und produziert werden. Strategie, Konzept und Produktion können nicht getrennt geschehen. Hier ist Dirk bei den Recherchen nach seiner Rückkehr auf eine C3-Grafik gestoßen, die in seiner Abwesenheit im Berliner Visual Lab für die Bundeswehr entstanden ist.

Grafik: Y/C3 Visual Lab
Grafik: Y/C3 Visual Lab

„Auf die Idee wäre ich bei der BILD auch gern gekommen“, sagt er. Das Thema ist Schlaflosigkeit. Ein Problem, das fast jeder in irgendeiner Form kennt. Zielgruppe: Alle. Zudem hat das visuelle Konzept bereits einen herausragenden Vorteil: Es kann ohne Probleme in kleine Portionen verpackt und einzeln ausgespielt werden. Ideal für das Internet und speziell Social Media. Diese Denkweise ist essenziell für erfolgreichen Online-Content. Bereits beim Konzept entscheidet sich, ob der Inhalt später auf verschiedenen Plattformen und Medien funktionieren wird. Das erleichtert die crossmediale Distribution im Anschluss enorm.

Wohin bringen uns VR und andere neue Technologien?

Ziel einer Infografik ist, Informationen und Zusammenhänge zu visualisieren. Die zu Grunde liegenden Daten müssen durch die Darstellung veranschaulicht und verständlich gemacht werden und das trifft auf neue sowie alte Technologien zu. Ganz besonders für neue Technologien wie Virtual Reality gilt aber:

“Es reicht nicht, es geil zu finden!“

Der Konsument muss eine Motivation haben, sich eine VR-Brille aufzusetzen. “Die Gesellschaft ist nicht so weit, dass sich jemand in der U-Bahn mit seiner VR Brille zum Affen macht, wenn er für andere sinnlos umherschaut und mit den Armen fuchtelt. C3 ist technisch und personell bereit, solche Inhalte zu liefern, aber Grundlage ist eine tragfähige und relevante Story.”

Wir freuen uns jedenfalls sehr, dass Dirk zurück bei C3 ist und bedanken uns an dieser Stelle herzlich für das umfassende Gespräch.

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