Visual Micro Content — Die digitale Antwort auf den TV-Spot

Visueller, mobiler, interaktiver: Diese drei großen Wegweiser werden das Internet in den kommenden Jahren zunehmend prägen. Ob Marken in diesem Web langfristig erfolgreich sind, hängt davon ab, wie gut sie den „Visual Content Turn“ meistern — weg von 30-Sekunden-Spots, hin zu vielen kleinen, informativen Formaten, sogenannten „Visual Micro Contents“ (VMC). Wie diese VMCs aussehen können und welche Tipps man beim Erstellen beachten sollte, erklärt Christina Ackermann, Head of Visual Strategies bei C3, im t3n Magazin.

Ihr Beitrag in Auszügen. Der vollständige Artikel wird Ende März hier veröffentlicht.


Das Hirn braucht Bilder. Die Hirnforschung weiß: 90% der Informationen, die das Gehirn verarbeitet, sind visueller Natur. Es verarbeitet Bilder etwa 60.000 Mal schneller als Text. Infografiken sind neben Videos das beliebteste Mittel, um die Aufmerksamkeit von Menschen auf Themen zu lenken. Angesichts der sehr kurzen Aufmerksamkeitsspanne im Netz taugen sie am besten dazu, Botschaften Gehör zu verschaffen.

Ab ins Social Web mit Visual Micro Content

Content Marketing arbeitet seit Jahren mit Infografiken; mit komplexen Schaubildern, die die Funktionsweise des eigenen Unternehmens, einer Blumenwiese oder einer Dampfmaschine erklären. Nicht nur im Print, auch online nutzen Marken längst umfangreiche interaktive Tools, um Daten oder Fakten zu veranschaulichen. Doch was bringt die schönste grafische Spielerei, wenn sie niemand findet? Denn: Wer treibt sich schon regelmäßig auf Unternehmenswebseiten herum?

Ein großer Teil der Markenkommunikation hat sich verlagert: weg von klassischen Werbeträgern und weg von der eigenen Webseite ­– hin ins Social Web. Nicht nur Online Marketing, auch traditionelles Advertising und die klassische Unternehmenskommunikation werden mittlerweile von digitalem Content bestimmt. YouTube, Instagram, Snapchat & Co sind das Fernsehen der Generation Y. Auf Facebook laufen täglich acht Milliarden Videos. Instagram-User posten täglich 80 Millionen Fotos. Das Wachstum des visuellen Materials im Netz ist gigantisch. Global gesehen machen Videos 64 Prozent des gesamten Traffics aus. Cisco sieht den Video-Anteil in 2019 sogar bei 80 Prozent.

Visuelle Häppchen — jederzeit und für jeden anders

Wer in die Feeds der User will, braucht also schlaues grafisches Material, an dem die Blicke beim Scrollen hängen bleiben, aber auch vielfältiges, das die speziellen Interessen und Vorlieben einzelner Usergruppen befriedigt. Die eine Markenbotschaft, die durch alle Kanäle gepresst wird, ist längst passé.


Volkswagen erklärt die verschiedenen Antriebsarten Erdgas, Vollhybrid und TSI in seinem Online-Markenmagazin.

Ein kleines Beispiel zur Veranschaulichung:

„Claudia steht an der Bushaltestelle und schlägt die Zeit mit ihrem Smartphone tot. Sie sucht schon länger nach einem Kleinwagen und hat sich im Netz schon über unterschiedliche Modelle informiert. Sie ist sich aber noch nicht sicher, ob sie ein E-Modell wählen soll oder doch lieber Hybrid — oder doch einen klassischen Benziner? Während sie auf den Bus wartet und durch ihren Facebook-Feed scrollt, bleibt sie an einer Infografik hängen: Welcher Typ bin ich? Volkswagen erklärt ihr in einem kleinen interaktiven Test die größten Unterschiede der einzelnen Antriebsarten.“

Je differenzierter die Kanäle und User-Vorlieben, desto differenzierter wird auch die Werbung. Das Ideal im datengetriebenen Content Marketing der Zukunft lautet „Always On“ — man muss viel produzieren, schnell produzieren und sämtliche Inhalte mobil optimieren. Das wird zur größten Herausforderung der Markenkommunikation. Statt einen 30-Sekünder für 100.000 Euro zu produzieren, wird es in Zukunft eher darum gehen, ein Paket aus 100 Spots für 1.000 Euro zu schnüren.

Visual Micro Content (VMC) ist daher so etwas wie die digitale Antwort auf den TV-Spot. Die kleinen, leicht verdaulichen visuellen Häppchen verteilen den Kommunikationsaufwand einer Marke auf die zersplitterten Zielgruppen und bieten jedem das, was er braucht: Hilfe in Form eines Erklärvideos, einen Sinnspruch zur Erheiterung, einen Info-Snack als Vorschau auf die große interaktive Infografik.

Zu Neujahr 2016 (dem „Jahr des Affen“) gratulierte Oreo den Fans mit einem Animated GIF. Ergebnis: 40.000 Views, 300 Likes, 24 Shares

Fazit: Vielfältige visuelle Formate mit hoher Reichweite

Immer mehr Unternehmen investieren in Content Marketing und produzieren vielfältige visuelle Formate für die sozialen Medien. Um in dieser Flut von Inhalten nicht unterzugehen und, sollten Marken ihre Visual Micro Contents nicht ins Blaue hinein erstellen. Eine gelungene Content-Strategie passt sämtliche Inhalte auf Zielgruppenbedürfnisse, die eigenen Kommunikationsziele und die Bedingungen der unterschiedlichen Kanäle an. Wer genügend Energie und Kreativität in die Optimierung der Inhalte steckt, wird mit hoher organischer Reichweite belohnt und kann sich so Schritt für Schritt eine eigene Community aufbauen, sein Markenimage und seine digitale Sichtbarkeit stärken.

Über die Autorin:

Christina Ackermann studierte Illustration und Kommunikationsdesign an der HAW Hamburg. Als freiberufliche Illustratorin war sie für diverse Publikationen tätig. 2006 kam sie zur KircherBurkhardt Infografik (heute C3 Visual Lab). Seit 2010 war sie dort Abteilungsleiterin und Kreativdirektorin. Sie betreut seit 2014 als Head of Visual Strategies fokussiert New Business-Projekte mit strategischer Ausrichtung.

Dieser Artikel erschien erstmals im t3n Magazin No. 43 und wird hier ca. Ende März vollständig veröffentlicht.