Zwanzig Thesen über die FAZ

Warum Menschen die Frankfurter Allgemeine Zeitung nutzen und interessante Trivia über ein deutsches Leitmedium. Eine Glosse.

  1. Menschen abonnieren aus zwei Gründen die FAZ: Um die Aboprämie zu erhalten oder um die Nachbarn zu beeindrucken.
  2. Die erste Funktion erfüllt die FAZ meist zufriedenstellend.
  3. Menschen können ihre Informationen entweder aus der FAZ erhalten oder aber auf Google nach Artikeln aus der FAZ suchen, was meist zeiteffizienter und kostensparender ist. #lifehack
  4. Die Titelseite der FAZ bietet vor allem Informationen darüber, was am Vortag auf Twitter Thema war. Die Kommentare sind meist von Empörung getrieben.
  5. Erst 2007 hat der Wächterrat der FAZ das traditionelle Bilderverbot für die Titelseite aufgehoben.
  6. Die FAZ übt Einfluss aus. Manchmal werden ihre Artikel sogar auf Twitter geteilt.
  7. Jeder FAZ-Kommentar hat mindestens einen Menschen von sich überzeugt: Den Redakteur zur Abnahme.
  8. FAZ-Redakteure erfinden oft spannend klingende Pseudonyme wie “Jasper von Altenbockum” oder “Mathias Müller von Blumencron”, um gezielt Leser aus dem Bildungsbürgertum anzusprechen.
  9. FAZ-Redakteure mit Twitteraccount werden oft von ihren Kollegen in der Kaffeeküche gehänselt und sind Gegenstand von Spottversen, die auf Weihnachtsfeiern vorgetragen werden.
  10. Der wirkliche Zweck der FAZ ist nicht Spiel, Spaß und Spannung.
  11. Der wirkliche Zweck der FAZ ist Einfluss auf das bundespolitische Geschehen und zu verhindern, dass die WELT als Qualitätstageszeitung durchgeht.
  12. FAZ-Kommentare sind meist so geschrieben, dass sich vor allem Stefan Niggemeier leicht an ihnen empören kann und sie deshalb auf Twitter teilt.
  13. Aus diesem Grund ist der effektivste Kommentar am besten irgendwas mit Homo-Ehe oder dem gefährlichen Internet.
  14. FAZ-Autoren werden nicht in Geld, sondern in Dopamin-Schüben dank Retweets ihrer Artikel oder in Form von Schulterklopfern von einem der vier Herausgeber bezahlt.
  15. In der nicht-virtuellen Welt sind FAZ-Autoren erfolgreiche Macher mit Auto, Haus, Frau, und Kind (in dieser Reihenfolge), und brauchen Twitter nur, um nebenher beim Staffelfinale von Germany’s Next Topmodel oder beim Tatort zu kommentieren.
  16. Tweets in der nicht-virtuellen Welt heißen Leserbriefe und müssen erst von einer Kontrollinstanz namens “Leserbriefredaktion” genehmigt werden, die fast ein von Heiko Maas erdachtes Zensurinstrument sein könnte!!1einself!!
  17. Es gab schon mal eine Debatte zu einem FAZ-Kommentar, die fast so lang dauerte, wie ein halber Shitstorm.
  18. FAZ Plus, FAZ.NET, Frankfurter Allgemeine Woche verhalten sich zur gedruckten Zeitung wie der Kartoffelchip zur leeren Tüte.
  19. Funfact: Zu Zeiten, als Menschen noch gedruckte Erzeugnisse lesen mussten, musste man den Ad-Blocker im Form einer Schere noch selbst bedienen.
  20. Eines der größten Rätsel der deutschen Nachwiedervereinigungszeit bleibt, wie die FAZ noch nicht dem Kapitalismus zum Opfer fallen konnte. Vermutlich hat die Umstellung der Zeitung auf eine Vollzeitproduktion von Tweets das Überleben der Publikation gerettet.
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