Die Türen — ein brennender Kommentar

Erst waren fremde Menschen an der Schule, dann gab es Kabel in den Flurwänden, danach kamen Gerüste in die Flure, anschließend Absperrungen und seltsame Gestelle an den Decken. Laut war es auch.

Dann war erst mal zwei Wochen Ferienruhe. Und am Dienstag danach, zum Schulklingeln, betritt man den Schulflur und kommt erst mal nicht weiter. Es ist durchsichtig, hat einen Rahmen. Griffe ragen heraus. Und das überall im Gebäude. Brandschutztüren.

In den 5-Minuten-Pausen zwischen den Schulstunden ist es ruhiger im Flur geworden, das kann man wirklich hervorheben.

Aber die Staus in den Fluren, drängelnde Schülerinnen und Schüler, die zu Klassen- und Kursarbeiten rennen wollen, aber nicht können, die durch die sich wiederholende Bewegung verursachten verzweifelten, gequälten, müden und entnervten Blicke, ein runter drücken, halten und Arm ausschwenken und für andere teilweise aufhalten und so weiter und so fort und immer dieselbe Prozedur von vorne, bis man am Raum angekommen ist und sich hinsetzen kann und dann davon seine Ruhe hat und — und so weiter. Und wenn man dann noch im vorherigen Raum etwas liegen lassen hat, seien es Bücher, Jacke, Mäppchen oder ähnliches, oder in einen anderen Raum Unterricht hat und wieder zurück muss, geht es die ganze Prozedur wieder von vorne los…

Nein, ganz so dramatisch ist es nicht, ist ja nur, je nachdem, 2 bis 8 Mal täglich. 5 Tage die Woche. Mehrere Wochen im Jahr. Stärkt ja den Bizeps, also doch ganz praktisch. Wenn man schon die Beinmuskulatur durch Treppenlaufen stärkt, gehören die Arme dazu, verfeinert durch schwere Bücher. Ein „Bauch, Beine, Po“ im Schulalltag spart die Zeit daheim. Und Bauch- und Rückenmuskulatur werden ja auch gut trainiert durch Kippeln mit den ergo dynamischen Stühlen.

Und da unsere Schule eine moderne Schule ist, mit einem ganz futuristischen Neubau –wohlbemerkt mit den Gebäuden auf dem Zentralplatz abgestimmt — müssen auch gut designte Türen mit möglichst viel Glas ins Gebäude. Oftmals erfüllt Kunst ja keinen bestimmten Zweck, ganz getreu dem Motto „Ist das Kunst oder kann das weg?“.

Wo wir doch bereits über den Zweck reden: Wie der Name „Brand“- „Schutz“- „Tür(en)“ schon sagt, sollen diese Türen vor Bränden schützen. In einem Gebäude, bestehend aus Metall und Gestein, beides äußerst stark brennende Materialien. Funktionsweise: Abtrennung von verschiedenen Gebäudeabschnitten, dadurch eine Feuermaterial- und Lufttrennung. Lufttrennung bei Luft für Luft von teilweise ca. 2 cm zwischen Boden und Tür.

Noch ein Nachtrag zur Kunst: Die Türen stellen einen Gegensatz zum alten, im barocken Stil gebauten Gebäude dar. Es wird die Bildung symbolisiert, das Wissen dynamisch und veränderlich ist, nicht nur alt und vielseitig, sondern auch kalt, starr und immer gleichaussehend. Das alte, denkmalgeschützte Gebäude (wie konnte das überhaupt durchgehen, hat da jemand geschlafen?) wird langsam verdrängt durch neue Strukturen.

Im Großen und Ganzen erfüllen die Türen einen guten Zweck, der Brandprohibition (unsere Schule hat ja so oft auch gebrannt, seit sie gebaut wurde) und Modernisierung (aber normale, billige Fenster, ohne verzierte Rahmen und kleineren Segmenten gehen nicht — und verschiedene Kabel zu verlegen und neu anzustreichen). Ruhiger wird es auch in den Gängen (stimmt vollkommen!) und hygienischer wird unsere Schule dadurch allemal (weil man ja nicht die Hände benötigt um die Türgriffe ordentlich zu bedienen und man ja weiß, dass die Person, die zuletzt die Tür geöffnet hat desinfizierte Hände hat). Und auch entstehen neue Kunstflächen (die man nicht mal für Plakate benutzen darf) und gute Möglichkeiten für den Muskelaufbau, wie auch oben ausführlichst erläutert. Und die Gänge sind gut und schnell passierbar bei Schülerstaus und dank den Türen gibt es auch diesen Artikel.

Danke, oh ihr lieben Türen!

P.S.: Einen habe ich noch: Amokläufer finden die Klassenraumtür vor lauter Türen nicht und bei einem Bombenanschlag kann ja durch die Türen schnell eine große Druckwelle ihren Weg nach draußen finden, ohne etwas zu beschädigen ;)

P.P.S.: Kaum waren die Türen da, so ist eine bereits gegenüber Raum 202 kaputt gegangen, dabei fast mit herunterfliegenden Teilen Schüler/ -innen erschlagen. Aber nur fast.

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