Offener Brief an Julia Klöckner, Landesvorsitzende CDU RLP
Thema: Einführung Pfingstferien in Rheinland-Pfalz

Koblenz, im Dezember 2014

Sehr geehrte Frau Klöckner,

bevor ich zu meinem eigentlichen Anliegen komme, möchte ich mich kurz vorstellen. Ich bin Dennis Feldmann, 18 Jahre alt und besuche das Görres-Gymnasium in Koblenz. Dort besuche ich die MSS 12, schreibe also voraussichtlich im März 2016 mein Abitur.

Ich hoffe, dass Sie diesen Brief sich persönlich durchlesen und mir auch trotz Ihrer wenig verfügbaren Zeit antworten, da Sie sich sonst vermutlich der ernsthaften Problematik nicht bewusst werden könn(t)en.

Im Oktober 2014 bin ich im sozialen Netzwerk „Facebook“ auf Ihre Idee, in Rheinland-Pfalz Pfingstferien einzuführen, aufmerksam geworden. Ich habe schnell online meine Meinung dazu geäußert und Ihnen auch zugesendet. Sie möchten für Pfingstferien andere Ferien, z.B. Sommerferien kürzen. Ergo bleibt die Anzahl der Ferientage gleich, was auch gut ist. Aber haben Sie schon über die Nachteile nachgedacht? Klar, andere Bundesländer, z.B. Bayern, haben auch Pfingstferien, bei denen klappt das auch. Das heißt aber nicht, dass es bei uns auch klappt: In Deutschland ist Bildung Ländersache, 16 Bundesländer — 16 Bildungssysteme. Rheinland-Pfalz hat als einziges Bundesland kein Zentralabitur, was auch gut ist. Der Begründung der besseren Vergleichbarkeit des Bildungsstands unter den Bundesländern kann ich nicht zustimmen, da wir, wie oben erläutert, unterschiedliche Systeme haben. Bedauerlicherweise haben wir einen Lehrer(-innen)mangel, was einen hohen Stundenausfall zur Folge hat und auf marode Schulbauten möchte ich gar nicht eingehen, das ist eine Sache der Kommunen und Gelder fehlen und das Land kann nicht mehr Gelder aufgrund des Sparhaushaltes den Kommunen zur Verfügung stellen usw. und sicherlich kennen Sie auch diese Problematik. Aber unser Bundesland ist meines Erachtens in Sachen Bildung weit voran den anderen Ländern.

Dennoch haben wir Vorschriften. Vorschriften, die es verbieten, Klassen- und Kursarbeiten unmittelbar in den Stunden nach den Ferien zu schreiben. Durch Einführung einer neuen Ferienwoche ist es eine Woche zusätzlich nicht möglich, Klausuren zu schreiben. Zudem, sicherlich kennen Sie dies auch noch aus Ihrer Schulzeit, lernen Schülerinnen und Schüler ungerne in den Ferien und lassen den Schulstoff ruhen. Also muss nach den Ferien der Schulstoff zeitintensiv wiederholt werden. Klar, das ist nicht das Problem der unzähligen Lehrerinnen und Lehrer, wenn deren Schülerinnen und Schüler in den Ferien, dazu zähle auch ich, „lernfaul“ sind. Trotzdem wird der Aufwand für die Wiederholung des Stoffes betrieben und Stunden gehen verloren. Diese Stunden werden aber benötigt für den strammen Lehrplan, was zur Folge hat, dass der folgende Stoff zügig durchgegangen wird, nicht gut vertieft wird oder gar übersprungen wird. Aber ist es nicht der Sinn der Schule, für das Leben nachhaltig zu lernen? Ist das wirklich möglich, nachhaltig zu lernen durch schnell durchgegangenen Stoff? Das Motto meiner Schule lautet „Bildung wirkt. Ein Leben lang.“. Davon verspüren meine Mitschülerinnen und Mitschüler und ich nichts, wir lernen für die nächste Kursarbeit, legen die Lernmaterialien ad acta und kramen diesen unmittelbar vor dem Abitur wieder hervor, um alles neu zu büffeln. Und auch auf sich aufbauende Thematiken, beispielsweise im Fach Mathematik, werden leider zu schnell vergessen, da einfach im Unterricht nicht nachhaltig gelernt werden kann.

Klar, wir Schülerinnen und Schüler haben die „Pflicht“, nach der Schule Hausaufgaben zu machen, in der Pädagogik dazu dient, den Lernstoff zu wiederholen und zu vertiefen. In der Unter- und Mittelstufe geht das noch einigermaßen. Aber in der Oberstufe, in der teilweise 39 Schulstunden auf dem Stundenplan stehen, wovon die meisten nachmittags stattfinden und bis 17 Uhr in der Schule im Unterricht gesessen wird, ist das nicht mehr problemlos möglich. Wir sind ja auch Menschen und haben menschliche Bedürfnisse. Nach 9 Zeitstunden, bzw. Arbeitsstunden, an einem vollen Schultag möchte Mensch auch einmal ordentlich Essen, sich ausruhen und Freizeitaktivitäten und Ehrenämter wahrnehmen, sich mit seinem sozialen Umfeld treffen und die Zeit verbringen. Schlafen. Wenn aber in der Schule gesagt wird, nach den Hausaufgaben müssen wir noch mindestens 30 Minuten täglich für jedes Fach lernen (in der Oberstufe sind es nur noch bis zu 11 Fächer), ist das zeitlich möglich? Wenn ein Tag 48 Stunden hätte und Menschen quasi unerschöpflich wären, sicher. Aber bleiben wir einmal optimistisch: Wir reden hier von Menschen im jungen Alter. Wollen wir wirklich bereits im jungen Alter einer solchen Belastung ausgesetzt werden?

Und wenn dann einmal ein Stundenausfall kommt, freut man sich als Schüler(-in). Aber nicht, wenn in der Oberstufe einem bewusst wird, dass jede ausgefallene Stunde, jede Fehlstunde, eine Stunde ist, die im Lernstoff für das Abitur fehlt. Wie auch bereits geschrieben, muss dann der Stoff komprimiert werden. Auch da besteht dann nicht mehr die Option, den hastig durchgenommenen Schulstoff 100%ig zu verstehen. Lehrkräfte und die Schülerschaft ist oftmals hilfsbereit, offene Fragen zu klären, aber wenn man nach dem dritten Anlauf der Erklärung immer noch etwas nicht versteht, kommen schnell strafende Blicke auf und es wird nicht noch einmal nachgefragt. Und wenn die Eltern auch nicht weiterhelfen können und Nachhilfeunterricht zu teuer ist, bleiben schnell mal Lernlücken und das ist definitiv kontraproduktiv.

Und das kombiniert mit dem Stundenausfall aufgrund Wiederholung des vorhergehenden Unterrichtsstoffs nach den Ferien bringt mich auf die eigentliche Thematik des Briefes zurück. Obwohl effektiv die Anzahl der tatsächlichen Schultage nach Einführung von Pfingstferien Ihrer Vorstellung nach die Selbe ist, wie vorher, heißt es nicht, dass Schülerinnen und Schüler sich über diese „zusätzlichen“ Ferientage freuen. Den Stoff zu wiederholen ist nervig, der Ferien“brake“ ist nervig und vor allem der Stundenausfall durch Wiederholung ist nervig.

Auch wenn bei Ihrer Umfrage rauskommen sollte, dass die Mehrheit der an der Umfrage Teilnehmenden eine Einführung der Pfingstferien sich wünschen, überwiegen die Nachteile dem Nutzen.

Gerne lade ich Sie zu einem (ausführlichen?) Gespräch (in meine Schule) ein, gerne können wir auch Mitschülerinnen und Mitschüler, Lehrerinnen und Lehrer hinzunehmen, die auch dieselbe Problematik kennen. Auch könnten Sie, dies müsste vorher abgesprochen werden, den durchschnittlichen Alltag einer Schülerin/ eines Schülers live miterleben, indem Sie einfach einmal mitgehen.

Ich danke vorab und freue mich auf eine Antwort und eine Zusage!

Mit freundlichen Grüßen verbleibend,

Dennis Feldmann

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