Unser Sternenkind

Ich möchte Euch unseren Sohn vorstellen.

Mit diesem Text breche ich mit zwei Regeln, von denen ich häufig und gerne rede.

  1. “Sei im Internet gerne persönlich, aber niemals privat.”
  2. “Zeige niemals Fotos von Deinen kleinen Kindern. Erzähle online noch nicht mal von ihnen.”

Mit beiden Regeln breche ich heute, inspiriert und berührt durch die Aktion #1000Gummibears von Pixelaffe Torsten Schmitt, der als Papa eines Sternenkinds Euch aufruft, für das Kinderhospiz Sternentaler e.V. zu spenden.

Wir hatten ein Sternenkind. Wir hatten einen Sohn.

Ich wollte immer über ihn schreiben, jetzt - fast 14 Jahre später ist es endlich dran:

9 Tage begegneten wir unserem Sohn Elias Hahn. Dann war er wieder weg. Heute noch ist das bisweilen unfassbar. Und doch ist es so gelaufen.

Elias Hahn wurde über Nacht geboren. 08.01.2003. Plötzlich und unerwartet. 490 Gramm. 28 Zentimeter. Viel zu früh.

Aber er war da. Und lebte.

Was dann passiert, ist Elternmodus. 100 Prozent! Du gehst über vor Liebe für Dein Kind bei aller Intensivmedizin und Sorge. “Das ist mein Sohn!”

490 Gramm. Der kleinste Bürger von Essen seinerzeit. Mit Meldung beim Standesamt. Und mit Kindergeld. Nur einmal.

Am 17.01.2003 starb Elias. Er war einfach zu klein und schwach.

Uns riss es den Boden weg.

Hatten wir gerade begonnen, uns einzurichten und Pläne zu machen. Aber die Umstände waren andere.

Was wir erfahren mussten: Wenn Du einmal im Elternmodus bist, kommst Du nicht mehr raus. Die Trauer, der Schmerz und der Verlust zerriss fast unser Herz.

Was uns half: Reden. Reden. Reden. Alle Welt erfuhr von Elias, ob sie wollten oder nicht. Wir hatten einen Sohn. Wenn mich jemand fragte, ob ich Kinder habe, antwortete ich: “Ja, einen Sohn, aber der ist gestorben.” Das ist starker Tobak, aber für uns war es wichtig.

Was wir lernten?

Viele Menschen haben ähnliches erlebt.

Was wir auch lernten: Das Umfeld ist total überfordert mit einem gestorbenen Kind. Von Themawechsel, vermeintlich guten Tipps (“Vielleicht war es besser so”, “Ihr könnt ja noch ein Kind haben”) bis zu Kontaktmeidung ging die bisweilen plumpe Unbeholfenheit.

Deshalb meine Erfahrung: Eltern wollen über ihren Verlust, aber auch über die Begegnung mit ihrem Kind sprechen.

Was Ihr tun könnt?

Gebt diesen Eltern Raum. Nehmt sie in den Arm. Bekennt Eure Hilflosigkeit. Und vermeidet platte Sprüche.

Lasst SIE reden.

Sie lieben ihr Kind, auch wenn es gestorben ist.

Epilog: Heute sind wir eine glückliche Familie. Elias hat seinen Raum als eines unserer Kinder an unserer Fotowand und in unserem Herzen.

Heute stellte ich nach langer Zeit mal wieder eine Kerze auf sein Grab und eine Kerze für ihn hierhin, bei Medium. Das Bild mit dem Fussabdruck ist eines der wenigen Fotos , die wir von Elias haben.

P.S.: Wenn Du in einer ähnlichen Situation bist, ein Kind verloren hast und nicht weißt, wohin mit deinen Gefühlen: Es gibt verschiedene Angebote von betroffenen Eltern, wie “Verwaiste Eltern”, “Leben ohne Dich”- es tut gut, mit Eltern zu reden, die ähnliches erlebt haben.