Brief an meine Freundin

Ich wünsche dir das Beste für dein Leben, aber nicht, dass du glücklich bist. Denn Glück ist vergänglich und bindet dich an Sachen und Momente im Leben, die du nicht für immer behalten kannst.

Ich wünsche dir, dass du zufrieden bist, mit dir selber als Menschen und dem Leben. Auch wünsche ich dir, dass du zu schätzen weißt, die guten aber besonders auch die schlechten Tage im Leben. Und, dass du stark bist, unter den erdrückenden Gewichten des Lebens.

Aber vor allem wünsche ich dir das Leben. Zu leben. Zu lieben. Zu fühlen.

Um da zu sein und fern zu bleiben. Um froh zu sein und auch zu weinen. Um Mensch zu sein und dem gerecht zu bleiben. Indem du lernst auch Schwäche zu zeigen und dennoch mit Stärke zu greifen.

Nach dem Leben. Also, nach dem Sinn. Denn es geht nicht darum, was ich tue, wer ich bin, woher ich komme, wohin ich gehe. Es geht darum, dass ich lebe. Das Leben ist. Der Sinn.

Also schau hin und such deinen Weg. Der dich dann leitet soweit es geht. Doch bringt er dich nicht ans Ziel, mehr bringt er dich ins Spiel. Darin spielst du dann eine Figur, die aussichtslos scheint in vielerlei Tour. Denn in diesem Spiel gibt es Erwartungen und diese gilt es zu erfüllen.

Zumindest wird dir das so eingetrichtert, denn eins wissen die anderen Leute ganz sicher. Was du willst, was du brauchst, vor allem aber wie du leben sollst.

Und du akzeptierst es und verinnerlichst es. So ist es. Nun lebt die Hauptfigur das Leben, wiedergespiegelt aus den Erwartungen der Nebenfiguren.

Doch kommt man irgendwann an einen Punkt des Wegs, an dem man plötzlich erkennt, wohin es geht. Und sieht, dies ist nicht, die Richtung die dem entspricht, was man mit sich verbindet und in was man sich wohl befindet.

Und dann wird realisiert, dass die Realität nicht viel Reelles verrät.

Dass sie voll ist mit Lügen, die uns andere erzählten. Aber vielmehr, die wir uns selber einredeten. Weil uns der Mut fehlte, dazustehen und uns einzugestehen, dass wir die Erwartungen nicht erfüllen möchten. Dass wir die Leute zwar stolz und glücklich machen, aber vielmehr selber glücklich werden möchten.

Und es ist ok, denn das ist der Kampf, in dem wir alle gehn’. In einer Hand der Wille sich zu entfalten, in der anderen die Angst dabei quer zu landen.

Es gilt sich zu verstehen, dass der Lebensbaum hat viele Äste zu wählen. Und merkst du, das ist nicht dein Weg, dann lauf zurück und folge dem anderen Ast. Wohl bewusst, dass du hast, nichts zu verlieren, aber viel zu gewinnen. Wie dem reinen Gewissen, gefüllt mit der Sicherheit, dass man authentisch ist.

Auch wenn das Leben nicht dem entspricht, wie man es sich gezeichnet hat. Nämlich dass man einen geraden Weg geht und dieser ein Ziel, ein Ende hat.

Denn man erkennt, dass es kein Ende gibt, sondern viele Äste die zu erklimmen sind. Die aus der Wurzel ragten, mit dem Willen bis zum Himmel zu weiten. Doch dann erkannten, dass das Ziel doch dem Anfang gleichte. Und somit dann zurück wichen. Um in sich zu dringen, in die Wurzel zu blicken. Denn es schien erforderlich, dass der Baum wächst und somit erst erblickt, dass das Ziel nicht den Weg, aber der Weg dein Selbst bestimmt.

Und du zu gehen brauchst, aber nicht um deine Ziele zu erreichen.

Nein. Du sollst leben um dich zu entfalten.

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