UND SIE WURDEN VERGESSEN

ÜBER FRAUEN IM FRÜHEN CHRISTENTUM


Die letzten Tage vor dem Heiligen Abend und Weihnachten, sind Tage der Dokumentationen. Meist sind es Dinge, die mit dem Weihnachtsfest zusammenhängen. Unter anderem die Geburt Jesu Christi. So flimmern die Bilder von Jesus, den Zwölfen und seine Apostel über den Bildschirm. Mir war klar, dass Maria von Magdala die erste Apostelin war, jedoch gab es noch weitere Frauen die eine tragende Rolle im frühen Christentum spielten, mehr als die römischen Kleriker erwähnen möchten. Auf Nachfragen wird es nicht bestritten oder gar verheimlicht. Allerdings wird es auch nicht für erwähnenswert gehalten, bewusst auf die Rollen dieser Frauen hinzuweisen. Dies stimmt mich traurig und bedenklich, da das heutige Bild der Frauen wahrscheinlich in der profanen Gesellschaft und Kirchenhistorie grundsätzlich ein anderes wären und wir heute keine unsäglichen Debatten über Frauenquoten führen müssten. Eine junge Frau wie
»Jacqueline Straub« müsste nicht dafür kämpfen, ein Priesteramt zu bekleiden und die Arbeit von »Elisabeth Schüssler-Fiorenza« als feministischer Theologin, würde endlich in der Kirchenwelt Früchte tragen.

Was ich noch sagen muss ist, dass ich zwar als Protestant geboren und getauft wurde, jedoch keinerlei Religiosität in mir trage. Was nicht bedeuten soll, dass mir die Spiritualität fehlt oder ich ein Feind der Kirche bin. Wie sagte der alte Fritz so schön:

»Jeder soll nach seiner Fasson selig werden«

Mein Interesse gilt der Religionswissenschaft, ihren Schriften, die in sehr raffinierten Allegorien geschrieben sind und nicht immer das bedeuten, was sie auf den ersten Blick sagen. Sowohl ihre Auswirkungen auf die heutige Zeit und damals. Mir geht es nicht darum, Menschen zu verletzen. Ich möchte einen Anstoß geben, eventuell alte Normen und Werte mit anderen Augen zu betrachten.


PAULUS UND DER RÖMERBRIEF

Doch kommen wir zurück zum Thema. Dies war der Anstoß, mich mehr mit der Materie der Apostelinnen zu beschäftigen. Auch wenn Wikipedia oder andere digitalen Quellen Einträge über diese Frauen verfasst haben, sind diese durch ihren dünnen Informationsgehalt, durch die bewusste Verdrängung der Frau aus der Bibel, in Vergessenheit geraten. Die Bilder dieser Frauen sind keine Ikonen, sondern reale Darstellerinnen. Ikonen, wenn man sie dann findet, vermitteln selten, dass diese Menschen wirklich existiert haben.

Die Diskussion um die Rolle der Frau in der Kirche rührt nicht zuletzt aus dem Römerbrief des Apostels Paulus, in dem er explizit Frauen Grüßen lässt. Circa 1/3 um genauer zu sein. Ich möchte über vier von Ihnen schreiben, da sie tragende Rollen einnahmen und ein ganz neues Bild auf das neue Testament werfen.

LYDIA

QUELLE: ZDF

Lydia von Philippi war eine Purpurhändlerin aus Thyatira. Sie besuchte als Griechin und Nicht-Jüdin die Synagoge, um dort am Gottesdienst teilzunehmen. Sie war die erste Person und Frau, die sich auf europäischen Boden hat Taufen lassen. Ja, sie soll Paulus gerade zu genötigt haben bei Ihr zu wohnen und auch ihre Familie zu taufen. Wie die Quellen vermuten lassen, versammelte sich fortan die christliche Gemeinde in Ihrem Haus. Sie schien so wichtig zu sein, dass Paulus sie ausdrücklich im »Philipperbrief« erwähnte und die starke finanzielle Unterstützung der Gemeinde, welche Lydia zugeschrieben wurde. Sie genoss eine herausragende Stellung und zwar als Frau.

PHOEBE

QUELLE: ZDF

Phoebe stammte aus Kenchreä bei Korinth und wird fälschlicherweise als Diakonin ergo Dienerin bezeichnet, was jedoch falsch ist. Paulus selbst nennt sich Diakon, eher bedeutet es »Dienst der Verkündigung des Evangeliums«. Sie genoss das uneingeschränkte Vertrauen Petrus und reiste alleine nach Rom, um den Römerbrief zu überbringen. Dies mag der Grund sein, weshalb sie ebenfalls in dem Brief erwähnt wurde. Ihre Aufgabe war es jedoch nicht nur den Brief zu überbringen, vielmehr war sie dort, um eine theologische Aufgabe zu übernehmen, nämlich die Deutung und Botschaft des Briefes. Eine große Aufgabe die sie ausführte und zwar als Frau.

JUNIA

QUELLE: ZDF

Kirchvater »Johannes Chrysostomos« sagt über Junia:

»Ein Apostel zu sein, ist etwas Großes. Aber berühmt unter den Aposteln — bedenke, welch großes Lob das ist. Wie groß muss die Weisheit dieser Frau gewesen sein, dass sie für den Titel Apostel würdig befunden wurde«

Eine starke Aussage über eine Frau, die bis heute in der katholischen Bibel als »Junias« ausgegeben wird. Die römisch-katholische Theologin »Bernadette Brooten« veröffentlichte eine Studie, die heute als Meilenstein der Bibelforschung gilt. Sie untersuchte sämtliche griechische und lateinische Inschriften aus der Antike, in denen der Name »Junia« vorkommt und fand ungefähr fünfhundert mal diesen Namen. »Junian» hingegen, kein einziges Mal. Er existierte nicht für einen Mann in der Antike.

Woher kommt also die Transformation? Der Ursprung dieses Irrtums lag in den ältesten Abschriften der Bibel, welche zu dieser Zeit in Großbuchstaben verfasst wurden und keine Satzzeichen noch Akzente kannten. Nach dem 10. Jahrhundert wurden erstmals Kleinbuchstaben und Akzentuierungen verwendet. Zu dieser Zeit wurden immer noch Abschriften gefertigt.

Wenn man auf die letzte Silbe den Akzent »Zirkumflex« setzt, wird aus »Junia« »Junian« also ein Mann. Setzt man hingegen den Akzent »Akut«, wird aus dem Mann eine Frau, also »Junia«. Dies ist historisch belegt.
Im 14. Jahrhundert ereignete es sich, dass der Bibelkommentator
»Ägidius von Rom« aus der Apostelin einen Apostel machte, da es unvorstellbar gewesen wäre, eine Apostelin zu dem Gefolge Jesu zu erklären. Kurz vor der Reformation durch »Martin Luther«, widerfuhr die Verwandlung. Der französische Theologe »Farbers Tabulenzius« machte aus dem »Junia« den Apostel »Junias« und Luther übernahm dies. Es entstand ein wasserdichtes Alibi und die Behauptung, es gäbe nur männliche Aposteln, wurde geebnet.

MARIA

QUELLE: ZDF

Maria Magdalena oder Maria von Magdala, ist wohl die bekannteste Frau der Bibel-Geschichte, an der ein Jahrhundert währender Rufmord stattfand. Wir müssen uns vor Augen halten, dass Maria Magdalena die ERSTE Apostelin war. SIE fand das Grab Jesu leer vor. Jesu offenbarte sich IHR nach seinem Tod zuerst an und gab IHR den Verkündigungsauftrag. Zudem hatte Sie hatte Kritiker unter den Jüngern, was auf ihre ständige Anwesenheit schließen lässt, so steht es in der Bibel und die römisch-katholische Kirche widerspricht sich und der Bibel, da Jesus Meinung zu den Frauen klar definiert war.

Er nahm sie nicht nur als Menschen wahr, sondern als ernsthafte Gesprächspartnerin in einer patriarchalischen Welt. Jesus hielt den längsten Dialog in der Bibel mit einer Frau, die Zeichen sind da und wurden ignoriert. Nach der Auferstehung Jesus, ist Maria verschwunden, auch zuvor erfährt man nicht allzu viel von ihr, was von Seiten der Kirche viel Raum, zu konstruierten Geschichten, zulässt. Beispielsweise wird sie in Verbindung mit der ersten Frau »Eva, der Sünderin« in Verbindung gebracht. Der Grund, weshalb Jesus sich ihr zuerst offenbarte sei, dass sie den ersten Sündenfall Evas wieder gut machen sollte.

Weiter wird in einer Predigt 600 n. Ch. von »Papst Gregor dem Großen« behauptet, dass Maria Magdalena die Maria sei, die Jesus die Füße salbte. Allerdings war dies »Maria von Bethanien«. Zudem sollte sie auch die gleiche Maria sein, wie die stadtbekannte Sünderin aus dem Lukas Evangelium. So wurden aus Maria von Bethanien, Maria aus dem Lukas Evangelium und Maria Magdalena, DIE Maria Magdalena, die Sünderin, die Prostituierte, ganz nach der Devise aus drei mach ein. Schön einfach kann man es sich machen, was?


Mit Maria von Magdala möchte ich es beenden. Es gab noch einige mehr von ihnen. Sie waren so prägende Persönlichkeiten für das frühe Christentum, dass sie Erwähnung fanden, wenn auch nicht immer korrekt. Wenn ich selbst das betrachte, was ich herausgefunden und recherchiert habe zeigt es mir, dass das Frauenbild zu dieser Zeit, im Vergleich zu dem, welches wir heute haben, ein völlig anderes ist. Frauen waren in der Gemeinde aktiv, mobil und berufstätig. Dies belegen eindeutig historische Quellen. Sie in die klischeebehaftete traditionelle Frauenrolle zu zwängen, wäre zudem aus historischer Sicht falsch. Es gab verschiedenste Strömungen, in denen Frauen essentielle Rollen spielten. Kirchenväter entschieden diese Tatsachen zu verfälschen oder ganz zu verbannen. Die verfolgten und verbannen Schriften »Die Apokryphen« wurden wiederentdeckt, welche jedoch im römischen Ritus keine Beachtung finden.

Diese Frauen waren Begleiterinnen und Wegbereiterinnen für das frühe Christentum. Was man aus ihnen und der Lehre gemacht hat, ist das was wir heute vorfinden. Ich finde dies sehr beklemmend. Wir sollten uns die Frage stellen, was geht der katholischen Kirche ohne die Frauen verloren? Da Vielfalt und Liebe nicht aus einem homogenen Stoff besteht, so einiges!

Ich finde es verächtlich, dass wir weiterhin eine tolerante Gesellschaft vorgaukeln uns jedoch immer noch klassifizieren und uns im Grunde selbst belügen. Wenn wir endlich anfangen uns ALLE als Menschen zu betrachten, behandeln und wertschätzen zu lernen, dann, aber erst dann, hat der Tag begonnen zu einer humanen Gesellschaft.

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