„Du musst von deinem Können absolut überzeugt sein!“

Bei den Olympischen Sommerspielen 2020 werden sich die Athleten in fünf neuen Sportarten messen. Von fünf Nachwuchssportlern aus diesen Disziplin wollten wir wissen, wie sie ihre Chancen einschätzen. Den Artikel findet ihr in der ersten Ausgabe unseres Magazins (mehr zum Heft weiter unten). Eine von ihnen möchten wir euch aber hier näher vorstellen: Sophie Wachter (24) stand bereits 2014 bei der Karate-Weltmeisterschaft ganz oben auf dem Treppchen.

(Foto: Jan de Wild)

Sophie, wann hast du das letzte Holzbrett zertrümmert?

Noch nie! Karate hat absolut nichts damit zu tun. Wir schlagen weder Bretter noch irgendwelche Ziegel durch (lacht). Ich hoffe, dass wir durch die Teilnahme bei Olympia dieses und weitere Klischees über unsere Sportart endlich loswerden. Denn Karate ist vor allem eine Kampfkunst und hat nichts mit brutalen Keilereien zu tun.

Das heißt, du befürwortest es, dass Karate erstmals olympisch ist?

Ja, klar! Es ist eine große Chance, unsere Sportart auf der olympischen Bühne der internationalen Öffentlichkeit zu präsentieren. Außerdem bekommen wir eine bessere Förderung. Was mich noch etwas skeptisch macht: Zum einen wissen wir noch nicht genau, wie eine solche Förderung aussehen wird. Und zum anderen, kennen wir den Qualifikationsmodus noch nicht zu 100 Prozent. Ich weiß nur, dass die Quali über mehrere Wettbewerbe 2018/2019 laufen wird. Am Ende dürfen maximal zehn Athleten nach Tokyo fahren. Das heißt, es wird höchstens ein Starter pro Land antreten.

Wie bist du zum Karate gekommen?

Den Anstoß bekam ich durch meinen ältesten Bruder. Ich wollte ihm schon immer alles nachmachen. Mit sechs Jahren ging ich darum mit ihm zusammen in den Karateunterricht. Mit zehn Jahren folgte ich ihm in den Talentkader — die Vorstufe des Nationalkaders. Genauso übrigens wie noch zwei andere meiner Geschwister. Mein Bruder wechselte zum Thai-Boxen, doch für mich blieb Karate an erster Stelle. Deshalb zog ich von Welschneudorf, einem kleinen Dorf im Westerwald, nach Frankfurt. Dort ist der Bundesstützpunkt des deutschen Karate Verbandes, wo ich täglich mit meinen Teamkollegen unter den Augen des Bundestrainers trainiere.

Du trittst in der Disziplin Kata an. Worauf kommt es dabei an?

Bei Kata bist du komplett auf dich alleine gestellt. Es ist sozusagen die Urform des Karate und beschreibt den Kampf gegen einen imaginären Gegner. Ich führe dabei bestimmte Bewegungsabläufe auf der Kampffläche vor. Innerhalb dieser zwei Minuten musst du komplett bei dir und von deinem Können überzeugt sein — da darfst du dich weder von den Durchsagen in der Halle noch vom Applaus auf einer anderen Kampffläche ablenken lassen.

Wie hoch sind die Chancen, dass wir in drei Jahren mit dir mitfiebern dürfen?

Ich habe das klare Ziel, in Tokyo dabei zu sein. Aber die Quali wird extrem hart. Sollte ich als einzige Starterin antreten, will ich mir natürlich einen Platz auf dem Podium sichern. Dafür muss ich meine Leistung auf den Punkt abrufen und hier und da vielleicht auch noch das Quäntchen Glück haben. So wie im Finale der Weltmeisterschaften 2014 in Deutschland — wer hätte da schon gedacht, dass wir ausgerechnet die starke Konkurrenz aus Japan, dem Land des Karates, mit 3:2 schlagen? Am Ende bekamen wir die erste Goldmedaille, die es für Deutschland in dieser Disziplin jemals gab. Das war einfach unglaublich!

Text: Katharina Dickhoff


EVAU NR. 1

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