Monhttp://marketingland.com/wp-content/ml-loads/2015/01/mobile-payment-redbg-ss-1920-800x450.png

Digitales Geld — das Geld der Zukunft?

Bereits seit 2008 hat sich ein Wandel bei der Bezahlung von Dingen vollzogen. Weg von analogen und hin zum digitalen Geld. 2014 wurden sogar nur noch die Hälfte aller Einkäufe in Deutschland mit Bargeld bezahlt. Doch wieso sollten wir in Zukunft nur noch digital bezahlen? Das digitale Bezahlen ist ein Angriff auf unsere Sparkultur. Das oft ältere Menschen oder Kinder ihr Geld in Sparschweinen und Einmachgläsern daheim auf dem Fenstersims lagern ist nicht im Sinne des Staates, der Wirtschaft und der Banken. Denn dieses Geld kann nicht ausgegeben, verzinnst, versteuert etc. werde. Grund für diese Sparmethoden und den Boom neuer digitaler Währungen wie Bitcoin, ist dass das gesunkene Vertrauen der Menschen in das von den Zentralbanken in Umlauf gebrachte Papiergeld / Münzgeld. Durch immer häufiger auftretende Finanzkrisen wie beispielsweise in Griechenland wächst der Wunsch, nicht mehr von diesem staatlichen System abhängig zu sein. und sein eigenes Geld und Finanzsystem zu schaffen.

https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Veroeffentlichungen/Bericht_Studie/zahlungsverhalten_in_deutschland_2014.pdf?__blob=publicationFile

Zugegeben, es hört sich verlockend an digital bezahlen zu können, wenn man die Vorteilen betrachtet. Der erste und wahrscheinlich pragmatischste ist, kein Portomaie mehr mit sich herumtragen zu müssen. Besonders Münzgeld sammelt sich schnell an, wird aber kaum ausgegeben aufgrund von wenig Zeit in der Bezahlsituation an Kassen. Die Studie der Deutschen Zentralbank zeigt in ihrer Statistik über die Bezahlmethoden, dass Männer häufiger digitale Bezahlmethoden verwenden als Frauen. Warum dies so ist wird in der Studie nicht explizit erklärt. Eine Vermutung wäre, dass Männer das Mitnehmen von Bargeld als unpraktisch empfinden, da sie keine Tasche zum Transport haben ;)

Ein guter Grund das digitale Geld einzuführen ist das Stoppen von Steuerhinterziehung, Schwarzarbeit und Geldwäsche. Idealistisch gesehen, wäre es durch die Überwachung von Einnahmen und Ausgaben nicht mehr möglich, Gelder auszulagern und somit Steuern zu hinterziehen. Für jeden Menschen würde diese Kontrolle gelten, jedoch könnten gewisse Personengruppen über die möglichen Fähigkeiten oder Mittel verfügen ihre Daten zu manipulieren. Somit würde das Problem der Steuerhinterziehung weiterhin bestehen. Auch Schwarzarbeit könnte so (vorerst) ein Riegel vorgeschoben werden, würde aber als Konsequenz haben, dass z.B Schüler sich kein Taschengeld mehr durch Babysitting oder Rasenmähen bar verdienen könnten.

Viele bereits auf dem Markt existierenden Bezahlsysteme in Form von Apps, bieten neben dem Bezahlen auch eine genaue Übersicht der Einnahmen und Ausgaben. Somit hat man seinen wöchentliches/monatlichen Finazstatus immer im Blick und alles wird genaustens dokumentiert. Das kann dabei helfen sich ein Bild über sein Kaufverhalten zu machen und eventuelle unnötige Mehrausgaben zu unterbinden.

Besitzt man kein Bargeld, fällt es in der Situation des Einkaufens schwerer den Überblick über seine Finanzen zu behalten. Geht man mit einem 50 Euro Schein einkaufen, ist die Hemmschwelle höher, mehr als diesen auszugeben. Man setzt sich somit selbst ein Limit für seine Ausgaben. Bereits die Bezahlung per EC Karte lässt einen viel großzügiger mit seinem Geld haushalten, da der Bezug zu einem haptischen Geldbetrag fehlt. Der 50 Euro Schein ist der Tasche ist real greifbar und erfährt eine größere Wertschätzung als ein Zahlenbetrag den es an der Kasse zu überweisen gilt.

„ In einer Studie der Bundesbank gaben 33 Prozent der Befragten an grundsätzlich nur mit Bargeld zu bezahlen. Der mit Abstand wichtigste genannte Grund für die Auswahl von Bargeld als Zahlungsmittel war das „Gefühl der besseren Ausgabekontrolle.“[1]

Das liegt unter anderem daran, das Gelder unterschiedlich wahrgenommen und somit auch verwaltet werden. Unter dem Begriff „mental accounting“ wird diese Verhaltensökonomie untersucht. „Geld, welches vom Konto entnommen wird, wird als Verlust wahrgenommen. Dies resultiert unter anderem darin, dass Menschen es präferieren mehrere kleinere Geldbeträge abzuheben als einen großen.“[2] Folge von rein digitalen Zahlungsmethoden und Geldern wäre dann, dass die Wirtschaft mehr Geld auf Kosten der Verbraucher einnehmen könnte welche nur schwer mit digitalem Geld haushalten können.

Würden wir ausschließlich digital bezahlen, wäre unser Kaufverhalten für verschiedene Interessenten jederzeit nachvollziehbar.

https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Veroeffentlichungen/Bericht_Studie/zahlungsverhalten_in_deutschland_2014.pdf?__blob=publicationFile
https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Veroeffentlichungen/Bericht_Studie/zahlungsverhalten_in_deutschland_2014.pdf?__blob=publicationFile

Bereits bestehende Prämienprogramme wie Payback oder die Deutschland-Card mit denen man bei seinen Einkäufen Punkte sammeln kann arbeiten bereits mit dieser “Überwachung”. In Deutschland besitzen 15 Millionen Menschen ein Kundenkonto bei Payback. Payback führt in seinen AGB´s auf, dass Nutzern an Facebook und Twitter je nach Einkaufsgewohnheiten Werbung gezeigt werden darf. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird dies auch azf den Nutzern von zukünftigen digitalen Bezahlungsmethoden zukommen. Die ständige Nahvollziehbarkeit von Ein- und Ausgaben würden das Leben der Nutzer von digitalem Bezahlmethoden vollkommen transparent machen. Der Staat und die Anbieter dieser Bezahlsysteme könnten genaue Profile ihrer Nutzer erstellen und z.B daraus erkennen, ob man alleine oder in einer Beziehung lebt, ob man Kinder hat oder nicht, oder ob man letzte Woche etwas gegen Hämorrhoiden in der Apotheke gekauft hat.

Geht man davon aus, dass Bargeld in der Zukunft durch digitale Bezahlmethoden abgelöst sein wird, muss man sich auch mit dem Fall auseinandersetzten sollte es zu einem Cyberangriff auf die Systeme kommen. Was passiert also, wenns passiert und kein Geld mehr abgehoben oder ausgegeben werden kann? Die Folge wären panikartige Zustände in der Bevölkerung, da das digitale Geld unerreichbar in einer Datenwolke festgehalten wird, und von dort durch technische Manipulation entwendet werden kann.

Doch momentan ist das bargeldlose Bezahlen mit EC Karte oder per Smartphone noch eine Zukunftsvision. Meist akzeptieren nur die große Einzelhandelsketten digitale Bezahlmethoden, während kleine Läden wie Bäcker, Kiosk oder auch der öffentlichen Nahverkehr nur Bezahlung mit Münzgeld, bestenfalls mit Scheinen akzeptiert. Würde analoges Geld abgeschafft werden, enstände auch eine Benachteiligung dieser kleinen Einzelhändler, da sie sich nicht die technischen Mittel leisten können um digitale Bezahlmethoden anzubieten. Vor allem die Gebühren der Kreditkartenunternehmen sind ein Grund, weshalb sich viele dieser Händler dagegen sträuben. Doch nicht nur kleinere Händler hätten es schwer in der digitalen Geldgesellschaft zu bestehen. Auch bereits von Geld und Konten ausgeschlossene, obdachlose Menschen, würden bei der Einführung von digitalem Geld benachteiligt. Denn mit vorgehaltener Kreditkarte oder Smartphone App durch die Stadt laufen, wird man ihnen so kein Geld mehr spenden können.

Fazit: Ein Leben ohne Bargeld ist wird sicherlich in Zukunft möglich sein und bringt Vorteile mit sich. Allerding basieren diese Vorteile meist auf Argumenten von Bequemlichkeit und staatlichen / wirtschaflichen Interessen. Ob es das Wert ist, dafür Privatsphäre, Ausschluss von Personengruppen und persönliches Haushalten aufzugeben, ist fraglich. Ob digitales Geld genutzt wird, sollte deshalb immer eine selbstbestimmte Option dafür oder dagegen sein.

Literatur:

[1],[2]Autor unbekannt, Bargeldlose Gesellschaft / das spricht gegen ein Leben ohne Bargeld — und das dafür! Stand: 3.12.2015, URL: http://www.finanzen100.de/finanznachrichten/wirtschaft/bargeldlose-gesellschaft-das-spricht-gegen-ein-leben-ohne-bargeld-und-das-dafuer_H1976580924_223422/

Kröner, Matthias, Digitales Geld auf dem Vormarsch / Der gefährliche Traum von der Welt ohne Bargeld. Stand: 3.12.2015, URL: http://www.focus.de/finanzen/experten/kroener/digitales-geld-auf-dem-vormarsch-der-gefaehrliche-traum-von-der-welt-ohne-bargeld_id_3524888.html

Freiberger, Harald, Die Freiheit nehm’ ich dir, Stand 3.12.2015, URL: http://www.sueddeutsche.de/politik/bargeld-die-freiheit-nehm-ich-dir-1.2483423