Fragen steht frei — Antworten nicht

Als freiberuflicher Übersetzer arbeite ich regelmäßig als Subunternehmer für Übersetzungsbüros, aber das will nicht heißen, dass ich neben der Auftragsbestätigung häufig Kontakt zum Projektmanager habe. Ganz im Gegenteil, durch den gestrigen Anruf eines sehr professionellen Projektmanagers eines dänischen Übersetzungsbüros wurde mir erneut klar, wie selten Kontakt zwischen dem Übersetzer und dem Mitarbeiter besteht, was eigentlich deutlich macht, wie „verwaist“ Übersetzungsbüros sind. Sie spielen nur eine Rolle als Vermittler und alle zusätzlichen Fragen des Übersetzers sind oft zu viel verlangt.

Allerdings ist dies in sehr vielen Fällen sinnvoll oder sogar notwendig. So beispielsweise auch in diesem Fall. Der Projektmanager wollte wissen, ob wir uns richtig verstanden haben und der Endkunde mit Sicherheit erhalten hat, was er verlangt hat.

Für mich hat dieser Informationsaustausch eine entscheidende Bedeutung, um den Bedürfnissen des Endkunden zu genügen. Allerdings wurde ich in meiner gesamten Laufbahn als freiberuflicher Übersetzer (heute 10 Jahre) nur dreimal zur Verdeutlichung angerufen und auf meine Fragen per E-Mail erhalte ich ebenfalls nur sehr selten eine Antwort. Dennoch sind diese Fragen häufig von entscheidender Bedeutung. Beispiele: Will der Endkunde, dass in seiner Mitteilung die „Sie“- oder die „Du“-Form verwendet wird? Für welches Gerät ist die Softwareübersetzung? Oder — wie gestern — ist der Text für Belgien, die Niederlande oder beide bestimmt und verwende ich somit „dampkap“, „wasemafzuiging“ bzw. „afzuigkap“?

Diese Beispielfragen sollten eigentlich vom Projektmanager vor der Vergabe des Auftrags geklärt worden sein, was nach meiner Erfahrung aber noch nie der Fall war. Die meisten Projektmanager wollen den Auftrag am besten so schnell wie möglich an einen Übersetzer vergeben (häufig sogar unabhängig von der Tatsache, ob er Erfahrung mit derartigen Texten hat). Qualität ist Nebensache. Derartige Vorgehensweisen gehen mir stark gegen den Strich. Sie wollen doch, dass Ihr Kunde erhält, was er gefordert hat? Wenn Sie in einem Restaurant ein halb durchgebratenes Beefsteak bestellen, sollten Sie es als Koch auch nicht als kurz angebratenes Steak servieren, um sich der Sache schnell zu entledigen?

Els Peleman
EP Vertalingen

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