Nur ein kurzes Stück…

Viele Übersetzungen bauen auf Texten auf, die bereits vorliegen: das Produktsortiment wird erweitert oder erneuert, eine neue Broschüre mit Textbausteinen aus der vorigen Version erscheint usw.
Wenn die vorherige Fassung qualitativ in Ordnung ist, dann ist die Sache schnell erledigt und ein Preisnachlass auch gerechtfertigt. Was aber, wenn die Qualität der alten Übersetzung zu wünschen übrig lässt? In diesem Fall kommt viel mehr Arbeit auf den Übersetzer zu: korrigieren, vereinheitlichen, zusätzliche Recherchearbeit … Ein hochwertiges Endprodukt kann dann nur mit viel Aufwand entstehen, und damit sind natürlich auch Kosten verbunden.

Fehler mit Eigenleben

Wenn große Agenturen mit einer Überarbeitung oder Neuübersetzung beauftragt werden, besteht ein recht großes Risiko, dass Fehler ein gewisses Eigenleben entwickeln und den Auftraggeber sowie den Leser — was noch schlimmer ist — ständig weiterverfolgen. Denn diese Agenturen gehen davon aus, dass jeder Übersetzer ordentlich übersetzt und gute Arbeit liefert. Zu meinem großen Leidwesen — und auch zu meiner Überraschung — muss ich aber immer wieder feststellen, dass das alles andere als selbstverständlich ist. Hier einige Beispiele:
- Aus „capteur“ wird „Sender“ anstatt „Sensor“.
- Die Kuchengabel wird im Niederländischen zur „keukenvork“ (Küchengabel).
 Ganz zu schweigen von den vielen Tipp-, Grammatik- und Kommafehlern, die mir täglich begegnen.

Bei Agenturen erhalten Endkunden einen Preisnachlass für bereits übersetzte Passagen. Die freiberuflichen Übersetzer bekommen dafür gar nichts und kümmern sich daher auch nicht um mögliche Fehler im vorgegebenen Text.

Solche Praktiken –bei größeren Übersetzungsagenturen gang und gäbe — sind mir seit Jahren ein Dorn im Auge, allein schon deshalb, weil die Kunden in der Regel davon ausgehen, dass die ganze Übersetzung ihren hohen Qualitätsansprüchen genügt, und auch dafür bezahlen. Genau deshalb arbeite ich als Subunternehmer nur noch mit solchen Agenturen zusammen, bei denen auch bestehende Übersetzungen überprüft werden oder die zumindest adäquat reagieren, wenn ich die Qualität solcher Texte bemängle.

Gute Freiberufler identifizieren sich mit ihrer Arbeit

Wer direkt mit einem freiberuflichen Übersetzer zusammenarbeitet, hat solche Probleme nicht, denn im Gegensatz zu einem angestellten Projektmanager in einer Agentur identifizieren sich gute Freiberufler mit ihrer Arbeit. Für mich hat Qualität oberste Priorität; für die Geschäftsführer von Übersetzungsagenturen dagegen zählt in erster Linie der Gewinn (siehe hierzu auch meinen Blog-Eintrag „Fragen steht frei — Antworten nicht“).

Wenn ich als Freiberuflerin von einem Endkunden mit der Überarbeitung eines Textes beauftragt werden, der nicht von mir oder einem meiner Teammitglieder übersetzt wurde, gewähre ich in der Regel einen Preisnachlass in einer Höhe, die es mir und meinem Team ermöglicht, den Text zu optimieren. So ist gewährleistet, dass Sie sich um die Qualität des endgültigen Textes keine Sorgen zu machen brauchen und dass keiner Ihrer Kunden Sie darauf anspricht, wie schlecht doch die Übersetzung in seiner Sprache sei.