Rückblick auf ein Jahr voller spannender Erfahrungen

2015 ist wie im Flug vergangen. Gerade erst habe ich auf das neue Jahr angestoßen und jetzt hole ich schon wieder die Sektgläser heraus. 2015 war für mich ein ganz besonderes Jahr und umso mehr freue ich mich auf 2016.

2015 — das Jahr der sozialen Medien

2015 habe ich erstmals ernsthaft Marketing betrieben und soziale Medien genutzt. Das war gar nicht so einfach, so ganz ohne Marketingausbildung. Wie ermittelt man die Zielgruppe? Wie spricht man die Leser und die potenziellen Kunden an? Was möchten sie von mir erfahren und — natürlich — was möchte ich ihnen sagen? Ich habe viel probiert. Einiges war erfolgreich, anderes nicht. Aber genau das ist für mich an der Selbstständigkeit so attraktiv: Man fällt und steht wieder auf und ist jedes Mal um eine wichtige Erfahrung reicher.

Nachdem ich einige Newsletters mit kleineren Mitteilungen verschickt hatte, stellte ich fest, dass sich ein Weblog, kurz Blog, für meine Zwecke am besten eignet. Schließlich wollte und will ich der Welt da draußen vermitteln, was Übersetzen bedeutet, und klar machen, dass sich hinter jedem Übersetzungsbüro Übersetzer verbergen, die man auch direkt ansprechen kann. Inzwischen habe ich schon einige Blogs veröffentlicht, die — nach langem Feilen und Mühen — zum Glück gut angenommen und gelesen werden. Und auch mein Internetauftritt machte Fortschritte. Die Mission war klar:

An die Leser denken und ihre Sprache sprechen

Das gilt für mich und meine Marketingaktivitäten und ist gleichzeitig meine Botschaft für die Leser. Wenn man die Zielpersonen verstehen möchte, muss man ihnen zuhören, muss man mit ihnen und zu ihnen sprechen. Deshalb habe ich 2015 auch an allen möglichen Networking-Events teilgenommen: an ViaVia im Golfclub Witbos, am Open Coffee Herentals und an den Antwerp Netwerkmeetings. Dabei habe ich festgestellt, dass das Bild, das Außenstehende sich von der Übersetzerwelt machen, nur wenig mit der Realität zu tun hat. Kein einziger meiner Gesprächspartner hatte je daran gedacht, dass Übersetzen viel mehr bedeutet, als nur Wörter von eine Sprache in eine andere zu übertragen (natürlich ohne Google Übersetzer). Meine Botschaft kam dort also an, aber hatte ich wirklich meine Zielgruppe gefunden? Waren das Menschen, die auch Übersetzungen brauchten? Leider war das nur bedingt der Fall. Den größten Auftrag über diesen Kanal erhielt ich von einem Zulieferer eines meiner Netzwerkkontakte.

Die Fachmesse De Communicatieplaneet erwies sich für mich als das bessere Sprungbrett. 2015 fand die Messe erstmals in der Region Kempen statt. Eingeladen waren lauter Fachleute für Kommunikation: Marketingleiter, Kommunikationsmitarbeiter usw. Genau diese Menschen wollte ich erreichen, sie konnten mit meiner Botschaft etwas anfangen. Ihre Fragen waren gezielt und auf dieser Grundlage entstand ein neuer Blog. So kam eines zum anderen.

Meine Blogs werden auch von Übersetzerkollegen eifrig in den sozialen Medien geteilt und haben so auch deren potenzielle Kunden erreicht. Es mag komisch klingen, aber Freiberufler sind in der Regel sehr dankbar, wenn ein positiver Artikel über ihre Tätigkeit erscheint. Schließlich ziehen wir alle am gleichen Strang und möchten wir alle der Welt klarmachen, dass Übersetzen eine zeitraubende Arbeit ist, die gewisse Fähigkeiten erfordert, und dass Übersetzer auch Unternehmer sind, die — abgesehen von allen vorgeschriebenen Randaktivitäten — in erster Linie ihren Lebensunterhalt verdienen müssen.

Ratschläge, Tipps und Hilfe von Kollegen sind deshalb immer willkommen, denn jeder hat andere Erfahrungen gemacht und alle können daraus lernen. Durch diesen Austausch von Wissen und die Bündelung unserer Kräfte sind wir heute stärker denn je, und das ist auch den sozialen Medien zu verdanken. Auch in diesem Jahr habe ich so wieder viel von meinen Kollegen in der Facebook-Gruppe GentVertaalt gelernt, nicht zuletzt bei den zahlreichen Netzwerkevents, die von den Mitgliedern organisiert werden. Der Höhepunkt war — genau wie 2014 — die jährliche Veranstaltung, die dieses Mal einen ganz besonderen Namen trug: die Unconference. Solche Treffen zeigen überdeutlich, dass wir einander brauchen, um gemeinsam ein noch höheres Niveau zu erreichen. Was ich aus dieser Konferenz mitgenommen habe?

- die Bedeutung von Werbegeschenken für alle Ansprechpartner innerhalb eines Unternehmens
- Dragon Naturally Speaking (Spracherkennungssoftware, die auf der Technologie von Lernhaut und Hauspie basiert)
- maschinelle Übersetzungen sind keine Gefahr für den Übersetzerberuf, können aber vielleicht in der Zukunft einen Mehrwert bieten
- Tweetdesk: eine übersichtliche Art, Twitter-Mitteilungen zu verfolgen
- und Vieles mehr

Solche Kanäle sind tatsächlich ein hervorragendes Mittel, Geld in die Kasse zu bringen, denn viele Übersetzer vermitteln über die sozialen Medien Aufträge.

2015 war, was die sozialen Medien angeht, eine echte Offenbarung, denn auch über LinkedIn habe ich neue Kunden gewonnen.

Die Aussichten für 2016?

Für 2016 habe ich mir vorgenommen, mich noch stärker auf meine Sprachkombinationen zu konzentrieren, also Übersetzungen ins Niederländische. In puncto Marketing ist das eine große Herausforderung, denn die meisten Unternehmen, die Übersetzungen ins Niederländische brauchen, sind im Ausland ansässig. Dass 90 % meiner Übersetzungsaufträge ins Niederländische von Agenturen und Unternehmen im Ausland stammen, hat schon seine Gründe. Der Maschinenbau in Deutschland ist für meine Aktivitäten am wichtigsten, denn technische Übersetzungen sind mein Spezialgebiet. Aber auch Unternehmen aus Frankreich und der Schweiz klopfen mit verschiedenen Marketingtexten bei mir an. So stammt die niederländische Version von Axa Born to Protect beispielsweise aus meiner Feder und auch den neuen Thuasne-Katalog für orthopädische Hilfsmittel habe ich ins Niederländische übersetzt. Und wer seinen Kindern in einer belgischen Quick-Filiale eine MagicBox spendiert, findet darin wahrscheinlich niederländische Ausgaben der Aktivitätsbücher zur Fernsehserie Foot 2 Rue Extrême.

Um die betreffenden Länder und die international aktiven Unternehmen erreichen zu können, muss ich anders mit den sozialen Medien umgehen und in mehreren Sprachen präsent sein. Wie aber erreiche ich Unternehmen in Ländern, mit denen ich eigentlich nichts zu tun habe, und solche, bei denen ich nicht über Netzwerke ermitteln kann, wer mich braucht? Die Antwort ist ganz einfach: mit der Methode „Versuch und Irrtum“, genau wie 2015.

Auch in diesem Jahr werde ich also wieder bloggen, Newsletter verschicken und natürlich netzwerken in Belgien, denn wer weiß, vielleicht braucht ja ein Zulieferer im Ausland eine Übersetzung und dann ist mein Name im Spiel.

Abgesehen von der Kundenwerbung ist natürlich — wie bei jedem Unternehmer — auch die Qualitätssicherung ein wichtiges Thema.

- Wie kann ich meine Produktivität verbessern?
- Wie kann ich den Fehleranteil verringern?
- Wie finde ich die richtigen Partner für Übersetzungen außerhalb meiner Fachgebiete und Sprachkombinationen?

Was Punkt 1 betrifft, habe ich Ende 2015 bereits eine Investition getätigt und Dragon Naturally Speaking erworben, eine Spracherkennungssoftware, mit der ich niederländische Übersetzungen und E-Mails diktieren kann — schließlich geht Sprechen schneller als Tippen.

Punkt 2 umfasst mehrere Maßnahmen. Zum einen bemerke ich schon jetzt, dass sich der Blickwinkel verändert, wenn man einen diktierten Text durchliest. So können mehr und andere Fehler gefunden werden. Mit der Spracherkennungssoftware lassen sich also zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Außerdem bin ich dabei, neue Partnerschaften für Übersetzungen in anderen Sprachkombinationen zu bilden. Die ersten — für Niederländisch-Deutsch, Niederländisch-Französisch und Englisch-Niederländisch — sind 2015 schon zustande gekommen. Natürlich sind diese Partnerschaften ausbaufähig, je nachdem, was die Zukunft bringt. Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass ein Tandem aus zwei Muttersprachlern Vor- und Nachteile hat. Der Fokus liegt natürlich auf der Zielsprache, aber es besteht die Gefahr, dass beide eine bestimmte Konstruktion in der Ausgangssprache nicht richtig verstehen und es deshalb zu feinen Unterschieden kommt. Genau aus diesem Grund habe ich auch als Niederländisch-Muttersprachlerin Übersetzungen ins Englische, Deutsche und Französische revidiert, um solche Probleme zu vermeiden. Problematisch ist, dass ich die Zielsprache nicht so perfekt beherrsche wie ein Muttersprachler und daher nicht erkennen kann, ob die Übersetzung auch wirklich idiomatisch ist. Bei solchen Tandems kommt es darauf an, sich an die richtige Kombination heranzutasten, bis sie für den jeweiligen Kunden genau passt. Und genau darin unterscheide ich mich von großen Übersetzungsbüros. Für die Sprachkombinationen Französisch-Niederländisch und Niederländisch-Italienisch habe ich in Elke Nuytemans die richtige Partnerin gefunden und für Deutsch-Niederländisch sowie Niederländisch-Deutsch sind zurzeit mehrere Tandems für unterschiedliche Fachgebiete im Entstehen begriffen. Eines davon hat sich erst vor Kurzem ergeben und ist das Ergebnis meines Blogs „Gesucht: freiberufliche Übersetzer (m/w)“. Eine junge Existenzgründerin hat sich daraufhin an mich gewandt und ich versuche jetzt, ihr nach und nach und soweit die Umstände es ermöglichen alle Tricks und Kniffe unseres Faches beizubringen. 2016 möchte ich das noch weiter ausbauen.

Wie schon 2015 möchte ich jungen Existenzgründern und potenziellen Freiberuflern, die noch in der Ausbildung sind, die Grundlagen dafür vermitteln, dass die Erfolgsaussichten beim Start in die Selbstständigkeit möglichst groß sind. Deshalb habe ich vor, auch über TraduGent, einer Agentur für Übersetzungspraktika, die von Studierenden der Universität Gent gegründet wurde, jungen Übersetzern die Möglichkeit zu bieten, Praxiserfahrung zu sammeln.

2016 möchte ich dabei erstmals mit zwei Kollegen aus anderen Fachrichtungen — Untertitelung und Dolmetschen — zusammenarbeiten und eine Art Infoveranstaltung für angehende Absolventen organisieren, die an einer freiberuflichen Tätigkeit interessiert sind. Nähere Infos dazu folgen demnächst.

Darüber hinaus stehen für mich noch einige Fort- und Weiterbildungen auf dem Programm, z. B. eine Auffrischung in Sachen Rechtschreibung, eine Schulung zur Produktivitätssteigerung mithilfe der Spracherkennungssoftware und evtl. auch die Anschaffung eines neuen Übersetzungsprogramms mit entsprechender Schulung.

Es gibt also viel zu tun, aber gerade die enorme Vielfalt und die Herausforderungen sind der Grund dafür, dass ich jeden Tag wieder mit viel Freude und Begeisterung an meine Arbeit gehe.