Pre-Auslandsgedanken

Viele Fragen mich ständig, was ich so kurz vor Abreise denke und fühle. Was ich vermissen werde. Ob ich meinen Koffer schon gepackt habe (was juckt dich das?), mit welcher Airline ich fliege (ähhh, RyanAir, und jetzt?) und warum ich überhaupt so ein Auslandsjahr mache (…). Ein Erklärungsversuch.

“Oh mein Gott, wie fühlst du dich?!”

Ich weiß nicht, warum Menschen so geil auf meine Gedanken sind. Ich habe gefühlt fünfhundertmal erklären müssen, wann ich fliege, warum ich fliege, mit wem ich fliege, was ich da mache, mit welchem Programm ich verreise und irgendwie auch, warum ich immer noch nicht gepackt habe. Nein verdammt, ich habe meinen Koffer immernoch nicht gepackt, weil ich logischerweise noch mit Klamotten in Deutschland rumlaufen möchte und keine verf****** Umzugskartons packe.

Doch diese Fragen, so oft sie mir auch gestellt werden, machen mich erst kurz vor Abreise nachdenklich.

Was ich vermissen werde?

Endlose Fragen von (Biodeutschen, deutschen, almans, weißen, Menschen ohne Migrationshintergrund, die sich nicht erinnern können, dass ihre Vorfahren mal eingewandert sind — such dir deine politisch korrekte Bezeichnung aus) über meine Identität, ob ich mich Deutsch oder Türkisch fühle, ob ich “auch so ein Erdogan-Fan” bin und ob ich mir mal vorstellen könne, in der Türkei zu leben.

Auch: Nationalistische Türken (Kanaken, Chabos, PoC, brown people (hahahaha), Deutsche mit türkischem Migrationshintergrund, Demokraten — such dir deine politisch korrekte Bezeichnung aus) die gesellschaftsspaltende Politik importieren und Kritik als Volksverrat (Wer ist überhaupt “ das Volk”?) ansehen und mit ihrem gebrochenen türkisch dir die supergeile, perfekte und voll gerechte Innenpolitik der Türkei erklären, deren einzige Schwachpunkte durch CIA-Manipulationen entstehen.

Außerdem: Das Einwohnermeldeamt in Köln-Chorweiler, die dein “Hallo!” mit einem “Sprechen sie deutsch?” erwidern. Hach ❤

Zudem: Der Kassierer bei DoyDoy auf der Keupstr., der ungläubig guckt, als ich sage: “Soğan olmasın abi”, weil du nicht türkisch aussiehst und aus anschließender, geistiger Verwirrung doch Zwiebeln draufpackt, weil sein Gehirn die Symbiose zwischen Sprache und Aussehen nicht erkennen kann, mich dann nach dem Kassiervorgang “Nerelisin” fragt, um dieses Phänomen erklären zu können. Dann folgen paar Witze über mein Aussehen und ein “Hiç benzemiyorsun!, hahaha”. Jaja, ha-ha, voll krass.

Was ich denke und fühle?

Ich weiß nicht was mich erwartet. Ich bin gespannt. Jetzt bin ich jedenfalls müde und irgendwie fühle ich mich mutiger.

Ein random Foto nur damit es auf Facebook besser aussieht. Aber wenn ich schon dabei bin: Das Foto sollte ursprünglich ein Aufzug-Spiegel-Selfie werden aber leider gingen die Türen auf und ich zog mein Handy schnell weg, bevor der Auslöser in Kraft trat.