„Ich habe viel im Umgang mit fremden Ländern und Menschen anderer Nationalitäten gelernt.“
Internationale Zusammenarbeit aus der Praxis.

Hofstede, Gudykunst oder Nonaka — es gibt verschiedene Modelle zur internationalen Zusammenarbeit, die nationale Unterschiede, Stereotype oder Erfolgskriterien für die gemeinsame Kommunikation thematisieren. Ich möchte neben der Theorie als Abschluss dieses Themenblocks auch die alltägliche Praxis in den Vordergrund rücken. Maximilian Pless ist seit acht Monaten in den USA tätig. In zwei Golfressorts arbeitet(e) der gelernte Koch und Kellner gemeinsam mit SüdafrikanerInnen an einem reibungslosen Ablauf für die US-amerikanischen und internationalen Gäste. Im Interview spricht er über Unterschiede zwischen den Ländern, zeigt Stereotype auf und erläutert seine persönlichen Erfolgsfaktoren.

From Austria to Miami and New Jersey: Was sind die größten Unterschiede zwischen Österreich und Amerika?
Es gibt viele Unterschiede zwischen den USA und Österreich. Vor allem das staatliche System ist anders. Damit meine ich zum Beispiel, dass die Bevölkerung zum Großteil schlecht bis gar nicht versichert ist. Man überlegt sich mindestens zweimal, ob man zum Arzt beziehungsweise ins Krankenhaus geht.
In finanzieller Hinsicht ist Amerika auf der einen Seite teurer und dann auch wieder nicht. Vergleichsweise sind das Wohnen oder die Lebensmittel, bei schlechterer Qualität wohl gemerkt, relativ teuer. Andererseits sind technische Produkte billiger. Auch die Benzinpreise sind sehr niedrig.
Ein weiterer Unterschied liegt darin, dass fast alles rund um die Uhr und 365 Tage im Jahr verfügbar ist. Egal ob Sonn-, Feiertag oder mitten in der Nacht. Du kannst immer einkaufen oder Essen gehen.
“Konsumgesellschaft” trifft auf die Amerikaner absolut zu. Es wird lieber etwas neu gekauft, anstatt etwas zu reparieren: Unser Ofen ist etwa ausgefallen. Die Hausverwaltung hat einfach einen neuen gebracht, anstatt jemanden zu schicken, der sich das Problem genauer ansieht und vielleicht behebt.
Vom Menschlichen betrachtet, finde ich die AmerikanerInnen, speziell in Florida, sehr nett. Sonst ist das Verhalten der Menschen untereinander ähnlich wie in Österreich.

Im Golfressort arbeitest du auch mit mehreren Südamerikanerinnen und Südafrikanern zusammen. Gibt es da Verständnisschwierigkeiten beziehungsweise hat es sie am Anfang gegeben?
Natürlich hat es besonders am Anfang das eine oder andere Kommunikationsproblem gegeben. Ich bin anfangs mit ein bisschen Nachsicht behandelt worden, um mir den ‘Umstieg’ zu erleichtern. Meine Vorgesetzten, Kolleginnen und Kollegen wussten, dass Englisch nicht meine Muttersprache ist, deswegen waren sie verständnisvoll bei sprachlichen Problemen. Auch für die meisten SüdafrikanerInnen ist Englisch nicht die erste Sprache, sondern Afrikaans.
Allerdings war die Umstellung nur eine Sache einiger Tage. Man hat sich schnell gut miteinander verständigt und Abläufe geklärt. Da jede und jeder mit relativ guten Englischkenntnissen nach Amerika kommt, geht das schnell.

Sind Probleme aufgrund der internationalen Unterschiede oder bestehender Stereotype aufgetreten?
Grobe Probleme nicht, nein. Allerdings muss ich sagen, dass sich mein Bild von anderen Nationalitäten durchaus geändert hat. Ich bin froh, dass ich einige Vorurteile abgelegt habe und ich glaube, dass ich viel im Umgang mit fremden Ländern und Menschen anderer Nationalitäten gelernt habe.

Mit welchen Stereotypen gegenüber Österreicherinnen und Österreichern wurdest du konfrontiert?
Im Allgemeinen waren Klischees und Vorurteile bei mir selten präsent. Allerdings merkt man, dass man als EuropäerIn (nicht spezifisch als ÖsterreicherIn) als arrogant, überheblich und reich gilt. Speziell AmerikanerInnen, aber auch SüdafrikanerInnen und SüdamerikanerInnen sehen das oft so. Man hat schon das Gefühl, sich im großen Amerika beweisen und einen guten Eindruck hinterlassen zu müssen. Auch positive Meinungen zu Europa gibt es: Von Anfang an wurde uns nachgesagt, gut gebildet und intelligent zu sein.

Interviewort: Passen zum Thema im Yankees Stadion in New York.

Was lernt man bei der internationalen Zusammenarbeit voneinander?
Durch die internationale Zusammenarbeit habe ich gelernt, dass es verschiedene Lösungsansätze, Verhaltensmuster und Ideen gibt. Man lernt mehr über andere Kulturen beziehungsweise lernt sie zu verstehen. Es macht die Arbeit interessanter, wenn viele verschiede Typen aufeinandertreffen.
Was meine fachlichen Kenntnisse und Fähigkeiten im Bereich Gastronomie und Tourismus betrifft, glaube ich nicht, dass mich die Zeit in Amerika oder die internationale Zusammenarbeit weitergebracht hat. Menschlich habe ich mich aber bestimmt entwickelt.

Aus der Praxis: Wie kann internationale Zusammenarbeit deiner Meinung nach funktionieren?
Das Wichtigste ist bestimmt die Kommunikation untereinander. Ich denke, dass internationale Zusammenarbeit in den meisten Bereichen bei uns schon gut funktioniert, allerdings könnte die Kommunikation beziehungsweise der Kontakt zwischen den Ländern besser sein.
Internationale Trainingsprogramme und Internships gibt es ja mittlerweile in sehr vielen Berufssparten und es werden immer mehr. Das erhöht in sämtlichen Branchen die Qualität der internationalen Zusammenarbeit.
Die, die aus ihrem Heimatland weggehen, um woanders Fuß zu fassen oder sich weiterzubilden, kommen mit einer positiven Einstellung, die das Zusammenleben und -arbeiten einfacher macht.

Fallen dir kleine Hoppalas in der interkulturellen Zusammenarbeit oder sprachliche Missverständnisse ein?
Natürlich gibt es viele lustige Situationen. Auch, weil in anderen Sprachen viele Begriffe etwas anderes bedeuten und dadurch zweideutig aufgefasst werden können.
Ein Klassiker: Meiner Managerin in Florida war eine Mexikanerin. Sie hat ab und zu versucht mich auf Spanisch anzusprechen und ich hab nicht hingehört. Als sie dann wütend auf mich zukommen ist, weil ich nicht reagiert habe, ist ihr erst aufgefallen, dass sie die ganze Zeit Spanisch und nicht Englisch gesprochen hat. Ich erwische mich allerdings auch selbst immer wieder dabei, dass sich in meine deutschen Sätze englische Begriffe einschleichen.

Dieser Text entstand im Rahmen der Lehrveranstaltung “Inter- und intrakulturelle Kommunikation” am Lehrgang “Public Communication” der FH JOANNEUM. #com15iik