Bye bye Snapchat!?

Das war’s dann wohl für Snapchat! Mit den neuen Instagram Stories dringt Facebook in das Kerngeschäft von Snapchat ein. Snapchat ist tot! So die breite Meinung. Viele beschäftigen sich derzeit mit dem Kampf Instagram gegen Snapchat. Kann der Zwerg gegen den Riesen Facebook bestehen? Laufen die Nutzer jetzt scharenweise über? Brauchen wir Snapchat überhaupt noch?

Poke. Buy. Copy.

Dabei ist Instagram Stories nur ein weiterer Schritt im Kampf Facebook gegen Snapchat. Denn es scheint, als wäre Mark Zuckerberg unglaublich scharf auf die App bzw. die Idee dahinter. Kann sich noch jemand an Poke erinnern? Das war 2012 Facebooks Antwort auf Snapchat. Auch eine Kopie. Eine App mit sich selbst löschenden Nachrichten. Mit Text, Bildern und Videos, die höchstens 10 Sekunden sichtbar waren. Ganz wie Snapchat. Nur hat es nicht funktioniert. 2 Jahre nach dem Launch war endgültig Schluss. Dann wollte Zuckerberg die App kaufen. Snapchat hat abgelehnt. Jetzt baut er sie einfach wieder nach. Nur cleverer, als Teil von Instagram, einem absolut etablierten Netzwerk. Keine neue App, sondern eine neue Funktion. Das kann funktionieren! Oder scheitert auch der 3. Versuch?

Was Instagram mit Stories besser macht

Keine Frage: Instagram Stories ist nicht einfach eine billige Kopie, die keine Chance gegen Snapchat hat. Instagram kann so einiges, wovon Snapchat träumt. Vielleicht…

Ein absolut schlagendes Argument ist die Nutzerbasis. Vom Start weg kann jeder Follower die Stories sehen! In meinem Fall sind das aktuell 272. Einfach so! Auf Snapchat wird hart gearbeitet, der Nutzername ständig erwähnt und mit Müh und Not baut man sich eine Fanbasis auf. 50 sind es in meinem Fall. Vielleicht. Man weiß es ja eigentlich gar nicht so richtig. Da kann Snapchat nicht mithalten. Schon gar nicht mit der Verknüpfung zu Facebook, dem noch viel größeren Netzwerk. Dadurch geht auch der Reichweitenaufbau leichter von der Hand. Über “normale” Bilder auf Instagram können weiterhin Follower aufgebaut werden, die dann von den Stories erreicht werden können. Vielleicht hat Facebook sogar etwas geplant, um auch mit den Stories Nichtfollower zu erreichen.

Instagram hat bei seinen Stories zudem so ziemlich alles kopiert aber nicht alles übernommen. Der Funktionsumfang ist recht überschaubar und auch ganz gut erklärt. Es gibt für alles Buttons, so wie man es von typischen Apps gewohnt ist. Kein “Du musst lang auf dein Gesicht drücken, dann kommt da ein Gitter und dann…” oder “Wenn du den Filter mit einem Finger festhältst und mit dem anderen weiterwischst, dann…”. Snapchat ist vollkommen auf Smartphonenutzung hin konzipiert. Das ist clever, kann aber auch zum Verhängnis werden. Weil es einige nicht verstehen. Viele nicht verstehen. Nicht ohne Grund gibt es Einsteigerworkshops zur Bedienung von Snapchat, #Snapnitz zum Beispiel (Kleiner Spaß. Den Workshop hab ich veranstaltet und es hat großen Spaß gemacht. Für Instagram Stories braucht das aber wohl niemand).

Aber: 3,5 Vorteile, die Snapchat so schnell keiner nehmen kann

Im Moment — und wer weiß schon, was Facebook / Instagram noch so im Köcher hat — ist Instagram Stories eine abgespeckte Version von Snapchat. Geofilter, Emojis oder Filter fürs Gesicht sucht man vergebens. Der ganze spaßige Kram fehlt! Das macht die Nutzung einfacher, aber für Snapchatgewohnheitstiere auch langweiliger.

Ein weiterer wichtiger Punkt, der für Snapchat spricht, ist Discover. Exklusive Inhalte zu noch viel exklusiveren Preisen werden an alle Nutzer ausgespielt. Manche sehen darin die Ablösung des klassischen Fernsehens. Kann man so sehen, muss man nicht. Eins macht Discover jedoch klar: Die ganz junge Zielgruppe lässt sich mit solchen Formaten erreichen. MTV, Vice und Buzzfeed beweisen uns das.

Snapchat ist eine einzigartige Chatapp. Und chatten macht den wahren Kern von Snapchat aus. Ungestört und auf eine Art, die so kein anderer Messenger bietet, führt man Gespräche über Bilder und Videos. Ungezwungen, impulsiv, locker und gelöst. Im Gegensatz dazu war das Instagram noch nie. Und wird es wohl auch nicht werden. Es geht ums Teilen, Liken, Kommentieren. Am besten mit hochwertigen Fotos. Das ist zu aufwendig fürs Chatten.

Und dann wäre noch die Nutzerbasis. Der Anteil der Nutzer unter 25 ist auf Snapchat doppelt so hoch! Instagram ist zwar im Durchschnitt jünger als Facebook, an Snapchat kommt jedoch auch das Fotonetzwerk nicht heran. Und das wollen doch irgendwie alle: Die Jugend an sich binden. Das gelingt Snapchat besser. Sollten die Jungen die Plattform dennoch irgendwann verlassen, um vor den Eltern und Älteren zu fliehen, dann wohl eher Richtung musical.ly und nicht in Richtung Instagram.

Auf uns hört trotzdem keiner

Wir können vorhersehen, wissen, hoffen, vermuten — auf uns hört trotzdem keiner. Denn wir haben es nicht in der Hand, ob Instagram Stories von den Instagram Nutzern angenommen wird oder die User von Snapchat dorthin wechseln. Wer weiß schon, ob Facebook diese Funktion in 6 Monaten wieder einstampft oder Snapchat in einem Jahr pleite ist?

Außerdem befinden wir uns ein bisschen in einer Deutschlandblase. Facebook und Instagram erscheinen, von den Nutzerzahlen her betrachtet, hierzulande übermächtig. In den USA — dem Kernmarkt beider Apps — liegen Snapchat und Instagram ungefähr gleich auf. Von der Nische Snapchat spricht dort keiner.

Und im Endeffekt ist es doch auch egal. Viel wichtiger ist es, sich die Sachen anzusehen, zu verstehen und einzuordnen. Für sich, für sein Business, für seine Kunden. Darauf kommt es an. Und dann ist es auch egal, wenn man Snapchat verstanden hat und zu Instagram Stories wechseln muss / darf / kann. Da hilft kein Jammern sondern Anpacken. Denn der Einstieg geht schnell und den Neuen hat man einen Zeitvorsprung gegenüber. Wir beobachten gespannt, wie sich die beiden entwickeln. Wie der Kampf ausgehen, weiß keiner. Auch die nicht, die das behaupten.


FYI: Über das Thema Snapchat vs. Instagram Stories diskutieren wir auch zum nächsten Social Media Talk Chemnitz am 24.08.2016. Außerdem fragen wir uns, was Snapchat und Instagram Stories im Marketing und in der Kommunikation von Unternehmen leisten können und was nicht. Welche Möglichkeiten bieten sich und wie holt man das Beste aus diesen Plattformen heraus? Wäre schön, wenn wir uns dort treffen und gemeinsam diskutieren!