Welche Story hat Chemnitz zu erzählen?

Das Thema Stadtmarketing für Chemnitz geht in eine neue Runde. Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig plant nun, diese Aufgabe einer neuen Gesellschaft zu übertragen. Laut Freie Presse (vom 5. November 2014) soll es Anfang 2016 losgehen, mit eigenem Budget, eigenem Personal und klarem Ziel. Warum? Weil es zu den Aufgaben einer Stadt mittlerweile dazu gehört, und da hat Sie mehr als Recht:

Wir brauchen einen Image-Gewinn von innen heraus, um außerhalb der Stadt einen Image-Wandel zu schaffen.

Kern wird dann die Betreuung und Weiterentwicklung der aktuellen Imagekampagne “Die Stadt bin ich” sein. Diese läuft seit Anfang des Jahres und war, zumindest bis in den Sommer, regelmäßig im Gespräch. Deren Erfolg lässt sich sicher noch nicht beziffern, aber der große Hype ist im Moment erst einmal vorbei. Hauptursache sind ganz sicher die mangelnden Ressourcen. Das wird auch nicht bestritten. Mehr als “Überstunden” wurden personell noch nicht investiert. Da kommt die Idee eines eigenen Unternehmens gerade recht und nur folgerichtig. Nur der zeitliche Ablauf ist ein wenig untypisch:

Man habe mit Inhalten begonnen, jetzt sei es an der Zeit, die Strukturen zu klären.

Natürlich kann man das Pferd von hinten aufzäumen. Unter dem Strich kostet das dann aber mehr. Erstellt man erst ein Konzept, schafft dann Strukturen und stellt Ressourcen zur Verfügung, um sich schließlich den Inhalten zu widmen, stellt sich der Erfolg schneller und vor allem wahrscheinlicher ein. Nur muss es besonders in der Politik nicht immer genau so ablaufen. Denn was wäre, wenn das Ganze ein cleverer Schachzug der Oberbürgermeisterin ist? Ähnlich wie bei der Einführung des Elterngeldes durch Ursula von der Leyen. Das kam, bevor überhaupt genügend Kindergartenplätze zur Verfügung standen. Es wurde also ein Problem, indem der 2. vor dem 1. Schritt getan wurde, so dringend gemacht, dass daraufhin einfach nicht mehr länger mit dessen Bewältigung gewartet werden konnte. Spekulation, mehr nicht.

Was ist der USP von Chemnitz?

Jetzt wird es die Aufgabe der neuen Gesellschaft sein, die Story von Chemnitz zu erzählen. Welche das ist, muss zunächst herausgearbeitet werden. Gesucht ist eine Story, mit der sich ein großer Teil der Chemnitzer identifizieren kann. Mehr auf Chemnitz bezogen als “Die Stadt bin ich” und persönlicher als “Stadt der Moderne”. Was macht Chemnitz aus? Wo liegen die Stärken oder mit welchen Schwächen könnte man spielen? Kurz: Was ist der USP von Chemnitz? Denn wenn die Story steht, ergibt sich der Rest! Nicht von allein, aber deutlich einfacher und schlüssiger - rotfadiger so zusagen.

Wenn dann noch ein Konzept dahinter steht, auf welchen Kanälen die Story wie erzählt werden soll, könnte der Plan aufgehen. Andernfalls würde sich wieder nur ein weiteres Kapitel in die schon viel zu lange Geschichte mit der Vermarktung von Chemnitz einreihen. Natürlich sind weder Story noch Konzept für die Ewigkeit gedacht. Aber ein paar Jahre sollte so etwas schon tragen. Und dann lohnt sich auch die kontinuierliche Arbeit und Investition in eine Weiterentwicklung.

Charisma statt Kompetenz?

Eine letzte Anmerkung: Das Personal solle aus Leuten bestehen, “die große Überzeugungskraft besitzen”. Das kann nur eine Seite der Medaille sein. Denn wo bliebe dann die Kompetenz? Die größte Herausforderung wird es wohl sein, ein Team zusammenzustellen, das einer solchen Aufgabe auch gewachsen ist! Nötig sind ordentliche Prisen von Online-, Print-, Marketing- und journalistischer Kompetenz und sicher noch viel mehr. Eine ausgeprägte Chemnitz-Affinität zum Beispiel. Und so weiter. Denn: Erst wenn das Produkt stimmt, lohnt es sich, andere davon zu überzeugen.