#FashionTech Berlin, die Erste.

Das passiert, wenn Mode und Technik aufeinandertreffen.

Die Bread and Butter hat abgesagt und wie zuvor lassen sich Hugo Boss und Escada auch dieses Jahr nicht zur Berlin Fashion Week blicken. Das interessierte auf der FashionTech Berlin aber niemanden. Denn hier ging es nicht um das was es schon gibt, sondern um das, was technisch noch möglich ist. Von LEDs und leuchtenden Jacken zu selbstwachsende Materialien und Crowdfunding von nachhaltiger Mode.

Am 20. Januar 2015 fand im Rahmen der Berlin Fashion Week die erste FashionTech in der Arena in Berlin Kreuzberg statt. Statt Laufstegen gab es hier allerdings zwei Bühnen mit Interviews, Talks, und Präsentationen. Und hier gibt’s die Zusammenfassung:

Wearable Tech

Wearable Tech wird häufig in einen rein technischen Kontext gebracht. Da fallen Schlagworte wie GoogleGlasses und SmartWatch. Man erwartet, dass z.B. Sensoren Kleidung einen technischen Mehrwert liefern, daraus soll dann sogenannte Smart Fashion werden. Sportkleidung könnte z. B. die Daten während des Laufs sammeln und dann Zuhause automatisch mit der Fitness App auf dem Smartphone synchronisieren.

Lisa Lang fokussiert einen anderen Ansatz. Ihrer Meinung nach kann Technologie auch in Kleidung eingebaut werden, um „einfach gut auszusehen”. Mit ihrer Agentur Elektrocouture möchte sie Wearables in den Mainstream bringen. „Aktuell sehen die meisten Designs noch aus wie für Zirkuspferde”, lacht sie. Natürlich ist es machbar einen Mehrwert zu liefern, den Puls zu tracken oder als Fahrradfahrer Dank Leuchtmaterialien in der Dunkelheit sichtbar zu sein. Aber für sie ist das ein Kann, kein Muss.

Living Technology

Keine elektronische Technologie, sondern Biologie stellte dagegen Amy Congdon vor. Sie arbeitet mit „living technology”. Das schließt u. a. Bakterien und Zellen ein. Auf ihren Slides präsentierte sie eigene Arbeiten und welche von ihren Kollegen. Besonders interessant war der Ansatz Lederware wachsen zu lassen. „Wir können Zellen wachsen lassen”, sagt sie. „Warum also nicht auch Leder? Und das, ohne Tiere zu töten.”

Romantisch oder crazy, fragte man sich, als Amy Congdon Eheringe zeigte, die einige Paare aus dem Knochenmark des jeweils anderen machen ließen.

Weiteres

Ehrlich gesagt könnte ich über gestern ein Buch schreiben. Es waren so viele tolle und spannende Vorträge dabei, dass man eigentlich jedem davon einen eigenen Post witmen sollte, aber das würde einfach zu weit gehen.

Weitere Themen waren aber noch Crowdsourcing für innovative und nachhaltige Mode und On-Demand Produktion, und Crowdfinancing. Und 3D gedruckter Schmuck von dem Berliner Startup Stilnest.

Wie geht es weiter?

Amy Congdon erklärte, dass es, wie von unseren Eltern schon immer gesagt, keine dummen Fragen gibt. „Es ist wichtig, dass Leute, die nicht mit dem Thema verwurzelt sind, Fragen stellen. Häufig bringt das die Designer und Techniker zum Nachdenken. Und so entstehen neue Lösungen.” Lisa Lang appellierte an die Designer und Techniker: “Setzt Euch zusammen!”

Pierre Sapin vermisst mutige Designer wie Coco Chanel, die die Hose für Frauen entwickelte, oder Ives Sant Laurant, der den Smoking für Frauen in die Modewelt brauchte. Er schlägt vor, dass innovative Designer, die Tech und Mode kombinieren, ihre Ideen mit Crowdfunding Kampagnen verwirklichen.

In der Szene tut sich also einiges. Austoben können sich Technikbegeisterte und Designer zum Beispiel im FabLab oder beim Wear It Festival, das vergangenen Oktober das erste Mal in Berlin stattfand.

Die FashionTech, die in Zusammenarbeit mit den Modemessen PREMIUM und SEEK und der Boggerkonferenz re:publica veranstaltet wurde, war ein guter Auftakt um Technik und Mode näher zusammenzubringen, und mehr Aufmerksamkeit für die Szene zu schaffen.

Und ich freue mich jetzt schon auf das Event im nächsten Jahr!

1.000 Dank für die Fotos geht an Nils Krüger.

Disclaimerchen: Der Artikel wurde in veränderter Art bei Gründerszene veröffentlicht. Und: Ich war als Speaker auf dem Event.