Französische Einflüsse in Tübingen

Die Neue Aula, der Marktplatz oder das Museum. All das sind zentrale Orte der Begegnung, die jeder Tübinger kennt. Was diese Orte verbindet, bleibt dem normalen Passanten jedoch verborgen. Nur dem aufmerksamen Auge wird auffallen, dass dort kleine Aufkleber angebracht sind.

Scannen Sie!

Die Rede ist von schmalen, rechteckigen Stickern mit einem QR-Code darauf. Sie sind weiß und tragen die Aufschrift „Die Franzosen in Tübingen — Ein virtueller Stadtrundgang“.

Das Smartphone ist schnell in der Hand und wenn man die Codes abscannt, eröffnet sich dem Passanten ein unerwarteter Blick in vergangene Zeiten: Die Spuren deutsch-französischer Zusammenarbeit.

Le “Tour de Tübingen”

Das Projekt entstand in Kooperation mit Studenten der Universität Tübingen und dem deutsch-französischen Institut. Seine Veröffentlichung ist das Ergebnis eines Seminars an der Universität, an dem Studenten mitgewirkt haben. Das Ziel war es, unsichtbare Spuren aus der Besatzerzeit wieder sichtbar zu machen und aufzuzeigen, wie viel Frankreich eigentlich in der schwäbischen Stadt am Neckar liegt.

Dafür unterteilte man die Stadt in vier Routen — ”Altstadt”, “Universitätsstadt”, “Österberg und Neckar”, “Südstadt” — und erinnert so mit einer Audiotour, historischem Bildmaterial und Informationen zu den einzelnen Orten an die Franzosenzeit.

Quelle: www.franzosen-tuebingen.de

Die Kulturinsel auf dem Österberg

Ab 1945 waren französische Soldaten in Tübingen stationiert und prägten nach dem Krieg den administratorischen und kulturellen Wiederaufbau der Stadt. Die Kulturvermittlung hatte hierbei einen hohen Stellenwert. Damit die Umsetzung funktionierte, richtete man ab 1946 das deutsch-französische Kulturinstitut in einer prächtigen Villa auf dem Österberg ein.

Wie eine Insel der französischen Kultur thront die Gründerzeitvilla des Instituts auf dem Österberg und blickt hinab auf die Stadt. Als wir für das Interview das Grundstück betreten, ist die diplomatische Vergangenheit des Gebäudes fast spürbar. Durch eine große, hölzerne Tür gelangen wir hinein. Hohe, marmorgetäfelte Wände umschließen den Eingangsbereich und man kann von hier in das Foyer hineinblicken. Ein Empfangstisch ist gedeckt mit Servietten in den französischen Nationalfarben — bleu, blanc, rouge — und einigen Sektgläsern. Heute Abend finde hier ein Konzert statt, erklärt uns Constantin März, ein Student, der bei dem Projekt mitgearbeitet hat und führt uns in die obere Etage in das Büro von Matthieu Osmont. Der Franzose leitete das Projekt, was neben der Mitorganisation der Kulturnacht im Mai und dem Institutssommerfest, nur eine von vielen Aufgaben der Kulturarbeit vom Institut ist.

Kulturbotschafter Kunst: Serge le Goff

Nicht nur die Kulturarbeit prägt die Stadt und macht sie zu einer französischen Kulturinsel im Ländle. Mehr als alles andere prägen die hier lebenden Menschen die Stadt und ihr Erscheinungsbild.

Ein perfektes Beispiel dafür ist der Künstler Serge le Goff. Der Zeitzeuge absolvierte in Tübingen sein Studium der modernen Literaturwissenschaft und anschließend seinen Militärdienst, doch die Liebe und die Kunst brachten ihn dazu, sein Leben hier zu verbringen.

Als Kurator prägt er die Tübinger Kunst- und Kulturlandschaft und gibt immer wieder neue Impulse und eröffnet neue Perspektiven. Er beschäftigt sich in seinem Wirken mit dem Raum und den darin fassbaren, subjektiven Gegebenheiten. Außerdem ist er bekannt für seine Performancekünste, die sich mit Licht und elektronischer Musik auszeichnen.

von Isaleni Leoni und Lea Holzer

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Impressum

Die Publikation entstand im Rahmen des Seminars “Multimedia Storytelling” im Modul Lehrredaktion am Institut für Medienwissenschaft der Universität Tübingen unter der Leitung von PD Dr. Stefan Meier.

Die inhaltliche Verantwortung liegt gemäß § 10 Absatz 3 MDStV bei den jeweiligen AutorInnen.

Gesamtverantwortung:

PD Dr. Stefan Meier

Wilhelmstr. 50

Raum 257

72074 Tübingen

E-Mail: stefan.meier[at]uni-tuebingen.de

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