6. Queere Filmwoche in Leipzig

Vom 7. — 13.01.2016 zeigte die Kinobar Prager Frühling eine Reihe von Filmen aus dem queeren Genre.

Selten, aber es kommt vor, dass die Stadt Leipzig den LGBT-Bewohnern etwas bieten kann. Umso schöner ist es, dass es daher mal nichts mit Musik und Party zu tun hat, sondern zur Abwechslung mal mit Kultur.

Auf dem Spielplan der diesjährigen Queeren Filmwoche standen sowohl Dokumentarfilme, wie „Before Stonewall“, eine Doku von 1984, die anhand von Interviews mit Zeitzeugen und originalem Film- und Bildmaterial darstellt, was sich tatsächlich in der Zeit der Homosexuellen-Bewegung 1969 in New York um die historische Bar „Stonewall Inn“ abspielte.

Ebenso fanden Spielfilme, die im Jahr 2015 erschienen sind, ihren Platz im Spielplan. Neben „Carol“ (eine Liebesgeschichte zweier Frauen im New York der 50er Jahre) und „The Danish Girl“ (eine verfilmte Biografie über einen intersexuellen Maler, der sich einer geschlechtsangleichenden Operation unterzieht) wurden noch viele andere Perlen des queeren Genre ausgestrahlt.

Am Sonntag, den 10.01.2016, schaute ich mir in der Kinobar Prager Frühling den von Roland Emmerich in 2015 erschienen Film „Stonewall — Where Pride Began“ an. Zu diesem Film wurde im Vorfeld der Erscheinung ja schon kritisiert, dass er den wahren Ereignissen der Aufstände von Schwulen und Lesben gegen die Polizei in New York nicht gerecht wird. Betrachtet man den Film nun aber nicht durch eine streng historische Brille, bekommt man — ummantelt von viel Klischee, kitschigen Szenen aber auch vielen berührenden Momenten, bei denen ich mich zugegebenermaßen stark zusammenreißen musste. kein Träne zu vergießen — einen Einblick davon, wie Homosexuelle in dieser Zeit in ihren Rechten eingeschränkt wurden und wie schwierig es war, sich offen zu bekennen. Das Ganze ist eingeflochten in eine süße Coming Out- Story eines attraktiven Hauptdarstellers.

Damit der Sex nicht zu kurzkommt, waren in diesem Jahr auch Shortfilms von dem 10. Pornfilm-Festival Berlin im Programm. Das Besondere in diesem Jahr war dabei, dass die Regisseurin des Films „When we are together we can be everywhere“ zur Vorstellung dabei war und gerne auf die eine oder andere Frage Antwort gab.

Das Ambiente der Kinobar Prager Frühling ist nicht vergleichbar mit einem großen Kinosaal eines CineStar. Es ist ein kleines Kino mit sehr viel Charme und Wohnzimmerflair und besitzt um die 80 Sitzplätze. Karten für die Kinobar gibt es nur direkt vor dem Film zu kaufen (Reservierung nicht möglich). Dafür herrscht freie Platzwahl, weshalb es sich empfiehlt, immer ein paar Minuten eher da zu sein. Ein Vorteil gegenüber den großen Kinoketten sind dazu noch die Getränke- und Snackpreise, die hier um einiges günstiger sind. Der normale Eintrittspreis beträgt 6,50 Euro (5,50 Euro ermäßigt für Studis, Schüler, Azubis und Sonstiges gegen Vorlage des jeweiligen Ausweises), bei Filmen mit Überlänge ist zzgl. noch ein kleiner Aufpreis von 0,50–1,00 Euro zu zahlen (an der Kasse wird man freundlich darauf hingewiesen, ob der Film eine Überlänge hat).

Sollte man die Queere Filmwoche einmal verpasst haben, lädt das Kino wöchentlich zu zahlreichen anderen Filmen verschiedener Stile für einen schmalen Taler ein, weshalb sich ein Blick in das Programm immer lohnt.

Infos zu Programm, Preisen und Anfahrt gibt es hier:

www.kinobar-leipzig.de