Milch, Honig und mein Onlinejournalist

Ich schütte die Milch und den Honig in meinen Tee und schaue den Menschen dabei zu wie sie am Leben teilnehmen. Das ganz normale Leben in Berlin. Es ist schnell und ich habe das Gefühl es zieht an mir vorbei. Ich bin eine junge Autorin in den besten Jahren, doch mir fehlt der Kick in meinem Leben. Mein Leben teile ich auf social Media all jenen mit, welche es interessiert. Da bleibt es nicht aus, auch mal etwas von sich preis zugeben.

Mir schräg gegenüber sitzt ein kleiner Mann welcher mich seit Minuten anstarrt. Sein Kopf ist geformt wie einer Erdnuss und er betont das ganze noch mit seiner Gesichts- und Kopfbehaarung. Trotzdem kann ich nicht von der Hand weisen diese Aufmerksamkeit zu genießen. Er steht auf und kommt auf mich zu.

“Hallo, ich bin der Volker.”, “Hallo.” Stille. Ich gebe ihm Zeit die richtigen Wort zu finden aber lade in letztendlich selbst dazu ein sich hinzusetzen. Es liegt etwas in der Luft. “Ich bin Sahra.” damit versuche ich das Gespräch in Gang zu bringen. “Ich weiß, ich folge dir schon lange auf Twitter und habe dich gleich erkannt. Ich bin noch nicht lange in Berlin, aber ich wusste dass du dieses Cafe sehr magst.” Ich werde feucht. Meine Jahrelangen Bemühungen tragen endlich Früchte. Cool bleiben Sahra. “Wollen wir nicht zu mir gehen und uns da weiter unterhalten?” Ich bestelle die Rechnung und wir machen uns auf den Weg.

Ich bin aufgeregt und hoffe dass mir die Suppe nicht am Bein runter läuft. Auch bei ihm sehe ich eine kleine Wölbung in der Hose. Ich kann gar nicht glaube dass ich heute noch ficken werde. Er fängt an mir von seinem Job als Onlinejournalist zu erzählen. Er hat sich von seiner Freundin getrennt weil sie anscheinend nicht mit ihm nach Berlin ziehen wollte. Er hatte ein Jahr nach einem Job gesucht und dann hat ihn sein alter Arbeitgeber wohl wieder eingestellt. Das ist mir alle egal, endlich werden meine Shades of Grey Fantasien wahr. Endlich muss ich auf Twitter nicht mehr lügen und kann frei von meiner heißen Nacht mit meinem Onlinejournalisten prahlen.

Wir kommen an. Er setzt sich zu mir auf die couch und ich mache uns einen Kaffee. Wie automatisch lege ich uns romantische Musik auf. Runaway Train von Soul Asylum. Das habe ich als Jugendliche geliebt. Er schaut sich um und sagt schließlich “Hey, das ist ja ne Play Station 4, hast du zwei Controller dafür?” Ich bin verwirrt und merke das ich das Ruder in die Hand nehmen muss. Cool bleiben Sahra, du bist das oft imaginär durchgegangen. “Du hast den einzigen Controller den ich heute Nacht brauche, Baby.” entgegne ich. Volker schaut mich verwirrt an. Sein Gesicht wirkt angespannter und ich glaube er weiß worauf ich hinaus will. Ich ziehe mich aus und frage “Findest du mich dick?” Ich brauche jetzt ein Kompliment. “Nein.”

Er ist unbeholfen und bestand darauf das Licht auszumachen. Nach 3 Minuten war alles vorbei aber ich fühle mich wie neu geboren. Ich werde einen Artikel schreiben, ich werde darüber tweeten und ich werde mir meine ganz eigene Erinnerung an diese Nacht zusammenbauen. Ich male mir aus wie mich alle beneiden werden, wenn ich von meinem 1,90 Adonis erzähle. “Du sag mal,” reißt er mich aus meinen Gedanken “ist das ein Problem für dich wenn ich ein paar Tage hier wohne? Ich bin noch nicht lange in Berlin und wohne zur Zeit im Hotel.”

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