Wenn gleich zahlende Zuschauer sehr ungleich behandelt werden
Ein Versuch des Dialoges zwischen Zuschauer und Redaktion.

Sehr geehrte Damen und Herren,
ich bin seit langem Zuschauer Ihrer Programme und habe zu Hause keinen Fernseher, sondern schaue über das Internet an einem Media-PC, der speziell dafür produziert und von mir angeschafft wurde. Bei der Gelegenheit: Kompliment zu Ihrer Mediathek, das macht echt Spaß. Sie werden mir zustimmen, dass mein Konsum exemplarisch ist für das, was in nächster Zukunft zunehmend von Ihren Zuschauern zu erwarten ist.
Nicht zuletzt deswegen haben Sie ja auch mit der GEZ eine Lösung geschaffen, mit der jeder Nutzer von Endgeräten (ob nun Fernsehgerät, PC oder Smartphone) dieselben Beiträge zahlt. Im Prinzip halte ich das für richtig. Dieses Prinzip hat jedoch zwei Seiten: Die meines Beitrags zur Finanzierung des Programs mit all seinen Inhalten und das daraus entstehende Anrecht, diese Inhalte auch sehen zu dürfen.
Mir fällt aber täglich auf, z.B. beim Schauen der Tagesschau, dass Sie Ihre gleich zahlenden Zuschauer sehr ungleich behandeln. Täglich enthalten Sie Zuschauern über das Netz Inhalte vor, die Zuschauer am Fernseher sehen dürfen. Als Rechtfertigung weisen Sie sehr unspezifisch auf “rechtliche Gründe” hin. Nehmen wir einmal an, das wäre in jedem Fall gerechtfertigt und das Gesetz würde Sie dazu zwingen, dann müsste man feststellen, dass Sie doch dieses “abgespeckte” Produkt nicht zum vollen Preis anbieten können. Stimmen Sie zu?
Darüberhinaus fällt auf, dass diese Einblendungen nicht konsistent sind: Zum Teil werden Dinge nicht gezeigt, die man bei Ihnen vorher oder Nachher sehen kann (z.B. in der Sportschau, aber nicht in der Tagesschau) oder es sind Inhalte ausgeblendet, die die ARD ohne Probleme auch über das Netz zeigt. Auf mich macht es den Eindruck, als würde im ZDF (viel mehr als bei der ARD) in vorauseilendem Gehorsam auf Kosten des Zuschauers lieber zuviel geblockt, als sich die Mühe zu machen, wirklich nur dann zu blocken, wenn nötig. Aber ich will mich nicht in Details verlieren und damit Rechtfertigungen von Ihnen hervorrufen. Lieber bleibe ich bei meinem Hauptpunkt:
Sie können ihre Zuschauer nicht gleichmäßig zur Kasse bitten und dann ungleich behandeln. Schon gar nicht ist das eine Strategie, die Sie in der digitalen Zukunft durchhalten können. Sie müssen dafür eine Lösung finden.
Des öfteren habe ich über Twitter versucht, dieses Problem anzusprechen, da es ja ganz originär ein “Netzproblem” ist, zuletzt hier: https://twitter.com/GeistGegenwart/status/878157089310470144 Bisher hat sich darauf niemand gemeldet. Ich hoffe, mit meiner E-Mail bei Ihnen auf Gehör zu stoßen. Diese ganz selbstverständliche Ungleichbehandlung fühlt sich täglich mies an für mich und verleidet mir das Sehen Ihrer Sendungen.
Mit freundlichen Grüßen,
Gilbert Dietrich
Antwort der ZDF-Zuschauerredaktion
Sehr geehrter Herr Dietrich,
vielen Dank für Ihre E-Mail an das ZDF.
Ihre Kritik zu den Verweisen auf unsere Internetangebote haben wir in unsere tagesaktuelle Auswertung der Zuschauerreaktionen aufgenommen. Diese wird der verantwortlichen Redaktion und einem weiten Empfängerkreis in unserem Haus, inklusive der Geschäftsleitung, übermittelt und dort in der internen Auseinandersetzung mit dem Programmangebot berücksichtigt.
Mittlerweile haben die allermeisten Bundesbürger einen eigenen Internetzugang. Wir sehen daher keinen Grund, nicht auf solche Zusatzangebote hinzuweisen.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre ZDF-Zuschauerredaktion
Reaktion des Zuschauers
Vielen Dank, sehr geehrte Redaktion,
aber ich meine, Sie haben mich komplett missverstanden. Ich kritisiere nicht Hinweise auf Zusatzangebote. Ich kritisiere, dass ich als Zuschauer über das Internet bei der Tagesschau besonders im Sportteil nicht das sehen kann, was Zuschauer mit Fernseher sehen, obwohl ich genauso viel bezahle.
Bitte lesen Sie meine Nachricht noch einmal, damit Sie verstehen, was ich meine. Nebenbei: Ich habe auch Ihre Mediathek gelobt.
Mit freundlichen Grüßen,
Gilbert Dietrich
