Pack- und Lachgeschichten

“Wie jetzt? Es geht also wirklich los? Du fährst tatsächlich mit dem SUP-Board die Mosel hoch? GANZ HOCH?!?”

HÄH?! (Ich lache dümmlich, weil ich nicht weiß, ob ich die Frage ernst nehmen soll oder ob es eine rhetorische ist.) Ja. Klar. Was sonst? Ich meine, wofür habe ich trainiert? An ganz spezifisch für mich ausgedüftelten Paddelschlägen gefeilt, die ich Stunde um Stunde durchhalte, trotz operierter Schulter links und operiertem Ellbogen rechts und schon länger zu operierender Schulter rechts? Mit einer Handvoll Titan in der Lendenwirbelsäule, die mich auf Dauer beim SUPen mehr beeinträchtigt als gedacht? Mit nach einem Motorradunfall vor Ewigkeiten total demoliertem linken Fuß, der das lange Stehen nicht wirklich toll findet — was auch erst deutlich wurde, als ich länger als drei und länger als vier Stunden mit dem Board umherschipperte?

Kinder, Kinder, ich bin ein Wrack! Ich wusste es bis dato nicht, denn ich war Radfahrerin. Mountainbikerin hauptsächlich. Klar, da hat mich das eine oder andere durchaus gehandicapt — aber niemals so wie jetzt beim LangstreckenSUPen. Alte Weisheiten dringen nun in meinen Dickschädel durch: Alles, was man nicht mehr in Maßen tut (isst, trinkt etc.), schadet. Tja nun.

Ob ich zweifle?

Nein. Obwohl ich ein Zweifler bin, so im Grunde meiner Persönlichkeit. Aber ich bin auch Realist — und ich war mal Leistungssportlerin! Damit kenne ich mich und meinen Körper sehr gut. Ja, ich bin etwas konsterniert ob der Tatsache, dass ich mit jedem Jahr schneller abzubauen scheine. Kein Tag, an dem nicht irgendwas zwickt. Okay: schmerzt. Na und? Es ist eben so. Ich werde in Kürze 50. Mein Körper hat so viel mitgemacht, so viel erdulden und erleiden müssen, das ging nun einmal nicht spurlos an ihm vorbei. Zu dem oben aufgezählten Zipperlein addieren sich die Folgeschäden aus mehreren Krebserkrankungen und -therapien.

Jammere ich?

Mag sein. Manchmal. Weil es eben manchmal sein muss. Weil es hin und wieder gut tut, zu jammern. Bemitleidet zu werden. Aber nur kurz! In dem Moment, in dem ich jammere, ist es in der Regel auch schon wieder gut. Weil Jammern befreit. Mich zumindest.

Und nun?

Packe ich weiter. Ich feilsche mit mir um Gramm und Quadratzentimeter, kalkuliere Shampoo- und Zahnpastaverbrauch und plane die perfekte Staumethode. Und ich habe Spaß dabei. Vorfreue mich. Lampenfieber? Noch nicht. Aber sicher bald. Am Dienstag geht’s los.


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