Was geht?

Ich bin viel und lang auf dem Wasser, arbeite mich an große Strecken heran. Da ich zwar auf meiner Tour keine Eile habe, dennoch aber nicht cruisend unterwegs sein kann, weil ich sonst nie ankomme, paddle ich zügig, aber im Ausdauerbereich. Das ist beim SUP leider nicht ganz so gemütlich wie beim Radeln. Während ich auf dem RR oder MTB weder meinen Körper stabilisieren oder auch nur tragen muss, bin ich auf dem Board ständig beschäftigt. Nicht nur mit Vortrieberzeugung, sondern damit, mich auf dem Board zu halten.

“Aber Du stehst doch nur rum!”

Das klingt spektakulär, ist es aber nicht. Oder doch? Wer sich etwas auskennt in Sachen Muskulatur, weiß, dass die Haltearbeit, die ich auf dem SUP-Board leisten muss, auf Dauer verdammt anstrengend ist. Man merkt es kaum, aber allein “einfach nur Rumstehen” kostet Energie — körperlich wie geistig. Die Konzentration lässt (bei mir) nach zwei Stunden gewaltig nach — und dann macht man Fehler. Auf dem Rennrad kann sowas fatal sein, auf dem SUP-Board nicht ganz so sehr. Okay, im Winter mag man nicht ins Wasser fallen, im Sommer allerdings auch nicht, wenn große Schiffe neben, vor und hinter einem unterwegs sind. Sollten die Steuerleute Lust haben, für mich zu bremsen — Sinn würde es keinen machen.

Also muss auch das trainiert werden. Man tastet sich heran, erlebt, wie es sich anfühlt, wenn man abschaltet, erkennt, wann man Pausen braucht und wann es reicht, einfach mal ein paar Minuten auf den Knien weiterzupaddeln. Das bringt schon sehr viel, vor allem entlastet es die Füße. Die haben nämlich richtig Stress! Ab einer Stunde Stehen auf dem Brett schlafen mir die Füße ein. Das kann man mit guten Schuhen und wechselnden Standpunkten etwas verzögern, verhindern kann man aber es nicht — ich zumindest nicht und einige SUPer, die ich kenne, auch nicht.

Gefahr von rechts! (Und links.)

Was wäre da noch? Ach ja: Ich trainiere Querwellen. Die versucht man als SUPer zu vermeiden, weil sie einen ziemlich flott zum Kentern bringen können. Muss man Kurs halten, kreuzt man wie ein Segelboot gegen den Wind. Das kostet Kilometer, spart aber Ärger und Stress. Außerdem macht dieses ständige seitliche Wackeln keinen Spaß und kostet viel Kraft und Konzentration. Wenn also der Wind auf meinem See abgeflaut ist und die Wellen sozusagen übrig bleiben, gehe ich aufs Wasser. Warum? Weil die größte Gefahr auf meinen “Big River”-Touren die Schiffe sind. Die schieben gewaltige Wasserberge vor sich her — und die kommen bei mir als Wellen an, die mich schräg und seitlich treffen. Die Heckwellen und -strudel sind auch nicht ohne, aber die sind kalkulierbarer, denn ich sehe sie und kann einschätzen, ob sie mir Ärger bereiten oder ob ich sie “packe”.

Ich habe Übergewicht.

Bei allem, was ich hier beschreibe, solltet Ihr eines im Hinterkopf haben: Ich habe derzeitigen Schätzungen zufolge 18 Kilo Grundgepäck für Camping und Outdoor sowie natürlich die Rückreise per Bahn auf dem Board plus Essen und Trinken für mehrere Tage und Sicherheitsausrüstung wie Leash, Schwimmweste und Wurfsack. Das Gewicht zu bewegen kostet ziemlich Kraft. Zudem paddle ich sozusagen von hinten, das erfordert eine etwas andere Paddeltechnik (viele nervige Ziehschläge), denn das Board dreht umso stärker, wenn man von hinten schiebt. Ich stehe quasi als Ausgleichsgewicht fast schon auf der Finne, was das Handling des Boards signifikant verändert. Würde ich mittig stehen wie üblich, würde das Board vorn tiefer liegen und “bergab” fahren. Gut, wenn man auf dem Rad sitzt, schlecht, wenn es ein Brett ist, das möglichst leicht übers Wasser gleiten sollte …

Der höhere Schwerpunkt ist mit Erfahrung auszugleichen, was aber Thema ist, ist das Erarbeiten einer gewissen Frustrationstoleranz, wenn der Wind von der Seite oder von seitlich vorn kommt. Vor direkt vorn ist er kein Problem, aber seitlich … Da könnte ich schon hin und wieder das Paddel ins Wasser werfen und mich hinterher. Aber nun, ich betreibe einen Outdoorsport. Und das gern.

So, nun habt Ihr einen Einblick, was ich so überlege und treibe, wenn ich auf dem Wasser bin. Davon abgesehen genieße ich den Frühling, der nun endlich da ist!


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