Geld, durch Ausgliederung. Wie funktioniert das?

Mathematik mögen nicht allzu viele Menschen, Finanzmathematik noch viel weniger. Kommt dann noch ein derart emotional aufgeladener Anlass sich damit zu beschäftigen hinzu, wie die zweifelsohne sehr zwiespältig bewertete Ausgliederung es darstellt, dann ist es schnell um eine sachgerechte Behandlung des Themas getan.

In den sozialen Medien tummeln sich vorrangig die Ausgliederungskritiker, entsprechend verwundert es nicht dass hier bevorzugt Analysen geteilt werden, die das gewünschte Resultat der Ausgliederung , bzw. den Betrag den der VfB dadurch zu erschließen gedenkt, grundsätzlich in Frage stellen.


Worum es da ganz konkret geht:

Wie will der VfB Stuttgart “um Gottes Willen” für 24,9% der Anteile 100 Millionen Euro einlösen?

Die Basis einer jeden Berechnung der möglichen Einnahmen ist der Vereinswert. Vom VfB war zu vernehmen dass Wirtschaftsprüfer diesen auf ca. 300 Millionen Euro taxieren.

Fehler Nummer 1 den die meisten nun begehen: “Wenn ich von 300 Millionen € ein Viertel verkaufe, bekomme ich doch nur 75 Millionen € und nicht 100!”

Klingt richtig, nicht?

Fehler Nummer 2 den sie begehen: Da der VfB nicht die ganzen 24,9% auf einen Schlag veräußern will, rechnen sie damit dass die zweite Tranche, durch bis dahin zu erzwingende Erfolge mit einem signifikant gesteigerten Vereinswert gesegnet, durch den Verkauf der restlichen Anteile dann doch noch irgendwie eine Gesamteinnahme von 100 Millionen € erreichen könnte.

Tatsache ist dass durch einen höheren Vereinswert in 1–2 Jahren, tatsächlich höhere Einnahmen winken würden. Nur hat das rein gar nichts damit zu tun wie der VfB auf 100 Millionen € kommt. Null.


Der Gedanke der all diesen (falschen) Annahmen zugrunde liegt ist der eines normalen Aktienverkaufes. Wir haben einen Besitzer X, der 100% der Anteile an einem Unternehmen Y hält und nun bereit ist 24,9% davon zu veräußern.

In dem Fall würde man dann tatsächlich ein Viertel des aktuellen Wertes des Unternehmens erhalten. Aber, und das ist ein “großes ABER”, der Verkaufspreis würde nicht dem Unternehmen (in unserem Fall der ausgegliederten Fußballabteilung) zur Verfügung stehen, sondern beim Verkäufer landen (dem e.V. VfB Stuttgart).

Ein Ziel des ganzen Prozesses ist es aber ja die Fußballabteilung zu stärken und nicht dem e.V. die Taschen zu stopfen. Kurzum, ein Verkauf würde in keiner Weise finanzielle Mittel in die gewünschte Richtung bewegen.


Was tatsächlich nach einer Ausgliederung erfolgen würde, wäre kein Verkauf sondern eine Kapitalerhöhung.

Ziel einer Kapitalerhöhung ist der Zufluss finanzieller Mittel. Eine Erhöhung des Eigenkapitals eines Unternehmens, mit der Absicht neue Investitionen zu tätigen und die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.

Wie allein das Wort “Erhöhung” suggeriert, wird durch den Vorgang selbst bereits der Wert eines Unternehmens gesteigert. Das ist just der Schritt den viele nicht nachvollziehen können. Der VfB muss nicht durch hervorragende sportliche Leistungen, Erschließung neuer Sponsoringdeals etc. krampfhaft versuchen schnellstmöglich eine höhere Bewertung zu erzielen (wie es z.Bsp dervfbblog wortreich aber völlig falsch darstellt). Der Vorgang der Kapitalerhöhung selbst führt bereits zum Erreichen des Zieles.


Rechnen wir das konkret durch:

Der Vereinswert des VfB: Ca. 300 Millionen €

Maximal abzugebende Anteile: 24,9%

Im Rahmen einer Kapitalerhöhung bedeutet dies dass dieses eine Viertel neu zu schaffende Werte sind. Der Gesamtwert des Vereins wird so weit durch Zuführung von Kapital gesteigert, bis das hinzugefügte Kapital einem Viertel des neu zu erreichenden Gesamtwertes entspricht.

Die 300 Millionen an Wert, die der VfB bereits darstellt, würden also nach abgeschlossener Kapitalerhöhung 3/4 des Gesamtwertes darstellen, macht ergo (300 Mio * 4/3)-300 Mio = 100 Millionen € durch die Kapitalerhöhung.

300 Millionen bringt der VfB als Wert ein = 75%

100 Millionen bringen Investoren an finanziellen Mitteln ein = 25%

Neuer Vereinswert = 400 Millionen €

Keiner gewinnt etwas dabei, keiner verliert etwas dabei. Es werden Werte zusammengelegt und Anteile entsprechend aufgeteilt, in Erwartung dass beide Seiten durch eine erhöhte Wettbewerbsfähigkeit profitieren.


Überprüfen wir nun, wie sich das anhand der Mitteilung des VfB von gestern bestätigen lässt.

Erinnern wir uns dass die Angabe des Vereinswertes von 300 Millionen kein exakter Wert war. 350 Millionen wären da allerdings schon eine sehr deutliche Abweichung.

Ca. 300 Mio + die 41,5 Mio von Daimler = 350 Mio passt hingegen recht gut.

Sprich es erfolgt in einer ersten Tranche eine Kapitalerhöhung um 41,5 Mio.

Dank der konkreten Angabe von 41,5 Mio = 11,75% lässt sich berechnen:

41,5 Mio / 0,1175 = 353,19 Mio — der Wert des VfB nach der ersten Runde der Kapitalerhöhung.

Ohne die KE: 311,69 Mio.


Gehen wir zum nächsten Schritt über: Dem was der VfB für die restlichen Anteile erzielen könnte. Und weiteren Fehlern die in dem Zusammenhang gerne begangen werden.

Das einfachste Szenario: Der Wert des VfB verändert sich nach der ersten Tranche rein gar nicht.

Wer dem Irrglauben anhing es würde sich um einen reinen Aktienverkauf handeln, wird nun damit rechnen dass nur noch:

24,9% - 11,75% = 13,15% der Anteile für einen weiteren Verkauf zur Verfügung stehen. Falsch.

Auch bei einer weiteren Kapitalerhöhung würde neues Kapital zufliessen, der Gesamtwert des Vereins steigen und neue Aktien an die Investoren übergeben. Der Anteil der vorherigen Eigner würde ‘verwässert’. Just wie der Anteil des VfB zuvor von 100% auf 88,25% fiel, und weiter fallen würde, würde es auch dem entsprechenden 11,75% Anteil von Daimler ergehen. Der Gesamtwert steigt, der Wert den man daran hält bleibt konstant, der prozentuale Anteil fällt.

Der richtige Ansatz: Um wie viel kann das Kapital erhöht werden, bis aus den restlichen 88,25% des VfB, 75,1% werden?

353,19 Mio * 0,8825/0,751 = 415,03 Mio.

415,03 Mio - 353,19 Mio = 61,84 Mio.

Die Antwort lautet also dass in einer zweiten Tranche, in der alle restlichen Anteile bis zu 24,9% veräußert würden, bei einem gleichbleibendem Vereinswert von 353,19 Mio nach der ersten Tranche, der Gesamtwert auf 415,03 Mio gesteigert werden könnte, was eine Erhöhung des Eigenkapitals um weitere 61,84 Mio bedeuten würde.

61,84 Mio + die 41,5 Mio von Daimler = 103,34 Mio insgesamt und somit über dem anvisierten Ziel von 100 Mio € für die 24,9%.


Dies gilt aber wohlgemerkt nur für den Fall eines gleichbleibenden Wertes des VfB. Das erhoffte Ziel ist aber ja aufzusteigen und sich binnen 2 Jahren wieder im Oberhaus etabliert zu haben, mit daraus folgenden Einnahmen, gesteigerten Renommee etc.

Eine Beispielrechnung für den Fall dass nach einer Ausgliederung und der ersten Tranche der KE, der Wert des Vereins von 353,19 Mio auf sagen wir 400 Mio steigen würde.

400 Mio * 0,8825/0,751 = 470,03 Mio

470,03 Mio - 400 Mio = 70,03 Mio alleine in der zweiten Tranche.

70,03 Mio + 41,5 Mio = 111,53 Mio insgesamt, aus beiden Stufen der Kapitalerhöhung.


In der Rechnung zuvor ist eine Korrektur erfolgt. Die Berechnung an sich war völlig korrekt, was ich in den Rechner eingetippt hatte entsprach dem allerdings nicht. So kam ich zu einem Ergebnis von 93,54 Mio für Tranche 2, für dieses Szenario, korrekt sind allerdings 70,03 Mio.

Danke an der Stelle an @Mupsdaddy, dessen sehr anschauliche Darstellung, als Folge meines Artikels, mich darauf aufmerksam machte.


Ich hoffe mir sind keine allzu groben Rechenfehler unterlaufen. Falls doch, einfach via @Golwar melden. Ich habe für ein Korrekturlesen leider keinerlei Zeit, hoffe aber dass ich dennoch auf die Schnelle einige Ungereimtheiten aufklären konnte.

Meine Erfahrung lehrt mich allerdings, dass all die falschen Annahmen und Darstellungen sich nicht nur weiterhin halten, sondern auch dominant bleiben werden. Aber zumindest kann ich mir nicht vorwerfen mich nicht um Aufklärung bemüht zu haben. ;)

Weiß-Rote Grüße!