[DE] Dezentral und Verschlüsselt — lässt sich die digitale Kommunikation noch in die richtige Spur lenken?

Henri Hagenow
Sep 28, 2016 · 3 min read

Ist Dezentralisierung ein neuer Trend? Kann Verschlüsselung das Vertrauen in die digitale Zukunft noch retten? Wie groß ist das öffentliche Interesse an der technischen Umstellung des Internets, an einem Wandel?

Bis vor kurzem war verschlüsselte Kommunikation im öffentlichen Bild nur für Aluhut-Träger und Geheimdienste interessant. Trotz der verstörenden Offenlegung der Pauschalüberwachung im Internet durch Edward Snowden erscheint den meisten Menschen die Verschlüsselung ihrer digitalen Kommunikation, ob privat oder im beruflichen Kontext zu kompliziert und aufwendig — man hat ja schließlich nichts zu verbergen.

Die Einfachheit und der Funktionsumfang vieler kostenfreier Onlinedienste und Messenger-Apps von Google, Facebook, Microsoft, Apple & Co. wirkt zudem viel zu verführerisch, im Vergleich hierzu ein Wechsel zu verschlüsselten, dezentralisierten Lösungen zu aufwendig und kompliziert.

Die zentrale und unverschlüsselte Speicherung der eigenen Dateien und Chat-Historie wird in diesem Zusammenhang auch gar nicht als problematisch erkannt. An Vertrauen hapert es also nicht, es reicht das öffentliche Versprechen der Dienstebetreiber, keinen Einblick in die Daten nehmen zu wollen. Wer sollte sich schon für die Tabellenkalkulation eines kleinen Mittelständlers interessieren?
Mittlerweile werden ohne allzu große Bedenken wichtige Firmendaten auf externen Cloud-Servern gelagert und Passwörter im Klartext per Messenger App versendet. Fast der komplette Arbeitsalltag wird mit WebApps im Browser erledigt, mit ansprechendem Frontend, einer modernen Benutzeroberfläche und nützlichen Prozessintegrationen, überall und jederzeit verfügbar. Aber wo liegen diese Daten? Und wie sind sie gesichert? Wer hat potentiell noch Zugriff, kann sie lesen oder gar verändern?

Wird ab und an eine der genutzten Plattform gehackt, ist dies zwar eine kleine Meldung und auch etwas Empörung wert, doch die Umstellung der mittlerweile im Workflow etablierten und auch gut funktionierenden, kostengünstigen Software kommt nicht in Frage.

Doch die Häufigkeit solcher Hacks wächst und viele Nutzer beginnen sich für verschlüsselte Kommunikation zu interessieren. Daher bieten viele private Messenger mittlerweile eine solche Option an und Worte wie Ende-zu-Ende-Verschlüsselung haben es sogar bis in die 20:00 Uhr Nachrichten geschafft. Doch sollte nicht auch oder gerade die berufliche Kommunikation gegen eine Pauschalüberwachung gewappnet sein?

Größere Firmen gehen oft schon sensibler mit ihren Daten um, verbieten vertraglich deren Lagerung auf ausländischen Servern, sichern ihre lokalen Netze nach außen ab etc. Als Dienstleister oder Zulieferer könnte man hier die sichere Kommunikation mit dem Auftraggeber als Qualitätsmerkmal im Umgang zwischen Geschäftspartnern ansehen. Der Transfer von sensiblen Daten und die Kommunikation darüber sollte gerade im B2B-Bereich ernster genommen und nicht der Bequemlichkeit oder einem Featurereichtum von unsicheren, Daten zentral lagernden Webanwendungen geopfert werden.

Ein Lösungsansatz besteht in der Dezentralisierung und Verschlüsselung von Übertragungswegen und Speicherort der Daten. Intelligent programmiert sollten Nutzer einer solchen Lösung ohne technische Kenntnisse in der Lage sein, ein dezentrales Netzwerk von Kontakten und Teams aufzuspannen, um Nachrichten und Dateien verschlüsselt auszutauschen, unabhängig von Gerätetyp und Betriebssystem, sozusagen über die eigene in sich abgeschlossene Cloud.

Vor allem große Dateien würden über ein solches dezentrales, abgeschlossenes Netzwerk z.B. mittels Peer-to-Peer Technologie beeindruckend schnell übertragen, gerade wenn sich die beteiligten Geräte innerhalb des lokalen Netzwerks befänden. In einem solchen Fall müssten die Daten dann nicht mal das firmeneigene Netz verlassen und sparten sich den Umweg über die Server-Kaskade des Internet. Speichert man die Daten zudem nicht auf einem zentralen Server, sondern verteilt sie auf mehrere firmeninterne Rechner, erhöht man die Datensicherheit und Ausfallsicherheit immens.

Post-Snowden wissen wir alle um die verstörende Massenüberwachung des Internets und auch wenn man privat nichts zu verbergen hat, sollte die verschlüsselte Kommunikation im beruflichen Kontext mittlerweile in der professionellen Ecke verortet werden, also zum guten Ton gehören.

Das Internet und damit all die vielen miteinander verbundenen Geräte benötigen eine Strukturkur, die Implementierung der verschlüsselten Kommunikation und die Dezentralisierung der Gesamtstruktur muss irgendwo beginnen — starten wir mit dem digitalen Alltag — mit Sid!

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Henri Hagenow

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UX/UI Expert, Interactive Design & Development, Machine Learning, Digital Consultant, CoFounder of Sid Team Communications | www.headkit-studio.de | www.sid.co