Fc Bayern- Mainz 05 1:2

Ein wenig packte mich die Vorfreude dann doch, als ich die prallgefüllte riesige Arena sah. Es war für mich in der Tat ein neues Erlebnis da ich als 1860 Fan, die Arena, die bis auf den letzten Platz an einem Spiel unter der Woche ausverkauft ist, noch nie gesehen habe. Vor dem Spiel wurden schon wilde Spekulationen gemacht wie der mächtige FC Hollywood heute seine überbezahlten Stars in die Manege schicken würde, keiner wusste es. Pep schon. Ich blickte zum ersten Mal durch’s Stadion und mir viel sofort die Bandenwerbung: Qatar Airways auf. Das symbolische Zeichen für Unterdrückung und Antisemitismus und das bei einem Verein, der Mia san Mia hinten im Nacken des Tikots eingenäht hat. Von der Großfamilie zum riesigen Kommerzverein. Aber Fußball ist eben Fußball und keine Politik. Es geht weiter mit ein bisschen mehr Herz. Nach einer langen Diskussion mit einem Fan aus dem Tegernsee entschlossen wir uns dann beide dafür, lieber Robben, als Costa aufzustellen um die Wogen wieder zu glätten. Die mainzer Akteuere schoben ihre Körper auf das nasse Grün und machten sich unfreiwillig warm. So sah es zumindest aus. Sie liefen viel, machten viele Übungen und Tricksten auch ein bisschen rum, während sich auf der Bayernseite nur zwei nasse Tauben um ihr Abendessen bemühten. Doch dann ein heller Aufschwur ging durchs Stadion und Manuel, die möchtegern 10, Neuer kam durch den Tunnel und ließ sich erstmal gebührend von den pitschnassen Fans feiern. Mit ihm Sven Ulreich, von dem aber niemand wusste, dass es Sven Ulreich ist, oder dass es neben Manu N. noch einen Torwart gäbe. Die Torhüter liefen kurz auf und ab, stretchten sich und machten kleine Ballübungen als die anderen Stars aus dem Spielertunnel kamen. Er war da. Der unbesiegbare FC Hollywood. Im Hintergrund Qatar Airways. Man beachte, die Bayernprofis kamen eine halbe Stunde vor Spielbeginn zum aufwärmen. Mainz hingegen hat schon gefühlt 3 Kilometer auf dem buckel. Brav. Die Bayern machten alle miteinander einen Kreis aus Dehnübungen und kleinen Lauf/Sprinteinheiten, ließen den Ball in Zweierteams schön laufen und schossen wie russische Soldaten nach dem vierten Vodka. Schlecht! Nastrovje. Das Aufwärmen ist nun von beiden Mannschaften beendet. Im Hintergrund Qatar Airways. Ich postete noch schnell meinen letzten Fremdschämsnapchat von der allzeitbeliebten Bayernhymne: FC Bayern forever number one und schon kanns losgehen. Ich will nicht zuviel vorwegnehmen, aber in der ersten halben Stunde wusste ich nicht, was schlimmer war. Das sanfte Wegfrieren meiner zehen oder der statische Ballbesitzfußball der Bayern. Dann aber der erste Wachrüttler, Ribery legt den Ball von außen nach innen und Vidal zimmerte per Volley den Ball in Richtung Karius, der aber astrein pariert. Dann wieder das selbe Spiel, Bayern im Ball, Zehen am frieren, Qatar Airways. Es rollte die 35 Minute an, in der den angereisten Mainzer zum ersten Mal so etwas wie Hoffnung in das Gesicht geschrieben wurde. Ein Pass über außen, eine flache Hereingabe, Malli verpasst, Benatia grätscht daneben und Samperio, der allen entrannt ist, nutzt die Gelegenheit aus 11 Meter zum 1:0 für den Karnervalsverein. Ab dem Zeitpunkt, wusste ich, dass das heute doch kein so langweiliger Abend werden würde. Neben mir die pure Entsetzung in jedem Einzelnen. Das Spiel wurde wieder angepfiffen und bis zur Halbzeit hing mir ein alter, kleiner, rundlicher Mann im Ohr und erzählte mir Dinge, wie er damals Mainz gegen Köln sah und er alle für verrückt erklärte. Endlich Halbzeit, die Bayernfans enttäuscht, Mainz und ich mit einem Lachen im Gesicht. Qatar Airways. In der Halbzeitshow wurde eine behinderte Sportlerin mit dem Olympiasieg geehrt, Glückwunsch an dieser Stelle und ein Wettlaufen mit dem Ball in das Tor mit verbundenen Augen. Ein kleiner Junge gegen einen Österreicher, Mitte 50. Der Österreicher gewann, schenkte aber dann seinen gewonnenen Preis dem kleinen Jungen. Nette Geste! Die Profis kamen zurück auf’s Feld und die Kurve füllte sich wieder mit Anhängern. Alte leier, Bayern im Ballbesitz, viel Pässe, viele Dribblings, wenig Erfolgreiches. Dann kam der von mir geforderte Wechsel, den Pep dann auch vollbrachte. Gute Entscheidung, Junge. Er nahm den unauffälligen Coman vom Platz und ersetzte ihn durch den unberechenbaren Thomas the Körperklaus Müller, der auch nach seiner Einwechslung sofort die erste richtige Chance für Lewandowski brachte, die er aber vergeigt. Ein paar kleine Worte an Lewi. Der Pole hatte einen sehr schweren Stand in dieser kampfbetonten Partie, aber dennoch ging sein Kontingent nicht über 25 Ballkontakte in diesem Spiel hinaus. Aber man kann ja nicht immer 4 Tore in 9 Minuten fordern. Ach doch stimmt, die Bayern können das. Als Lewi die Chance vergab, wurden die Fans richtig ungeduldig. Sie begannen zu schimpfen, zu schreien und wild zu gestikulieren. Als nun Robben wieder auf den rechten Flügel ausgeweicht ist, entstand eine neue Druckphase. Freunde der Sonne, wenn je ein routinierter Abwehrchef eurer Kreisklassenmannschaft nach 9 Bier anfängt, dass er das Zeug hätte, den Robben stoppen zu können, unterbrecht ihn! Sagt ihm er liegt falsch. Egal in welcher Verfassung er sich befindet. Egal in welcher Verfassung ihr euch befindet. Arjen Robben hat die Athletik und die Technik eines Gottes! Seine Leichtfüßigkeit und seine schnellen Hacken sind nur mit 2–3 Gegenspieler zu stoppen. Und er war auch gestern wieder der Mann, der den Bayern wieder Grund zum Jubeln gab. Er zog von außen klassisch nach innen, spielte einen Doppelpass und schoss aus gut 25 Meter ins rechte untere Eck. Aus meiner Sicht eigentlich ein haltbarer Ball, aber fragt mich nicht, ich bin ja auch kein Torwart. Daraufhin stimmten die Bayernfans sofort eins von ihren vier Lieder an und versuchten einen halbherzigen Start, die Menge mitzureißen. Vergeblich. Als Pep nun Thiago vom Platz nahm und mit Costa den fünften Stürmer brachte, dachte ich, dass sie jetzt alles auf eine Karte setzen würden. Gleichzeitig kam für die Mainzer Juan Cordoba, ein großer, bummliger Stürmer um für Entlastung zu sorgen. Die Fans nun mit einem etwas ungewöhnlichen Gesang: Oh wie wär das, oh wie wär das, oh wie das wunderschön, wir woll’n Bayern siegen seh’n. Bayern spielt gegen Mainz, nicht gegen Juventus, Arsenal oder Barcelona! Nein, Mainz. Wo sie den Selfiestick benutzen um Spinnweben aus den Ecken der Terrasse zu ziehen. Weitergeht’s. Die Ungeduldigkeit auf den Rängen war kaum noch auszuhalten, die Südkurve und ihre 1000 Anhänger sangen mit und der Rest beschwärte sich gegen die eigene Mannschaft, anstatt sie zu Unterstützen! Spiel doch dahin, Seitenwechsel, Zieh ab, hörte man von allen Seiten. Und ich mittendrin. Und Qatar Airways. Es kam wie es kommen müsste, die Fans der Bayern wurden immer leiser, die Mannschaft unkonzentrierter und Mainz konterte. Und sie konterten mit jeder menge Euphorie. Ein weiter Ball raus auf Samperio, der lässt zwei Münchner stehen, legte rein auf Baumgartlinger, der sich perfekt an Benatia vorbeidrehte und auf genau den Super-Sub Juan Cordoba passte, der zum 2:1 einschob. Wir schreiben die 86. Minute. Völlige Extase im Block der Bayern. Becher flogen, Feuerzeuge wurden geworfen und gegen jeden Steher oder Zaun mindestens ein-oder mehrere Male getreten. Ich wusste, nicht was die Mainzer in diesem Moment gefühlt haben, aber ich bin mir sicher, ich war von diesem Gefühl nicht weit entfernt. Alleine, im Block der Müncher, mit Qatar Airways an der Bande. Die Nachspielzeit wurde angezeigt und Guardiola fuchtelte mit Allem was er hat. Es half nicht’s! Die Mainzer gewinnen tatsächlichen in München beim mighty FC Bayern! Sternstunde und mein erstes und vielleicht auch letztes Bayernspiel. Für mich der lebende Beweis, dass die Bayern doch noch schlagbar sind, obwohl das von den Fans sowieso keiner hören will. Als Letztes würde ich mich gern bei meinem Freund Alex für die Karte bedanken und allen Kombiwettern, die an diesem Spieltag auf die Bayern getippt haben ein herzliches Beileid aussprechen. Vielleicht einfach nächstes Mal Quotentippen ausprobieren, denn Mainz hatte eine Quote von 25. In diesem Sinne den Ball flach halten, weg vom Kommerzfußball und die Hintergründe im Fußball berücksichtigen. Qatar Airways.

Sebastian Huber, 4.3.2016