Pokémon-GO direkt oder indirekt zu verharmlosen ist größtmöglich objektiv betrachtet bestenfalls kurzsichtig, es sei denn man gehört zum Entwicklerkreis solcher Apps, deren Ziele sich mit denen von anderen Suchtmittelproduzenten nicht unwesentlich schneiden: “Perverse Begeisterung und offizielle, berufliche Belobigung bei erfolgreicher Kundenbindung durch erfolgreiche Etablierung legaler Suchtmittel auf dem Markt.” (Anmerkung: Der Begriff “Pervers” ist in diesem Falle als Synonym für “Abartig” und “Verdreht” zu werten.)
Es geht bei der Verurteilung dieses Spieles wohl weniger darum, dass diese App “Schlimm” ist, während die umgreifende Facebook- und Twitter-Sucht, oder medienbedingte Verkehrsdelikte u.ä. es ausgerechnet nicht sein sollen,(Das sind sie in jedem Fall!) sondern das, was hinter der App steckt und der traurige Grund, weshalb Menschen der jüngeren Generation es nicht schaffen aus anderen Anlässen das Haus zu verlassen. Und wenn doch meist irgendwo herumlungernd, teilweise pöbelnd anzutreffen sind.
Es gibt keinen Grund bei solchen, wie den meisten Themen, persönlich zu werden. Somit bleibt euch die Frage, ob ihr euch zu o.g. Ersterem, oder zu den bestätigenden Ausnahmen hinzuzählen könnt, selbst überlassen. Es hat sich inzwischen oft genug bewiesen, dass zur persönlichen Selbsteinschätzung gehört, sich selbst lange genug Zeit zu geben, — abseits der omnipräsenten Arbeit, diversen Menschen die davon ebenfalls verfolgt werden und anderen Ablenkungen — sein eigenes Unterbewusstsein zu studieren und dessen Psychologie zu erfassen.
In der Regel ist natürlich auch eine gewisse Weisheit unabdingbar, um den eigenen, gesamten Zustand der Psyche als Ganzes und danach in seinem jeweils folgenden, temporärem Zustand zu erfassen. Mit sich selbst leben zu können, einfach mal ohne irgendeine Spielerei o.ä. Stimulanzen die Ruhe auf dem Sofa oder auf der Wiese im Freien zu genießen ist tragischerweise zu einer raren Form der Zwischenzeitgestaltung geworden. Als Autor dürften Sie dies jedoch bereits verinnerlicht haben, sofern Sie den Gefilden der Romane schreiten, gestatten Sie mir somit bitte eine kurze Anfrage an Sie: Weshalb die gemeine Verharmlosung? Eine Gegenpendel-Bewegung, ausgelöst von Menschen, die Sie aufgrund von Überspannungen ihrerseits vorverurteilen? Verständlich, aber muss man derartige Pöbeleien unterstreichen, indem man auf sie eingeht? Lassen Sie daraus keine Ego-Sache erwachsen, weder in Bezug auf die Pöbeleien, noch in Bezug auf meinen Beitrag hier.
Zurück zum Sympthom: Das Hauptproblem dieser App ist, dass die Menschen eben nicht herumsitzen können (sofern nicht gerade nahe eines ‘Level-Hotspots’), sondern mit Scheuklappen durch die Straßen laufen und Geschäfte/Restaurants teilweise in Massen “überfallen”, nicht etwa um dort etwas zu kaufen, sondern um bei vermeintlichen Hotspots ein seltenes, virtuelles Exemplar abzustauben. Trotz der vermeintlichen Erfolgsbombe als die sich diese App gerne bei meinungsverbreitenden Medien einkauft, gibt es trotz der vergleichsweise kurzen Laufzeit bereits eine beachtliche Meldung an Negativ-Erfahrungen durch Nutzer und Leidtragende vorort. Nur wie üblich verkauft sich meist die besser bezahlte, öffentliche Meinung.
Die Begeisterung der „Pokémon Go"-Spieler für die App hat in Kiel einen Polizeieinsatz ausgelöst. Mitarbeiter einer…www.ksta.de
Während es also von industrieller Seite als Werbeerfolg und sinnvolle Investition propagandiert wird, sollte der gesunde, menschliche Verstand hier im Geiste die Finger kreuzen und die Hypeparade einmal auf “Pause” schalten, um zu realisieren, was genau eigentlich “abgeht”. Nicht genug, dass wir 2015 bereits traurige Gewissheit über die Existenz der Smartphone-Zombies gewonnen haben, da setzen wir mit einer App, die voraussetzt, dass man wahllos stolpernd und blickfixiert im Exterior herumwandert ganz neue Maßstäbe. Ich kann nur behaupten, dass von allen Unfällen auf der Welt mir nur jene kein Mitgefühl abringen, die durch non-stoffliche, rein psychische Sucht hervorgerufen werden.
Um dem ein persönliches Fazit hinzuzufügen: Man sollte also mit seiner eigenen immateriellen Entwicklung genug beschäftigt sein, um sowohl gesundheitsschädlichen, wie auch zeitfressenden Süchten mit Erkennen und Maß zu begegnen. Ob das Maß dann doch wieder ausufert, wie bei vielen leider der Fall oder in Ablehnungsvernunft endet, kommt auf das Verhältnis aus Verlockung und Disziplin des jeweiligen Menschen an.
Ich persönlich finde, dass Pokémon-GO sämtliche Konsequenzen einer viralen Verbreitung beinhaltet, vor allem aber die des Krankheits-Aspekts. Zahllose Raucher und Alkoholabhängige brauchen Jahre und dutzende Extremsituationen am Zenit ihrer Sucht, um sie tatsächlich als solches anerkennen zu können, ‘hat es doch als gesellschaftliches/witziges Hobby begonnen..!’
Allerdings wäre es durchaus vermessen zu behaupten, dass es keine ähnlich schlimmen Apps oder Ablenkungen gäbe. Erste Gerüchte eines Wein-App-Ablegers im P-GO-Stil machen bereits die Runde. Aber mit Pokémon-GO haben wir mit zweifelhafter Glorie — herzlichen glückwunsch an Betreiber und Antreibende übrigens — Smartphone-Zomby Level 2 erreicht! 2016 übertrifft derzeit aber auch in jeglicher Hinsicht.
Zumindest sind die seit dem Initialstart gestiegenen Nintendo-Aktien inzwischen(25.07.16) wieder um 18% gefallen. Obgleich Nintendo direkt nur einen unwesentlichen Anteil an der App tatsächlich besitzt.
Noch Zweifel am Hintergedanken der Betreiber via Geodaten-Übertragung und Zugriff auf persönliche Daten des Smartphones? Dann bitte den Namen “John Hanke” (Schöpfer der Pokémon-GO-Droge und vormals ‘KEYHOLE Inc’) überprüfen. Der gute Mann ist nämlich nicht unbedingt wegen seiner guten Absichten mit seinen Produkten bekannt, beäugt man die Risiken und Nebenwirkungen in der rechtlichen ‘Packungsbeilage’. Dies und einige weitere Hintergründe sind beispielsweise recht gebündelt auf dieser, englischsprachigen Seite einsehbar:
Less than a week after Pokémon Go's launch, our streets are already filled with packs of phone-wield... Less than a…humansarefree.com
‘Es gibt exzessive Säufer und es gibt “Nipper”, es gibt Kettenraucher und es gibt “Paffer”. Ich persönlich beurteile einen Menschen nur dann, wenn er ausser seinem Leben noch das anderer erschwert/beschränkt/zerstört. Da ist die rote Linie, bei der die persönliche Freiheit endet.’
Ich wünsche beste Gesundheit.