Die Suche nach außerirdischen Superzivilisationen — 5 Kandidaten gefunden!
Ein interessanter Ansatz bei der Suche nach Außerirdischen Zivilisationen ist die Suche nach so genannten Superzivilisationen, die sich durch ihre weit fortgeschrittene Technologie und ihren extrem hohen Energieverbrauch auch über sehr große Distanzen verraten. Sie sollten eigentlich relativ leicht zu finden sein, wenn man nur die Anzeichen richtig zu deuten weiß.
Das Universum ist schon so alt, daß es sie geben müßte, Zivilisationen, die der Menschheit technologisch um Millionen Jahre voraus sind und teilweise vielleicht schon sogar eine Existenzform jenseits der biologischen Körperlichkeit gefunden haben.

Im Jahre 1964 erdachte der russische Astrophysiker Nikolai Kardashev eine Klassifizierung des technologischen Entwicklungsstandes möglicher Außerirdischer Zivilisationen. Dabei orientierte er sich am Energieverbrauch:
Typ I Zivilisationen nutzen die Energieressourcen des ganzen Planeten. Die Menschheit hat dieses Stadium derzeit noch nicht erreicht.
Typ II Zivilisationen fangen die gesamte Energie ihrer Sonne auf — das sind 10 Milliarden mal mehr als ein Planet wie die Erde hergibt — indem sie zum Beispiel eine Kugelschale um ihr gesamtes Sonnensystem errichten, eine Dyson-Sphäre. Diese kann etwa aus einem dichten Schwarm von Sonnenkollektoren bestehen, der die Sonne kugelsymmetrisch umkreist.
Typ III Zivilisationen verfügen über die Energiereserven einer ganzen Galaxie. Das ist noch einmal eine Steigerung um das 10 Milliarden-fache.
Für Typ 3 — Zivilisationen würde eine einzelne Sonne als Energiequelle nicht mehr ausreichen. Sie wären stattdessen darauf angewiesen aus einem beträchtlichen Anteil der Sterne ihrer Heimatgalaxie Energie zu gewinnen oder direkt aus Schwarzen Löchern. Schwarze Löcher verwandeln wesentlich effizienter Masse in Energie als das die Sterne in ihrem Inneren durch Kernverschmelzung tun. Durch Manipulation der RaumZeit selbst könnten Schwarze Löcher auch künstlich hergestellt werden, daneben aber auch Wurmlöcher für überlichschnelle Weltraumfahrt und sogar Zeitreisen.
Ja mehr noch: Durch Manipulation der RaumZeit ließen sich neue Universen schaffen, welche auf der anderen Seite eines Schwarzen Loches durch einen kontrollierten Urknall gestartet würden.
Die Energiegewinnung mit Schwarzen Löchern ist im Prinzip ganz einfach. Man erzeugt ein Schwarzes Loch zum Beispiel in direkter Nähe zu einem normalen Stern oder auch einem Weißen Zwerg, ein erloschener Stern, der allen Kernbrennstoff verbraucht hat. Das Schwarze Loch saugt dann Material seines Nachbarsterns an und es bildet sich eine Akkretionsscheibe. Wenn die Materie in das Schwarze Loch stürzt werden gewaltige Energiemengen frei. Die potentielle Energie im Gravitationsfeld wird in elektromagnetische Energie in Form von Röntgenstrahlung umgewandelt, die dann aufgefangen werden kann.
Natürliche Schwarze Löcher haben normalerweise eine Mindestmasse des 3,5- fachen unserer Sonne. Diese Masse muß nach der Supernovaexplosion eines sterbenden Sternes übrigbleiben damit die Gravitationskräfte für ein Schwarzes Loch ausreichen. Künstliche Schwarze Löcher würden dagegen durch RaumZeit-Manipulation entstehen und wären nicht an diese Mindestmasse gebunden. Die Entdeckung eines solchen zu leichten Schwarzen Loches wäre deshalb ein starker Hinweis darauf, daß es künstlich hergestellt sein könnte.
Zwar wurde so etwas bisher noch nicht gefunden, aber immerhin kennt man durch das Röntgenteleskop Chandra der NASA schon 18 Röntgendoppelsterne, deren einer Partner ein Schwarzes Loch ist.
Wie auch immer eine galaktische Superzivilisation ihre Energie gewinnt, es würde Astronomen anderer Zivilisationen, selbst in weit entfernten Galaxien deutlich auffallen:
Alle Energie, die gewonnen und genutzt wird, die wird letztendlich zu Wärme, welche als Infrarotstrahlung in den Raum abgegeben wird. Eine Galaxie, die eine Superzivilisation beherbergt würde daher auffällig im mittleren Infrarot strahlen (MIR), viel mehr als das natürlicherweise der Fall ist! Der Anteil der Ultraviolettstrahlung und des sichtbaren Lichts (NUV-r) wäre dagegen herabgesetzt, denn diese Strahlungen würden ja von der Superzivilisation aufgefangen und als Energiequelle genutzt.
Nach solchen im Infraroten auffälligen Galaxien als Anzeichen für dort vorhandene Superzivilisationen hat ein Team von Astronomen unter Leitung von Prof. Roger Griffith (Penn State University, USA) nun in den Daten des Weltraum-Infrarotteleskopes WISE der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA gesucht: “The Ĝ Infrared Search for Extraterrestrial Civilizations with Large Energy Supplies. III. The Reddest Extended Sources in WISE.”

Aus den Beobachtungsdaten von WISE wurden 100000 Galaxien näher untersucht. Darunter waren 50 mit einer auffällig erhöhten Abstrahlung im mittleren Infrarot. In den meisten Fällen gibt es natürliche Erklärungen. Es sind zum Beispiel Galaxien mit aktiven von Staubwolken umgebenen Sternentstehungsregionen, zum Teil angefacht durch die Nahbegegnung mit Nachbargalaxien. Die Staubwolken absorbieren die Strahlung der jungen Sterne, erwärmen sich und strahlen dann im Infraroten.
Es wurden aber auch anormale, rote Spiralgalaxien gefunden, die passiv sind, also eine sehr geringe Sternentstehungsrate aufweisen. Es mangelt ihnen an Wasserstoffgas als Material der Sternentstehung und es gibt dort auch kaum noch Staubwolken.

Es ist gar nicht so einfach passive rote Spiralgalaxien als solche zu erkennen: Es gibt blaue und rote Galaxien. Die blaue Farbe ist typisch für die heißen und massereichen Sterne Sternentstehungszonen. Diese Sterne leben nur kurz, denn die hohe Eigenschwerkraft infolge ihrer großen Masse facht die Kernfusion in ihrem Inneren an, so daß sie all ihren Kernbrennstoff schnell verbrauchen. Es bleiben die masseärmeren, kühleren und deshalb rot leuchtenden Sterne übrig, welche mit ihrem Kernbrennstoff sparsamer umgehen.
Blaue Galaxien sind also jung und aktiv, rote Galaxien dagegen eher älter.
Enthält eine aktive Spiralgalaxie mit einer normalen Sternentstehungsrate jedoch viel Staub, so erscheint sie rot und nicht bläulich wie eigentlich zu erwarten. Der Staub streut das Sternenlicht, vor allem das kurzwellige, blaue Licht und so bleibt das langwellige, rote Licht übrig, das man dann sieht. Dieser Effekt ist besonders stark, wenn man von der Seite auf die Galaxie schaut, weil sich der meiste Staub in der Ebene der galaktischen Scheibe sammelt. Man wählt deshalb bei der Suche nach passiven roten Galaxien nur solche aus auf die man von oben schaut.
Dominiert in einer Galaxie der Kernbereich, wo die Sternentstehung immer zuerst beginnt, dann überwiegen trotz weiter laufender Sternentstehung in den äußeren Regionen die älteren roten Sterne. Die heißen, massereichen und blauen Sterne sind ja nur kurzlebig, so daß im Kernbereich einer Galaxie schon bald keine mehr existieren. Wiederum erscheint die Galaxie rot, obwohl sie doch noch normal aktiv ist.
Echte passive rote Spiralgalaxien kann man aber trotzdem eindeutig erkennen und zwar an ihrer nur schwach ausgeprägten Strahlung im ultravioletten und sichtbaren Licht (NUV-r), eine Folge ihrer geringen Sternentstehungsrate.

So gelang auch dem Astronomenteam um Roger Griffith die Identifizierung einiger weniger echter roter und passiver Spiralgalaxien in den Daten von WISE. Fünf von ihnen weisen einen auffälligen Überschuss an Strahlung im mittleren Infrarot (MIR) auf. Das könnte auf die Aktivität von Superzivilisationen in diesen relativ alten Spiralgalaxien hindeuten, welche zwischen 20 und 25% der Sterne ihrer jeweiligen Heimatgalaxie zur Energiegewinnung nutzen. Das ist weniger als die 85% oder mehr über die immer wieder im Zusammenhang mit Kardashev 3 (K3) Superzivilisationen spekuliert wurde, aber es wäre nichtsdestotrotz eine für uns Menschen kaum mehr fassbare technische Meisterleistung! Bei uns Menschen und selbst bei deutlich weiter fortgeschrittenen Zivilisationen (K1, K2) läge der Prozentsatz bei nahe 0%!
Die an der Studie beteiligten Wissenschaftler regen eine genauere Untersuchung der 5 Kandidaten-Galaxien im Rahmen des SETI-Projekts an (SETI=Search for Extraterrestrial Intelligence).
Jens Christian Heuer